Karriereende in Sicht: Ludger Beerbaum will aus dem Springsattel steigen

Von: Helga Raue
Letzte Aktualisierung:
9124877.jpg
Mit seiner Schimmelstute Chiara ersprang Ludger Beerbaum 2014 knapp 700 000 Euro Preisgeld. Nur die erhoffte WM-Medaille verpasste das Paar. Foto: sport/EQ Images, Eibner
Beerbaum
Sportlich haben sich 2014 nicht alle seine Wünsche erfüllt, wirtschaftlich gesehen, ist er zufrieden: Ludger Beerbaum Archivfoto: dpa

Region. S ein Wort hat Gewicht, wenn er etwas sagt, hört ihm die Reitsportszene zu. Dabei ist Ludger Beerbaum beileibe kein Lautredner, was er sagt, hat stets Hand und Fuß – wenn es auch nicht immer bequem ist. „Warum sollte ich aus meinem Herzen eine Mördergrube machen? Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann sage ich das auch“, betont der 51-jährige Springreiter.

Ludger Beerbaum ist ein Mann der klaren Worte, einer, der nicht herumredet, einer, der auf den Punkt bringt, was er denkt und will. Legendär sind etwa seine süffisanten Aussprüche in einem Interview beim CHIO Aachen 2012 zum Thema Dressurhengst Totilas: „Ich hätte gewartet, bis ich meine Piaffen und Passagen hinbekomme, und dann hätte ich vielleicht mal über das Drucken von Totilas-Shirts nachgedacht.“ Um dann noch draufzusetzen: „Die könnten es sich sogar finanziell leisten, das Pferd morgen auf den Grill zu legen und aufzuessen.“ Die Szene lachte, applaudierte oder ärgerte sich, je nach Position. Ludger Beerbaum kümmerte das wenig, er steht zu seinen Aussagen, ob sie gefallen oder nicht.

Diese Position hat sich der 51-Jährige in über 30 Jahren hart erarbeitet. Der vierfache Olympiasieger ist der erfolgreichste noch aktive Springreiter der Welt. Er ist der Leitwolf der deutschen Springreiter, weil er im Sattel erfolgreich ist, aber auch, weil er vorangeht und Verantwortung übernimmt – auch im Parcours, wenn er bei Championaten und Nationenpreisen als letzter Reiter die Kohlen aus dem Feuer holen soll. 2004 war er der deutsche Fahnenträger bei den Olympischen Spielen in Athen, und die Begründung des Nationalen Olympischen Komitees für seine Wahl spricht für sich: „Beerbaum entspricht dem Idealbild des mündigen, selbstbestimmten Athleten, der Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten ausschöpft und mit seinem Auftreten ein Vorbild für die Jugend ist.“

Talent früh erkannt

Beerbaums Weg an die Spitze war genauso gradlinig: Das Talent des gebürtigen Adelebseners wurde früh erkannt, er lernte schnell. Mit 15 Jahren bekam er die Stute Wetteifernde, mit der er sofort auf sich aufmerksam machte. Ehrgeiz und harte Arbeit kennzeichnen den Weg des 1,90 Meter großen Reiters. Mit 18 wurde er deutscher Vizemeister der Junioren, ein Jahr später gewann er Silber bei den Jungen Reitern. Kurz widmete er sich nach dem Abitur dem Betriebswirtschaftsstudium, entschied sich dann aber für die Reiterei. 1985 wechselte Beerbaum in den Stall von Paul Schockemöhle in Mühlen – das war der Beginn einer großen Karriere mit Team-Gold bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul als erstem Highlight.

Ein Karriereknick blieb aus, als sich die Wege 1988 trennten, weil der junge Springreiter mit der Ehefrau seines Arbeitgebers angebändelt hatte. Im bayerischen Stall Moksel startete er sofort durch, holte 1992 auf Classic Touch eine olympische Einzel-Goldmedaille. 1995 zog Beerbaum mit Frau Barbara und Sohn Alexander ins westfälische Riesenbeck, wo er erfolgreich einen eigenen Turnierstall samt Hengststation aufbaute. 25 Angestellte, darunter drei internationale Springreiter, die mit ihm die Pferde auf Turnieren vorstellen, sind inzwischen in seinem Stall tätig.

