Aachen - „Menschen 2016“: Eine klare Ansage an Trump

„Menschen 2016“: Eine klare Ansage an Trump

Von: Christina Handschuhmacher, Peter Pappert und Christoph Velten
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Warnung für Länder, „die aus der Spur geraten“: Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn (links) bei unserer Gala in Aachen. In der Mitte AZ-Chefredakteur Bernd Mathieu, daneben Detlef Drewes, Brüssel-Korrespondent unserer Zeitung.
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Besuch vom FC: Toni Schumacher. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Kurz vor dem heutigen Amtsantritt des neuen US-Präsidenten hat der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn bisherige politische Äußerungen von Donald Trump deutlich kritisiert. „Ich hoffe, dass die USA nicht zu einer Twitter-Demokratie werden“, sagte Asselborn bei der Gala „Menschen 2016“ unserer Zeitung vor rund 600 Gästen.

Trump habe offensichtlich noch nicht verstanden, dass die Europäische Union weniger eine ökonomische als eine Wertegemeinschaft sei. „Wir haben als Westen eine Rolle zu spielen, die auf Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten beruht.“

Asselborn nahm damit vor allem Bezug auf Äußerungen Trumps in einem Interview, das zu Wochenbeginn für Aufsehen sorgte. Darin fand der designierte US-Präsident unter anderem lobende Worte für den Brexit, sagte voraus, dass noch weitere Länder aus der EU austreten würden, und bezeichnete die Nato in ihrer derzeitigen Form als „obsolet“.

Asselborn erneuerte bei der Gala „Menschen 2016“, die von Chefredakteur Bernd Mathieu und Amien Idries, Mitglied der Chefredaktion, moderiert wurde, auch seine Kritik an manchen politischen Entwicklungen in Polen, Tschechien und Ungarn. Mit Blick auf die Flüchtlingspolitik der EU und erstarkende nationalstaatliche Tendenzen sagte Asselborn, dass die politisch Verantwortlichen dort endlich begreifen müssten, dass die EU in erster Linie ein Friedensprojekt sei. „Und Frieden garantiert man nicht durch Verträge. Frieden kann man nur garantieren, wenn die Einstellung zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten gleich ist.“

Wenn die Unabhängigkeit und Freiheit von Justiz und Presse bedroht werde, müsse das vereinigte Europa reagieren. „Wenn ein Land auf die falsche Spur gerät“, sei ein Ausschluss aus der EU zur Not die letzte Konsequenz. Angesichts der vielen Krisen innerhalb und außerhalb Europas müsse sich die EU ihrer Macht und Vorbildfunktion stärker bewusst werden. „Wir werden in Lateinamerika, Afrika und Asien beneidet. Dort strebt man unser Niveau an Werten und Rechtsstaatlichkeit an.“ Nach wie vor habe die EU zudem eine große Anziehungskraft. „Viele Staaten des Balkans wollen unbedingt in die EU, und viele Länder wollen unbedingt den Euro als Währung einführen.“

Die EU sei als politisches Projekt alles in allem erfolgreich, dies habe sich zuletzt etwa beim Atomabkommen mit dem Iran oder dem Klimaschutzabkommen gezeigt. Mit Blick auf diese außenpolitischen Erfolge, an denen auch der scheidende US-Präsident Barack Obama großen Anteil hatte, sagte Asselborn: „Ich hoffe für die Welt, dass Herr Trump einsieht, dass diese ganze Arbeit nicht einfach so zerstört werden darf.“ Trumps Slogan „Make America great again“ (dt. „Amerika wieder großartig machen“) könne nicht der Maßstab der künftigen US-Politik sein. „Amerika darf nicht nur egoistisch und unter rein wirtschaftlichen Aspekten regiert werden“, forderte Asselborn und erhielt dafür viel Applaus. Nur ein einiges und starkes Europa sei in der Lage, im Ernstfall Fehlentwicklungen in den USA weltpolitisch zu korrigieren.

Auch abseits der großen politischen Themen gab es bei der Gala „Menschen 2016“ wieder spannende Begegnungen und interessante Einblicke. Die Kölner Torwart-Legende Toni Schumacher etwa erzählte von seiner neue Rolle als „Beruhigungspille des Geißbockheims“, der Aachener Rapper MoTrip sprach über seine Erfahrungen mit der klassischen Musik, und Skat-Weltmeister Rolf Schnier ließ sich nach seinem Sieg in Las Vegas in die Karten blicken. Pfarrer Charles Cervigne aus Aldenhoven plädierte nach der rechten Prügelattacke gegen ihn noch einmal für Zivilcourage und Menschlichkeit, und der 13-Jährige Marvin Stahlmann brachte Bilder mit, die sein Wetterballon in einer Höhe von 40 Kilometern aufgenommen hatte.

Zudem wurden die Sportler des Jahres ausgezeichnet. Die Powervolleys aus Düren schafften es nach ihrem 3:0 Sieg gegen Solingen gerade noch rechtzeitig zur Preisverleihung. 

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