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Die regionale Rückschau bei unserer Gala „Menschen 2015“

Von: Christoph Velten
Letzte Aktualisierung:
Menschen 2015
Unsere Gala „Menschen 2015“ ging auch in diesem Jahr wieder bei der Mercedes-Benz-Niederlassung in Aachen über die Bühne. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wolfgang Stumph ist gewissermaßen der Stargast des Abends, auch wenn er sich so nie selbst bezeichnen würde. Stumph, der „Stubbe“ aus dem Fernsehen, sitzt als Botschafter für das Kinderhilfswerk Unicef auf der Bühne der Gala „Menschen 2015“ und blickt neugierig in die Runde.

Er hat den Abend sichtlich genossen, hat die vielen positiven Eindrücken aufgesogen, die die anderen Gäste zuvor hinterlassen haben. „Eine wirklich tolle Veranstaltung“, sagt Stumph. „Ich bin froh, dass ich nach Aachen gekommen bin. Das verschafft mir neue Energie.“ Es geht wohl einigen an diesem Abend so, einem Abend der Mut macht, motiviert für die Herausforderungen, die noch kommen.

Das Jahr hat eben erst begonnen, die sexuellen Übergriffe in Köln und der Terroranschlag in Istanbul haben die Schlagzeilen der vergangenen zwei Wochen bestimmt, es ist kein guter Start ins neue Jahr. Angst und Ungewissheit drücken auf die Stimmung. Flucht ist das allumfassende Thema. Da hilft der Blick zurück, um noch mal innezuhalten. Die Gala „Menschen 2015“ ist dafür wie gemacht. Die Erkenntnis darüber, was bereits geleistet wurde, kann vieles in Relation setzen.

Und positive Beispiele gibt es genug bei dieser Veranstaltung in der Mercedes-Benz-Niederlassung in Aachen, wo die Reportagen und Meldungen, die Schlagzeilen und Fotos des vergangenen Jahres noch einmal lebendig werden. „Menschen 2015“ ist ein klassischer Jahresrückblick, die fünfte Auflage einer regionalen Rückschau auf die Ereignisse, die von Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, und Amien Idries, Mitglied der Chefredaktion, ebenso charmant wie kurzweilig moderiert wird.

Es ist ein Abend mit Musik und interessanten Gesprächen, mit unterhaltsamen wie informativen Einspielfilmen und ein paar Momenten eben, die beweisen, dass die Krisen der Welt nicht unbedingt in ein Gefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht münden müssen.

Es sind vor allem die Kinder, die begeistern, die mit ihrem Engagement und ihrer Unbekümmertheit Vorbild sind. Din Gutic zum Beispiel, der zehnjährige Junge aus Alsdorf-Kellersberg. Er ist der wohl jüngste Flüchtlingshelfer in der Region. Auf der großen Gala-Bühne erzählt er, wie er fast immer nach der Schule den Ranzen in die Ecke schmeißt und direkt rüber geht in die Turnhalle, wo jetzt die Flüchtlinge wohnen.

Dort hilft er als Dolmetscher. Din spricht fließend Deutsch und Bosnisch, Kroatisch, Slowenisch, Albanisch oder Englisch gehen aber auch. Schon als die ersten Busse an der Erstaufnahmeeinrichtung in Alsdorf ankamen, war Din zur Stelle. Mit Süßigkeiten, „und einem Ball“, wie er betont.

Post hat er deshalb auch schon bekommen, von Manuela Schwesig, der Bundesfamilienministerin. Ein Schreiben, in dem sie Din für seinen Einsatz dankt. Eine Butterbrotdose war auch enthalten. Din wollte sie gleich weiterverschenken an die Flüchtlinge. Doch seine Mutter, so erzählt der Zehnjährige, habe ihm gesagt: Die ist für dich, die musst du behalten. „Jetzt liegt sie eben da rum.“

Auch Martin Schikarski, der zwölfjährige Organist aus Stolberg, spricht über seine Leidenschaft: die Orgel mit den vielen technischen Details. Seinen größten Auftritt hatte er in der Christmette in Aachen-Brand. „Da konnte ich mal richtig die Register ziehen“, sagt er.