Und damit nicht genug: Im Frühjahr 2015 wird das Reitsportzen-trum „Riesenbeck International“ eröffnet, das neue Maßstäbe im Reitsport setzen soll. Unweit seiner eigenen Anlage entsteht zu Füßen der Surenburg, Sitz von Constantin Freiherr Heeremann von Zuydtwyck, auf dem Gelände des Zucht-, Reit- und Fahrvereins Riesenbeck die neue Anlage mit zwei riesigen Hallen, Ställen und einem Park-Hotel der gehobenen Klasse. „Mein Laden platzt aus allen Nähten. Ursprünglich hatte ich nur daran gedacht, eine neue Reithalle zu bauen, um zusätzliche Trainingsmöglichkeiten für den Winter zu haben“, erläutert Beerbaum, doch dann kam er mit den Herren von Heeremann ins Gespräch und man beschloss, gemeinsam ein neues Reitsportzentrum an den bestehenden ZRFV, der sich unter anderem durch internationale Fahrchampionate einen Namen gemacht hat, anzugliedern. Im Juni erfolgte der Spatenstich – und schon am 28. März 2015 wird die Anlage eingeweiht.

„Es geht nicht nur um Reiten, angesprochen sind Züchter, Ausbilder, Hufschmiede, Tierärzte, alles eben rund um den Pferdesport. Da besteht Bedarf, und die neue Anlage ist eine gute Plattform, um auf einem hohen Niveau weiterzubilden“, erläutert Beerbaum – auch mit Blick auf die Zeit nach der aktiven Karriere. Denn die ist definitiv endlich: „Ich sehe Rio de Janeiro schon am Horizont“, sagt der Springreiter schmunzelnd – und beweist damit nicht etwa scharfe Augen, sondern meint die Olympischen Spiele in Brasilien 2016. „Das wären meine sechsten und definitiv meine letzten Spiele.“ In absehbarer Zeit danach will er seine Karriere im Sattel beenden. „Ich sage nicht, gleich danach oder ein Jahr später. Das werde ich kurzfristig entscheiden. Aber auf jeden Fall wird es in absehbarer Zeit nach Olympia sein.“

Der Springreiter, der gerade sein Bereiterteam um Philipp Weishaupt, Christian Kukuk und den Schweden Henrik van Eckermann mit dem 20-jährigen Franzosen Edward Lévy aufstockte, ist auch ein gefragter Ausbilder, daneben betreibt er noch eine Hengststation. Eins will Beerbaum aber auf gar keinen Fall werden – Bundestrainer: „Da kann ich zu wenig gestalten, zu wenig meine eigenen Dinge durchbringen. Und am Ende wäre ich sicher nicht ausgelastet, das wäre mir zu langweilig.“ Außerdem freut er sich auch auf die Zeit nach der aktiven Karriere. „Dann werde ich sicher weniger reisen, denn am liebsten bin ich bei meiner Familie zu Hause.“ Aus zweiter Ehe mit der Britin Arundell Davison hat Beerbaum zwei kleine Töchter, Cecilia und Mathilde, sechs und dreieinhalb Jahre alt.

Sein Blick zurück auf 2014 ist ein zufriedener. „Aber da gibt es zwei Sichtweisen: Wirtschaftlich ist es mit rund 1,5 Millionen Euro Preisgeld richtig gut gelaufen. Alleine Chiara hat fast 700 000 Euro gewonnen. Sportlich habe ich es mir etwas anders vorgestellt“, sagt der 51-Jährige mit Blick auf die WM in Caen, wo das deutsche Team als Titelverteidiger eine Medaille um einen Zehntel-Punkt verpasste. Als letzter Reiter hätte Beerbaum mit einem fehlerfreien Ritt sogar noch nach Gold greifen können, doch er patzte ein Mal. „Wenn es wenigstens mit der Mannschaft oder im Einzel aufs Podium gereicht hätte. Aber so ist unser Sport, und das müssen wir akzeptieren. Die Spitze ist im internationalen Springsport nun einmal sehr breit geworden.“ Auf den Start in der Einzelwertung verzichtete Beerbaum, da er keine Erfolgschancen mehr sah. Und auch im Finale der hoch dotierten Global Champions-Tour in Doha hatte Beerbaum Pech: Seine Stute Chiara bekam eine Kolik, und auf „Ersatz“ Zinedine kam das Aus schon nach Runde eins. So wurde er Gesamtdritter.

Wegen eines Trauerfalls in der Familie verzichtete Beerbaum kurzfristig auf den sportlichen Jahresabschluss beim Vorweihnachtsturnier in London. Doch schon am zweiten Januar-Wochenende wird er voraussichtlich in Basel wieder am Start sein. Das große Ziel für 2015 hat er – neben allen anderen wichtigen Turnieren – bereits fest im Blick: „Die Europameisterschaft, ganz klar – und dass sie in Aachen stattfindet, ist doppelt gut“, freut sich Beerbaum, 2015 zwei Mal in der Soers zu Gast zu sein: beim Weltfest des Pferdesports vom 29. bis 31. Mai und bei der EM vom 11. bis 23. August.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert