„Ladies in Black“: Stark in der Niederlage

FuPa Freisteller Logo

„Ladies in Black“: Stark in der Niederlage

Von: Roman Sobierajski
Letzte Aktualisierung:
11444099.jpg
Die „Ladies in Black“ Aachen griffen nach dem Pokal und mussten sich doch noch geschlagen geben. Foto: Wolfgang Birkenstock

Das Siegerteam beeindruckte vor allem im Moment seiner größten Niederlage. Tränen, Fassungslosigkeit, tröstende Worte. Spielerinnen, die sich in die Ecke setzten, das Handtuch über den Kopf warfen und vergeblich darauf hofften, unsichtbar zu sein. In fünf Sätzen hatten die „Ladies in Black“ Aachen gerade vor knapp 11.000 Zuschauern gegen den MTV Stuttgart das Finale um den Deutschen Volleyball-Pokal verloren.

Mit 13:15 im Tiebreak, mit 101:102 Gesamtpunkten. Nach über zwei Stunden intensiver und nervenaufreibender Spielzeit fehlte ein lausiger Punkt zum Sieg. Bitterer kann eine Niederlage in diesem Sport kaum sein. „Ich kann nichts sagen“, meinte Abwehrchefin Dominika Valachova, die wie ihre Teamkolleginnen erst einmal ihren Tränen freien Lauf lassen musste. „Für mich ist das noch gar nicht beendet.“

Doch auch, wenn die „Ladies“ nur als zweiter Sieger und mit der silbernen Plakette für den unterlegenen Finalisten aus dem Pokal nach Aachen zurückkehrten: Die Spielerinnen von Trainer Marek Rojko hatten ein ganz großes Ausrufezeichen in die Landkarte von Volleyball-Deutschland gerammt. Mehr als 1000 Fans begleiteten das Team an diesem 1. März ins Gerry-Weber-Stadion in Halle/Westfalen. Die schwarze Wand der Aachener Fans auf den Tribünen war ein mehr als beeindruckendes Bild, der Support der Mannschaft durch die Anhänger dürfte einmalig in der Geschichte des Deutschen Volleyball-Pokals sein.

„Super Aachen, olé, olé“ feierten die Fans die Mannschaft noch, als schon lange feststand, dass die „Ladies“ gegen die favorisierten Stuttgarterinnen den Kürzeren gezogen hatten. „Ich bin unglaublich stolz auf meine Spielerinnen und auf diese Fans“, fand Aachens Trainer Marek Rojko ein passendes Schlusswort.

Angefangen hat der sportliche Höhenflug vor zweieinhalb Jahren, als auch der 38-Jährige das Amt des Cheftrainers antrat. Auf drei Jahre war das Projekt angelegt, den Volleyball-Standort Aachen zu einer erstklassigen Adresse zu entwickeln.

Und zumindest auf sportlichem Gebiet wurden die Erwartungen mehr als erfüllt. Bereits die erste Saison beendete die Mannschaft als Dritter der Meisterschaft, zwang den späteren Titelträger Dresdner SC im Halbfinale in das dritte (und letzte) Entscheidungsspiel und unterlag erst im Tiebreak. In der nächsten Saison folgte der Durchmarsch bis ins Pokalfinale – und wiederum gingen die „Ladies“ erst im Tiebreak als Verlierer vom Platz. Und auch in die laufende Spielzeit starteten die Aachenerinnen furios, leisteten sich im ersten Viertel nur eine Niederlage und belegten lange Zeit den zweiten Tabellenplatz, nachdem die ersten Jahre nach dem Aufstieg aus der Zweiten Bundesliga geprägt waren vom Kampf um das Überleben im Oberhaus, von ständigen Endspielen gegen den Abstieg. Festzuhalten ist allerdings auch, dass die anderen Rahmenbedingungen hinter dem sportlichen Höhenflug zurückgeblieben sind. Die Erfolge in der Liga und im Pokal schlugen sich nicht wie erwartet im gleichen Maß auch in gestiegenen Sponsorenzuwendungen nieder.

Auflagen der Bundesliga

Und auch die Spielstätte an der Neuköllner Straße, bei den Gegnern bundesweit als der „Hexenkessel“ gefürchtet wie geliebt, kann den gestiegenen Anforderungen unter dem Leitbild einer eleganten, spannenden und fairen Sportart nicht mehr genügen. Zu klein, nicht hoch genug, nicht der Charakter einer Arena, lautet das Urteil der Volleyball-Bundesliga, das weitreichende Auflagen und Beschränkungen und damit auch erheblich gestiegene Kosten zur Folge hatte. Aus heiterem Himmel kam diese Einschätzung allerdings auch nicht, jahrelang operierte der Klub mit einer Ausnahmegenehmigung, die irgendwann nicht mehr erteilt werden würde. Schließlich findet auch die größte Langmut irgendwann ein absehbares Ende.

So kämpfen die „Ladies“ in dieser Saison vor allem abseits des Spielfeldes um das Überleben. Ein Loch im Saisonetat von 265.000 Euro offenbarten die Verantwortlichen schon in den ersten Wochen der neuen Saison. Es ist noch nicht komplett gestopft, aber inzwischen steht fest, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann. Die Insolvenz ist abgewendet, viele Sponsoren und Fans haben ihr Herz für den spektakulären Sport in den letzten Wochen entdeckt. Auch wenn sich die Wege von Trainer und Mannschaft kürzlich getrennt haben: Der Standort Aachen hat wieder eine Perspektive für die Mannschaft des Jahres 2015.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert