Professor Christian Hopmann: Farben, Vorteile und Vielfalt des Kunststoffes

Von: Christina Diels
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Folien-Duell in der Kinderuni: Professor Christian Hopmann lässt in einem Versuch am Freitag im größten Hörsaal der Aachener Uni Alufolie gegen Kunststofffolie antreten. Am Ende reißen beide Stücke, doch die Kunststoffolie dehnt sich mehr. Foto: Harald Krömer
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Kurzweilige Kinderuni mit vielen Versuchen: Die hat Professor Christian Hopmann am Freitag gehalten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Vom Haargummi bis zur Schuhsohle, von der Gummibärchentüte bis zur Zahnbürste – überall finden Kinder Gegenstände aus Kunststoff. Und darum hat Professor Christian Hopmann (46) den Stoff in der Kinderuni am Freitag den „Überall-Stoff“ genannt.

Und mit dem kennt er sich aus. Hopmann leitet das Institut für Kunststoffverarbeitung an der RWTH Aachen und ist Inhaber des Lehrstuhls für Kunststoffverarbeitung. Im Interview und in der Kinderuni vor rund 700 Teilnehmern spricht er darüber, was Kunststoff alles kann und dass sogar Kaugummi ein Kunststoff ist.

Gummibärchentüte, Lichtschalter und Wasserkasten – vieles um uns herum ist aus Kunststoff. Geht es gar nicht mehr ohne, Herr Professor Hopmann?

Hopmann: Nein, es geht nicht mehr ohne Kunststoff, denn er ist überall. Und das liegt daran, dass Kunststoffe sehr viele Vorteile haben. Sie sind sehr leicht, kostengünstig zu verarbeiten und thermisch und elektrisch isolierend. Und Kunststoffe sind sehr vielfältig – mal kommen sie erkennbar als Kunststoff-Teil daher, in allen vorstellbaren Farben. Sie können aber auch aussehen wie ein Metallteil oder transparent sein.

Wofür lassen sich Kunststoffe besonders gut verwenden?

Hopmann: Da würde ich keine Auswahl treffen wollen. Kunststoffe kann man so vielfältig anwenden und so vielfältig gestalten. Man kann flächige, gerippte oder gekrümmte Teile herstellen. Zudem ist das Herstellen großer Serien von Kunststoff-Teilen sehr kostengünstig. Hat man einmal die Form, kann man daraus immer wieder dasselbe Kunststoffteil herstellen – ob für Autos, Flugzeuge, Möbel, Verpackungen, Geräte der Elektroindustrie oder beim Bau. Die Kunststofftechnik ist eine Querschnittstechnologie und findet überall Anwendungsbereiche.

Und wofür eignet sich Kunststoff nicht?

Hopmann: Wenn es in höhere Temperaturbereiche geht, sind Kunststoffe unbrauchbar. Es gibt nur sehr wenige Kunststoffe, die 200 Grad aushalten. Und wenn man bei einem modernen Auto statt der Karosserie aus Blech eine Kunststofflösung wählt, ist das sehr teuer und sehr aufwendig. Dennoch kommt auch die immer mehr ins Spiel, weil sie sehr leicht ist.

Woraus besteht Kunststoff?

Hopmann: Kunststoffe sind Werkstoffe, die nicht in der Natur vorkommen, sondern durch einen chemischen Prozess hergestellt werden. Sie bestehen in der Regel aus Kohlenstoff und Wasserstoff. Ihre Zusammensetzung kann aber sehr unterschiedlich sein. Man kann die Moleküle modifizieren und Füllstoffe hinzugeben wie Glasfasern, Karbonfasern, Farbstoffe, Stabilisatoren, Kreide oder Gesteinsmehl und vieles mehr.

Wie entsteht denn eine Plastiktüte aus Erdöl?

Hopmann: Erst muss man aus Erdöl den Rohkunststoff gewinnen. Das Erdöl wird dafür erhitzt und ab einer bestimmten Temperatur verdampfen Molekülsegmente aus dem Öl, die man dann abziehen kann. Eine Fraktion ist das Naphta, aus dem Ethylengas gewonnen wird, das dann als Rohstoff genutzt wird. Das Ethylen geht als Gas in den Reaktor und wird in Polyethylen umgewandelt.

Aus dem macht man dann die Plastiktüte. Allerdings ist dieser Kunststoff meist kein reines Polyethylen – sondern er ist mit Farbstoffen und vielen anderen Substanzen modifiziert. Mal ist er weiß, mal bunt, mal durchsichtig, mal dehnbar und dann wieder hochfest. Darum spricht man auch vom Werkstoff nach Maß.

Und wie schwer ist es, die Plastiktüte von der Erde wieder loszuwerden? Sie verfällt ja nicht wie Biomüll...

Hopmann: Das kommt darauf an, wie das organisiert ist in einer Gesellschaft. In Deutschland wird über den Grünen Punkt gesammelt, da gibt es Aufbereitungsbetriebe. Entweder der Kunststoff-Müll wird recycled (45 Prozent) oder er wird thermisch verwertet (55 Prozent). Dabei wird die Energie, die in der Plastiktüte steckt, genutzt, um Strom zu erzeugen.

Ist das ein gängiges Verfahren?

Hopmann: In den gelben Säcken landet nicht nur das, was drin sein soll. Das heißt, man muss erstmal aussortieren. Aber wenn darin nur die Kunststoffe landen, die im Haushalt als Verpackungsmüll anfallen, dann ist das ein gangbarer Weg.

Gibt es auch Kunststoffe, die biologisch abbaubar sind?

Hopmann: Es gibt biologisch abbaubare Kunststoffe, aber auch die sollen auf keinem Fall im Meer verschwinden, sondern müssen in industriellen Kompostieranlagen verwertet werden. Die Diskussion darf nicht sein, wie lange eine Plastiktüte im Meer lebt – die Tüte darf gar nicht erst da rein kommen. Es muss darum gehen, wie man Werkstoffe wieder einsammeln und sinnvoll nutzen kann, etwa um Energie zu gewinnen.

Manche Menschen nehmen Lebensmittel aus den Kunststoffverpackungen heraus, aus Sorge, es könnten schädliche Stoffe austreten. Wie sehen Sie das?

Hopmann: Der Kontakt ist völlig ungefährlich. Was aus einem Werkstoff herauskommen könnte und in welchen Mengen, das ist gesetzlich streng reglementiert in der Lebensmittelindustrie. Alle Unternehmen sind sensibel, wir sind auf einem hohen Sicherheitsniveau.

Hat Kaugummi etwas mit Kunststoff zu tun?

Hopmann: Ja, Kaugummi ist ein polymerer Werkstoff, ein Kunststoff. Viele Kunststoffe sind durchaus lebensmittelecht. Der Geschmack kommt durch entsprechende Additive. Und wenn man Spaß hat, kann man darauf rumkauen.

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