Kinderuni: Wie viel Wasser benötigt ein Hamburger?

Von: Christina Diels
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Spaß mit Quiz: Mit Karten antworteten die Kinderuni-Teilnehmer auf die Fragen von Professor Heribert Nacken. Foto: Harald Krömer
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Fachmann für Fragen rund ums Wasser: Professor Heribert Nacken. Foto: Harald Krömer
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Hinterlässt einen virtuellen Wasserfußabdruck: 3500 Liter Wasser stecken in einem Hamburger. Foto: dpa

Aachen. 160 Liter Wasser, die in einer Tasse Kaffee stecken? 1000 Liter Wasser, die in einer Packung Milch versteckt sind? Und gar 3500 Liter Wasser, die sich in einem Hamburger verbergen? Natürlich stecken diese Mengen nicht wirklich physikalisch in Kaffee, Milch und Hamburger. Aber für die Herstellung werden solche riesigen Mengen benötigt.

Über diesen versteckten Verbrauch und was ihn als Ingenieurhydrologe heute an der RWTH Aachen beschäftigt, spricht Professor Heribert Nacken (54) im Interview. Am Freitag hat er vor hunderten Kindern in der Veranstaltung der RWTH Aachen und unserer Zeitung das Thema aufgearbeitet.

Sie beschäftigen sich mit der Wissenschaft vom Wasser. Woran forschen Sie gerade, Herr Professor Nacken?

Nacken: Wir beschäftigen uns heute in der Wasserwirtschaft schwerpunktmäßig mit dem Gewässer als Lebensraum. Als ich hier studiert habe an der RWTH, war das anders. Da haben wir uns nur mit der Wassermenge und der Qualität des Wassers beschäftigt. Heute schauen wir auf die Fische, die im Wasser leben und ihre Lebensräume und auf das Krabbelvieh an der Sohle der Gewässer. Es geht in erster Instanz um Ökologie. Wir versuchen die natürlichen Lebensraumbedingungen wiederherzustellen. Also weg von künstlichen Systemen wie begradigten Flüssen, die wir Bauingenieure früher angelegt haben, um zum Beispiel Ortslagen vor Überschwemmungen zu schützen. So hat man Fischlebensräume zerstört. In der Vergangenheit haben wir Wasserwirtschaft fast nur aus den Ansprüchen der Menschen gemacht und weniger die Umweltbedingungen gewürdigt.

Was ist denn noch anders als früher?

Nacken: Wir Ingenieure arbeiten heute mehr mit Ökologen und Biologen zusammen. Und wir erstellen jetzt auch mal Modelle, die nicht nur numerisch sind. Wenn ich Sie frage, wie es Ihnen geht, dann antworten Sie schließlich auch nicht mit einer Zahl wie „3,2“. Sie sagen, „es passt schon“ oder „relativ gut“. Und wenn ein Ökologe den Lebensraum eines Gewässers beschreibt, dann macht er das auch mit Worten und nicht mit Zahlen. Diese Worte übersetzen wir in Modelle, bilden das in einem Computer ab und bekommen so wieder harte Mathematik.

Wie viel Wasser gibt es auf der Erde? In Seen, Flüssen und Meeren?

Nacken: Unvorstellbar viel. Es gibt 1,4 Milliarden Kubikkilometer Wasser. Und 14.000 Kubikkilometer Frischwasser, das wir für unsere Zwecke nutzen können. Diese Zahlen kann sich aber keiner vorstellen. Besser verständlich wird es, wenn man es so formuliert: Auf 100.000 Liter Salzwasser kommt nur ein Liter trinkbares Wasser.

Gibt es denn genügend trinkbares Wasser für alle Menschen?

Nacken: Vom Grundsatz her ja. Aber es gibt ein Verteilungspro­blem. Wir haben Stellen, wo es Frischwasser gibt aber keine Menschen. Und umgekehrt. Als Ingenieur kann ich sagen, ich stelle notfalls genügend Trinkwasser aus Salzwasser her. Nur muss die Gesellschaft auch in der Lage sein, das zu bezahlen, denn das kostet eine Menge Energie.

Wie viel Wasser verbraucht ein Mensch in Deutschland pro Tag?

Nacken: Etwa 120 Liter pro Tag – fürs Zähneputzen, zur Toilette gehen, Duschen, Baden, Trinken, Wäschewaschen, Geschirrspülen und Blumengießen. Aber um diesen täglichen Verbrauch geht es gar nicht. Denn diesen 120 Litern stehen 3500 Liter für den Konsum eines klassischen Hamburgers entgegen.

Es geht also um den versteckten Verbrauch. In einem Burger. In einem T-Shirt. Oder in einem O-Saft.

Nacken: Es geht um den virtuellen Wasserfußabdruck, also die Menge Wasser, die in einer Dienstleistung oder in einem Produkt steckt. Natürlich stecken die 3500 Liter Wasser nicht physikalisch in dem Burger. Aber man braucht die Menge, um die Nahrung für das Rind zu produzieren, es wachsen zu lassen, es zu schlachten, dann zu verpacken und zu transportieren. Oder wenn Sie ein T-Shirt anhaben, dann wurde die Baumwolle dafür auf einer Plantage angebaut. Und dafür ist Regen gefallen. In einer Tasse Kaffee stecken übrigens 160 Liter Wasser, in einem Liter Milch etwa 1000 Liter.

Wie können wir sparen?

Nacken: Indem wir unseren Lebensstandard überdenken. Sehr viel Wasser fließt in die Ernährung mit Fleisch und in unsere Energieversorgung. Alle fleischlichen Produkte brauchen erheblich mehr Wasser als vegetarische Produkte. Außerdem sind die Kühltürme der Energieversorger in Deutschland die größten Wasserverbraucher. Hier liegt erheblich höheres Sparpotenzial, als wenn man mit einer Spartoilette beim Spülen sechs statt 20 Liter verbraucht.

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