Aachen - Kinderuni: Was aus dem gekochten Stahl hergestellt wird

Kinderuni: Was aus dem gekochten Stahl hergestellt wird

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Fachmann für Eisen und Stahl an der Aachener Uni: Das ist Professor Dieter Senk.

Aachen. Der Pott muss kochen. Und zwar bei 1600 Grad Celsius. Ansonsten wird der Stahl nicht flüssig. „Wir brauchen die 1600 Grad, denn bei 1500 Grad ist der Stahl noch fest“, sagt Professor Dieter Senk, 58. Er leitet den Lehrstuhl für Metallurgie von Eisen und Stahl im Institut für Eisenhüttenkunde an der RWTH Aachen.

Was die Stahlherstellung mit Kochen zu tun hat, das hat Senk in der Kinderuni am Freitag und im Interview mit Christina Diels erklärt.

Wird Stahl tatsächlich im Topf gekocht so wie das Wasser im Nudeltopf, Herr Professor Senk?

Senk: Ja, wir sprechen tatsächlich von Stahlkochen. Die Hauptzutat ist dabei Eisen. Und wenn die Suppe flüssig ist, also bei 1600 Grad, dann geben wir weitere Zutaten hinzu.

Welche Zutaten sind das?

Senk: Wir fügen als Zutaten andere Metalle hinzu, damit die Stahlsuppe besser wird: ein bisschen, Chrom, ein bisschen Mangan, Silizium und vor allem etwas Kohlenstoff. Und dann rühren wir um.

Mit einem riesigen Kochlöffel?

Senk: Nein, wir leiten ein Edelgas namens Argon von unten in den Kessel. Die aufsteigenden Gasblasen sorgen dafür, dass die Suppe umgerührt wird.

Wie sieht so ein Kessel aus?

Senk: Die Kessel heißen Stahlwerk-Pfannen. Sie sind etwa vier Meter hoch und haben einen Durchmesser von vier Metern. Mit einem Kran können wir die Pfannen von oben anfassen. In einer Pfanne befinden sich ungefähr 300 Tonnen Stahl. Die Pfanne selbst wiegt 100 Tonnen, man muss also rund 400 Tonnen anheben. Hier in Aachen an der Uni arbeiten wir allerdings nur mit Mengen zwischen 50 und 500 Kilogramm.

Und was machen Sie am Ende mit dem gekochten Stahl?

Senk: Wenn der Stahl fertig gekocht ist, gießen wir ihn zu langen Blöcken und schneiden ihn dann in handliche Stücke. Wobei die auch immer noch 25 Tonnen wiegen können. Daraus können Bleche gewalzt werden. Die verbaut man in Computern, in Autos, in Kochtöpfen, in Spülen für die Küche oder in Fahrstuhl-Verkleidungen. Auch in Rolltreppen ist Stahl verbaut, in Kränen und Brückenteilen ebenso. Aber auch kleine Teile wie Schrauben oder Nägel sind aus Stahl gefertigt.

Als Metallurge erfinden Sie immer neue Stahlsorten. Wofür brauchen wir so viele verschiedene Sorten?

Senk: Die Stahlsorten sind unterschiedlich hart. Es gibt sehr harte und sehr weiche Stahlsorten. Manche Sorten müssen zudem noch wetterbeständig sein, sie dürfen nicht verrosten. Dafür können wir sie mit Zink oder Farbe beschichten. Und dann unterscheidet man noch zwischen magnetischem und nicht-magnetischem Stahl. Wir erfinden immer neue Stahlsorten. Und die neue Sorte soll das, was Stahl bislang konnte, immer noch besser können: zum Beispiel besonders leicht sein. Diese Sorte verbauen Autobauer dann in Autos, damit sie noch leichter werden und noch mehr Sprit sparen können.

Wie viele Stahlsorten sind denn in einem Auto verbaut?

Senk: Das müsste ich schätzen. Vielleicht sind 50 Sorten verbaut, vielleicht aber auch 100. Es fängt an mit den kleinen Federn im Auto, damit die Schalter zurückschnappen. Dann gibt es Magnete aus Stahl und die kleinen Elektromotoren, in denen wieder eine andere Stahlsorte verbaut ist. Auch in der Kurbelwelle steckt Stahl und in der Karosserie, wenn sie nicht aus Aluminium hergestellt ist. Auch für die Achsen und Schrauben benötigt man Stahl. Und jedes Teil besteht aus einer eigenen Sorte.

Wenn Sie keine neue Stahlsorte erfinden, woran arbeiten Sie dann als Metallurge?

Senk: Ich sorge dafür, dass die Qualität des Stahls sichergestellt ist. Er soll rein und gleichmäßig sein und keine Steinchen oder Blasen enthalten. Und wir Metallurgen recyceln. Wir arbeiten dafür mit zwei Rohstoffen: Der erste Rohstoff ist das Eisenerz, aus dem stellen wir Eisen her, woraus wir wiederum später den Stahl kochen können. Der zweite Rohstoff ist der Schrott: Rostige Schrauben, alte Brücken, ein verschrottetes Auto fallen darunter, aber auch Reste, die beim Stahlkochen selbst abfallen. Das ist wie beim Schneider, der während des Nähens auch ständig Abfall, also Stoffreste, produziert.

Wie können Sie als Metallurge helfen, Energie zu sparen?

Senk: Zum Beispiel bei den Strommasten der neuen Windkraftanlagen. Diese großen Türme mit den Windmühlen sind alle aus Stahl gemacht. Wir sorgen dafür, dass die Türme im Sturm gut und fest stehen. Und wenn wir es schaffen, einen noch leichteren Stahl als bisher herzustellen für die Automobilindustrie, verbrauchen die daraus gebauten Autos noch weniger Benzin.

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