Aachen - Kinderuni: Lieber Bolognese statt Stahlsuppe löffeln

Kinderuni: Lieber Bolognese statt Stahlsuppe löffeln

Von: Christina Diels
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Mit Schutzkleidung, aber ohne echten Stahl: In der Kinderuni haben diese Kinder am Freitag eine Stahlsuppe aus kleinen Kugeln umgerührt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Einen Teller voll heißer Stahlsuppe löffeln? Pippi Langstrumpf würde bestimmt von der Stahlsuppe kosten, die Dieter Senk (58) in seinem Institut an der Aachener Uni kocht. Pippi stemmt ja auch Pferde und zerkaut Eisennägel. Aber die Mädchen und Jungen, die am Freitag in den Stuhlreihen im Hörsaal Audimax vor Professor Senk gesessen haben, die verzichten lieber.

Auch die Schwestern Maya (11) und Leona (8), die aus Kesternich in der Eifel gekommen sind. „Nein danke“, sagt Leona. „Das ist viel zu heiß.“ Sie isst lieber Nudeln mit Bolognese-Soße. Und auch Professor Senk bevorzugt Spaghetti.

Aus der Stahlsuppe, die aus Eisen, Kohlenstoff und weiteren Metallen besteht, gießen Metallurgen wie Senk Blöcke. Die Blöcke schneiden sie in Stücke. Und aus diesen Stücken können wiederum Bleche gewalzt werden, aus denen später Teile für Fahrzeuge, Rolltreppen oder Kochtöpfe gefertigt werden. Das hat Senk am Freitag den rund 600 Kinderuni-Teilnehmern in der Veranstaltung der RWTH Aachen und unserer Zeitung gezeigt.

Einen klassischen Vortrag mit Folien hat Senk nicht vorbereitet. Er setzt auf Versuche und auf kleine Filme, die er auf der Leinwand einspielt. Auf dem Podium vorne im Saal hat Senk mit seinem Team vom Institut für Eisenhüttenkunde verschiedene Stationen aufgebaut. „Die Kinder sollen mitmachen“, hat er in der Vorbereitung zwei Wochen vor der Kinderuni gesagt. So hat er sich das vorgestellt, und so klappt es auch.

Als Senk die ersten Freiwilligen sucht, die mitmachen sollen, fällt die Auswahl schwer. Fast alle Kinder reißen ihren Arm in die Luft. Auch Leona meldet sich. Ohne Erfolg. Ein paar andere Kinder haben mehr Glück und dürfen vorne an einem Tisch Eigenschaften von Metallen testen: Einige sind magnetisch wie Eisen, einige sind nicht magnetisch wie Chrom, einige sind weich, andere sind schwer und wieder andere glänzen.

Ein Junge nimmt einen Magneten in die Hand und testet, welche Dinge auf dem Tisch daran kleben. Der nächste Junge soll Stangen verbiegen. Eine Stange, die in einen Schraubstock gezwängt ist, gibt nach, die andere ist zu fest. Die Stangen aus Stahl sind unterschiedlich fest. „Weil in dem Stahl verschiedene Elemente verarbeitet sind, die ihn unterschiedlich hart machen“, sagt Senk. Die Chemie dahinter verstehen Sechstklässlerin Maya und Drittklässlerin Leona noch nicht. „Chemie bekommen wir erst nächstes Jahr“, sagt Maya.

Trotzdem schauen die Schwestern und auch die meisten anderen Kinder interessiert nach vorne. Senk hat wieder neue Kinder aufgerufen zum Mitmachen. Sie dürfen einen Schutzhelm und eine Schutzbrille anprobieren. „So ist man optimal geschützt bei der Stahlschmelze“, sagt Senk. Eine richtige Stahlsuppe kann er im Hörsaal nicht kochen – stattdessen lässt er die Kinder kleine Kugeln in eine Pfanne schütten „Diese Kugeln hier, die stellen die Schmelze dar“, sagt Senk. Da können sich die Kinder ein bisschen wie echte Studenten fühlen, die die Hochtemperaturchemie kennenlernen.

Echter Stahl sprudelt

Und wie eine richtige Stahlsuppe aussieht, das können die Mädchen und Jungen im Hörsaal in einem kleinen Film sehen, den Senk zeigt. „Das ist jetzt echter Stahl bei 1600 Grad“, sagt Senk. „Der sprudelt und bewegt sich“, sagt er und zeigt auf die gelbe Masse.

Ob Maya und Leona eines Tages auch als Metallurginnen arbeiten werden und sich wie Professor Senk mit Stoffumwandlungen beschäftigen werden? Maya wartet erstmal ihre erste Chemiestunde nach den Sommerferien ab. Und ihre kleine Schwester hat noch viel mehr Zeit. Erstmal können die Kinder die vier Fragen vom Stahl-Quiz lösen, das Senk am Ausgang verteilen lässt. Die Lösungen stehen ab Montag im Netz auf www.rwth-aachen.de/kinderuni.

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