Und dann noch Henri Mommertz, der Zehnjährige aus Aldenhoven-Siersdorf. Er will das Klima retten und setzt sich bei dem Projekt „Plant for the Planet“ dafür ein, dass Bäume gepflanzt werden. „Eine Mücke kann einem Nashorn nicht viel anhaben, aber tausend Mücken können dafür sorgen, dass es seine Richtung ändert“, ist sein Motto. Die Politiker, davon ist er überzeugt, reden viel, aber tun zu wenig. Das will er anders machen und kündigt schon mal an, den Gästen nach der Veranstaltung ein paar „Baumversprechen“ abzuringen.

Auch Michael Mronz, der Sportmanager und Ehemann von Ex-Außenminister Guido Westerwelle (FDP), hat ein Anliegen mitgebracht an diesem Abend. Im Gespräch mit Bernd Mathieu redet er ganz offen über die Leukämie-Erkrankung seines Mannes und fordert das Publikum auf, sich als Knochenmark-Spender registrieren zu lassen.

Westerwelle selbst musste kurzfristig absagen und lässt „herzlich grüßen“. Er wird derzeit im Krankenhaus auf ein neues Medikament eingestellt. Ein komplexer Sachverhalt, sagt Mronz. Das brauche eben seine Zeit. Mronz beschreibt das Schicksal seines Mannes nicht als Belastung. Klar ist aber auch: „Die Prioritäten verschieben sich“, sagt er. Man erkenne, dass das Leben kurz sei. „Deshalb versuchen wir,  jeden Tag ein Stück fröhlicher zu sein.“

Offen und ehrlich spricht der 48-jährige Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH (ART) auch über die benachbarte Alemannia – in dem Wissen, dass er sich „auf dünnem Eis“ bewegt, wie er sagt. „Nur dort, wo das Ehrenamt Vertrauen in die Hauptamtlichen hat, kann sich etwas entwickeln“, sagt er. Und das sei bei der Alemannia, so sein persönlicher Eindruck, nicht immer der Fall. Es sind auch kleine exklusive Einblicke wie diese, die den Charme der Gala ausmachen.

Der französische Zeichner und Grafiker Jean Jullien gewährt auch ein paar Einblicke in sein Schaffen. Sein Pariser Symbol, die gezeichnete Kombination aus Eiffelturm und Friedenszeichen, hatte kurz nach den Terroranschlägen in der französischen Hauptstadt weltweite Bedeutung gewonnen. In einem Einspielfilm, das das Publikum über die Leinwände verfolgen kann, spricht er exklusiv für unsere Zeitung darüber, wie ihm die Idee dazu kam. „Ein spontaner Einfall“, sagt er, „als persönliche, ehrliche, menschliche Reaktion.“ Er sein kein Philosoph, kein Politiker oder Aktivist. „Ich bin Zeichner und das ist meine Form, mich auszudrücken.“

Für Wolfgang Stumph hat sich das alles richtig und wichtig angehört. „Ich habe viele Schnittpunkte entdecken dürfen an diesem Abend“, sagt er. Er spricht auch über seine Heimatstadt Dresden und die „Pegida“-Bewegung, die die wunderbare Kulisse der Stadt für ihre rechte Hetze missbrauche. Und er spricht über sein Engagement für Unicef. Dessen Geschäftsführer Christian Schneider sitzt mit ihm auf der Bühne, ebenso Manfred und Silke Kutsch, die seit 1995 für unsere Zeitung in Krisengebiete reisen und über die Not der Kinder vor Ort berichten.

Über acht Millionen Euro haben die Leserinnen und Leser unserer Zeitung in den vergangenen 20 Jahren gespendet. „Darauf können sie mächtig stolz sein“, sagt Stumph. Für eine Region dieser Größe ein solches Ergebnis, da könnten sich die 500.000 Dresdener etwas abschauen. Hut ab!“  Und dann zitiert der Schauspieler noch einen Satz des Schriftstellers Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Ein guter Satz, findet wohl nicht nur Wolfgang Stumph – auch für das jetzt anstehende Jahr.

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