Knallen, Zischen und dann Stille

Von: Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
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Bei der Kinderuni ging es um Schallereignisse. Foto: Harald Krömer

Aachen. Das Zischen, wenn jemand eine Flasche Mineralwasser zum ersten Mal öffnet. Das leise Brummen einer Hummel, die umherfliegt. Oder das Knallen, das zu hören ist, wenn ein Luftballon zerplatzt. Es sind Beispiele aus dem Alltag, mit denen Janina Fels, 35, den Teilnehmern der Kinderuni am Freitag gezeigt hat, dass sie umgeben sind von Schallereignissen.

Fels, Oberingenieurin am Institut für Technische Akustik der RWTH, ist kurzfristig eingesprungen. Sie vertritt ihren Chef, Professor Michael Vorländer. «Der Professor liegt leider krank im Bett», erklärt sie den rund 900 Kindern. «Wir wünschen ihm gute Besserung.» Tobias applaudiert spontan. Der Neunjährige sitzt neben seinem Kindergartenfreund Max, 9, aus Würselen, in der fünften Reihe im Audimax, dem größten Hörsaal der Aachener Uni.

Der Vortragstitel «Zisch - Brumm - Knall» gefällt den beiden Jungen gut. «Ich stell' mir eine Explosion vor», sagt Tobias, der zum ersten Mal an der Kinderuni teilnimmt. Max schätzt, dass er schon dreizehn Vorträge gehört hat.

Janina Fels lässt die Kinder nicht warten. «Drei Freiwillige vor», sagt sie bestimmt und schaut in die Sitzreihen. Der erste Versuch läuft. Die drei Mädchen auf der Bühne sollen erraten, was sich hinter vorgespielten Geräuschen verbirgt. Das Brummen des Bären erkennt ein Mädchen sofort, die zischende Schlange und den brummenden Transformator erkennen sie nicht.

Mit dem Vortrag ist Fels vertraut. Sie braucht keine Karteikarten und keinen Souffleur. Nur ihren Assistenten Johannes. Der lässt auf ihr Kommando gerade einen roten Luftballon zerplatzen. Für das Knallgeräusch.

Ein Versuch folgt auf den nächsten. Fels lässt den Kindern im Saal keine Zeit, zu viel Unruhe zu verbreiten. Drei andere Kinder dürfen fühlen, wie es sich anfühlt, wenn eine Stimmgabel vibriert. Dann spielt Fels einen Film vor, der in Zeitlupe zeigt, wie die Stimmgabel ins Schwingen gerät. Tobias nimmt Block und Stift heraus. Doch auf den nächsten Folien scheint es zu komplex zu werden. Er legt den Stift beiseite und schaut lieber dem nächsten Experiment zu.

Dann kommt eine Frage. Die junge Frau spricht mit klarer Stimme ins Mikrofon: «Hören wir denn im Weltall was?» «Nein», schreien die Kinder im Chor. Fels bestätigt: «Nein, da ist keine Luft, da hören wir nichts.» Und um das zu beweisen, zeigt sie das Experiment mit Klingel und Vakuumglocke, das Tobias auch schon aus der Schule kennt.

Erst lässt Fels die Klingel unter der Glocke schellen. «Jetzt ziehen wir die Luft aus der Glocke heraus», beschreibt sie den Vorgang. Die Kinder zählen runter. «Noch 10, 9, 8, .... 3, 2, 1 Sekunden.» Assistent Johannes lässt die Klingel schellen. Die Kinder hören nichts. Schall braucht Luft, Flüssigkeit, einen Festkörper oder irgendein Medium, damit er übertragen wird.

Donner und Blitz

«Warum sind Donner und Blitz nicht gleichzeitig da?», stellt Fels direkt die nächste Frage. «Die Schallgeschwindigkeit ist langsamer als die Lichtgeschwindigkeit», antwortet ein Junge richtig. «Wir hören den Donner erst später, weil Schall deutlich langsamer als Licht ist», umschreibt es Fels kindgerecht. Schall bewegt sich mit 1224 Kilometern pro Stunde, Licht mit eine Milliarde Kilometer pro Stunde.

Über die Schnur übertragen

Nochmal bittet Fels drei Kinder auf die Bühne. Max und Tobias sind wieder nicht dabei. Die Freunde stört das nicht. «Ich war schon oft vorne, meistens, wenn ich weiter vorne saß», sagt Max. «Jetzt versuchen wir, mit Joghurtbechern zu telefonieren», kündigt Fels an. «Da wird der Schall über diese Schnur übertragen.» Sie bittet um Ruhe. Und tatsächlich wird es ruhig im Saal, der Versuch gelingt.

«Als Kind hört man Frequenzen von 20 bis 20.000 Hertz», fährt Fels fort. «Ich bin ja schon älter, ich höre nur noch bis 15.000 und eine Oma sogar nur bis 7000 Hertz.» Ein Hörtest schließt sich an. «Hört ihr diese Frequenz 8000 Hertz?» Ein hohes Piepen geht durch den Saal und hunderte kleine Hände schnellen in die Höhe. Das geht so weiter bis 20.000 Hertz. Max meldet sich auch noch bei 20.000 Hertz direkt. Tobias reagiert erst, als er sich umschaut und die vielen Hände sieht. «Falls ihr das Geräusch wirklich hört, habt ihr ganz gute Ohren», sagt Fels.


Dann kommt die letzte Folie. «Wie kannst du selbst einen Knall erzeugen?», steht darauf. Fels kann nichts mehr dazu sagen. Alle Kinder im Saal klatschen in die Hände, schreien und stampfen mit ihren Füßen auf den Boden. Sie hören gar nicht auf. Minutenlang geht das so. Max hält sich die Ohren zu. Fast wie bei einer Explosion.


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