Wenn der Professor im Hörsaal auf ein Meer roter Karten blickt...

Von: Christina Diels
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Aachen. Am liebsten würde Professor Heribert Nacken seine Quizfragen in der Kinderuni stellen und die Kinder danach im Hörsaal zwischen drei Antwortfeldern springen lassen. So wie in der Sendung „1, 2 oder 3...”. Da hüpfen sie so lange hin und her, bis sie nach der Ansage „letzte Chance, vorbei” auf einem Feld stehen bleiben.

Dafür ist kein Platz, auch nicht im größten Hörsaal der RWTH Aachen, dem Audimax. Dort hat Nacken am Freitag rund 900 Kinder begrüßt und bunte Karten an sie verteilt. „Damit könnt ihr mir zeigen, welche Antwort ihr für richtig haltet.” Statt „1, 2 oder 3” heißt es „rot, gelb oder grün”.

Die Fragen, die Nacken in 45 Minuten Kinderuni stellt, drehen sich „rund ums Wasser”. So heißt auch sein Vortrag. Das Quiz beginnt, doch die Fragen stellt weder Michael Schanze wie in der ersten „1, 2 oder 3...”-Sendestaffel noch der aktuelle Moderator Elton, sondern der Professor persönlich. „Wie viel Wasser braucht jeder von euch Tag für Tag?”, fragt Nacken in den Hörsaal. Drei mögliche Antworten stehen zur Wahl, die wirft er vorne an die Wand. Die meisten Kinder halten ihre rote Karte hoch und liegen damit richtig: 120 Liter.

Nacken bereitet die zweite Frage thematisch vor. Die Vorlesung hat er schon oft gehalten. Souverän trägt er vor. Er zeigt den Weg eines Wassertropfens durch den Siphon, über die Leitung im Haus, die Kanäle bis zur Kläranlage. Rechen, Sandfang und Bakterien, nennt er die Stationen im Klärwerk. „Die Bakterien sind Hochleistungssportler, die stürzen sich auf den Schmutz und fressen ihn auf”, beschreibt er kindgerecht.

Die Wassertropfen, die von der Kläranlage in den Fluss gelangen, sind nicht so sauber, dass man das Wasser trinken kann, warnt Nacken, bevor er fragt: „Wer hat den Schmutz in der Kläranlage gefuttert?” Nacken blickt auf ein Meer gelber Karten, das ist richtig: „Die Bakterien helfen uns Menschen dabei, das Wasser zu säubern.”

Dann erklärt Nacken den Kindern, dass Wasser flüssig, als Eis oder als Wasserdampf auftreten kann. Dazu zeigt er einen Versuch mit einem Luftballon, der mit Wasser gefüllt ist. In der Mikrowelle bläst der Ballon sich von alleine auf. Die anschließende Frage ist anspruchsvoll: „Was passiert, wenn ich den Luftballon aus der Mikrowelle herausnehme und unter kaltes Wasser halte?”

In der Vorbereitung der Kinderuni vor einer Woche hat der Professor vorausgesagt: „Da kommen die Kinder ins Schwimmen.” Er soll recht behalten. Im Saal sieht man Kinderhände, die rote Karten hochhalten, andere gelbe, andere grüne und einige Unentschlossene wechseln hin und her. Grün ist korrekt: „Der Ballon schrumpft auf die alte Größe zurück, da der Wasserdampf wieder zu Wasser wird.”


Dem Professor gefällt die Rolle des Moderators. Auch wenn er die Kinder nicht springen lassen kann im Audimax. Doch seine jungen Hörer verfolgen den Vortrag aufmerksam und halten ihre Antwort-Kärtchen in die Luft. Auch bei der nächsten Frage, die er stellt: „Haben die Dinosaurier das gleiche Wasser, das wir heute trinken, schon mal getrunken?”, fragt er, nachdem er ihnen zuvor den „unendlichen Wasserkreislauf” beschrieben hat. Dieses Mal gibt es nur zwei mögliche Antworten, ja oder nein. Nacken sieht viele rote Karten im Saal vor sich, aber auch einige gelbe sind dabei. Die Kinder sind sich nicht einig. „Vor 65 Millionen Jahren haben die Dinosaurier schon das gleiche Wasser getrunken, das wir heute auch trinken”, löst Nacken auf.

Am Ende zeigt Nacken im Hörsaal ein Grundwassermodell. Die Kinder sehen, wie sich das Wasser seinen Weg durch Sand-, Kies-, Lehm- und Tonschichten bahnt. Aus drei Aussagen müssen die Kinder die richtige auswählen, nämlich: „Schadstoffe können mit dem Wasser durch den Untergrund fließen.” Der Professor blickt auf ein Meer roter Karten. „Schadstoffe bleiben im Boden, also aufpassen”, warnt er. Mit einem Versuch zur Oberflächenspannung beendet er die Vorlesung. Und dann dürfen die Kinder aufspringen.


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