Kinderuni: Die perfekte Werbung im Hörsaal

Von: Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
4769955.jpg
Ansprechend und anschaulich erklärt Professor Daniel Wentzel den Teilnehmern der Kinderuni, wie Unternehmen Werbung machen.

Aachen. Eine Swatch-Uhr am Handgelenk, Nutella aufs Brot, Coca-Cola ins Glas und in der Garage ein Mercedes: Viele Menschen wählen die Kleidung, die sie tragen, die Lebensmittel, die sie konsumieren, und das Auto, das sie fahren, nach der Marke aus. Weil sie bestimmte Marken gerne besitzen. „Das Wort ‚Marke‘ definiere ich nicht für die Kinder“, sagte Daniel Wentzel vor ein paar Tagen bei der Vorbereitung seiner Kinderuni-Vorlesung. „Ich nenne lieber Beispiele.“

H&M, Nike, Adidas und McDonald‘s, hat er in der Kinderuni am Freitag im Hörsaal Audimax vor rund 800 Teilnehmern aufgezählt. Wentzel weiß, was Kinder verstehen. Und Wentzel, Jahrgang 1978, kennt sich mit Marken und Werbung aus. Er ist Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing an der RWTH Aachen.

Lena, 9, aus Eschweiler, kommt heute zum ersten Mal in die Kinderuni. Ihr Vater hat sie mit ihrer Freundin Judith an der Wüllner-straße abgesetzt. Am Seiteneingang zum Gebäude. „Hier komme ich euch auch wieder abholen“, sagt er. Und dann laufen die beiden Viertklässlerinnen auch schon dem Kinderstrom hinterher, die Treppen hoch bis zum Hörsaal Audimax. Als sie den riesigen Saal betreten, in dem schon Hunderte Kinder sitzen, fasst Lena ihre Freundin an der Hand. „Es ist toll, dass hier so viele neue Kinder sind,“, sagt sie. „Aber ich bin froh, dass ich jemanden an meiner Seite habe, den ich schon kenne.“

Wentzel erzählt den Kindern die Geschichte von einem Jungen namens Tobias. Damit sie verstehen, warum Unternehmen ihr Geld in Werbung stecken. Tobias hat ein neues Getränk erfunden. „Pink Drink“ nennt er es. Leider verkauft es sich nicht gut. Kein Wunder, niemand kennt „Pink Drink“.

„Unternehmen machen Werbung, um etwas zu verkaufen“, sagt Wentzel. Mit seinem Vortrag will er den Kindern zeigen, dass Werbung beeinflussen kann. Lena kommt beim Fernsehen nicht so oft in Versuchung. „Werbung kann man eh nicht oft gucken, weil mein Papa dann immer umschaltet“, sagt sie.

„Wenn Unternehmer ihre Produkte verkaufen wollen, müssen sie dafür Werbung schalten“, setzt Wentzel seinen Vortrag fort. Auch Tobias denkt darüber nach. Er hat herausgefunden, dass es Werbeberater gibt, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als sich Werbung auszudenken. Doch Tobias Plakat mit dem Werbespruch „Trink Pink Drink“ läuft nicht. Warum? Da sind sich auch die Kinder im Hörsaal einig. „Langweilig“, stimmen sie ab.

So eine Werbung geht unter in der Masse. „Wir müssen herausstechen“, sagt Wentzel. Lena und ihre Freundin betrachten aufmerksam, fast mitleidig, ein Bild von Tobias, wie er niedergeschlagen an seinem Verkaufsstand sitzt. Er hat nur wenige Flaschen „Pink Drink“ verkauft. Spannend sei eine Werbung, sagt Wentzel, wenn zum Beispiel ein prominenter Sportler darin vorkommt.

Auch wenn die Unternehmen den Sportlern Millionen von Euro dafür zahlen, lohne sich das, weil sich die Produkte besser verkaufen. „Wenn Lionel Messi Adidas trägt, muss Adidas cool sein. Und wenn ich Adidas trage, dann bin ich auch cool“, erklärt Wentzel, wie Werbung wirkt. Und was macht Tobias? „Wenn du kein Geld hast für berühmte Sportler, brauchst du eine spannende Idee“, sagt Wentzel. Tobias muss seine potenziellen Kunden davon überzeugen, dass sein Getränk besonders gesund ist. Oder erfrischend. „Und natürlich muss die Verpackung interessant sein“, sagt Wentzel.

„Das ist doch Haribo“

Er zeigt jetzt Werbesprüche auf der Leinwand. „Pink Drink macht Kinder froh“, liest er vor. „Das ist doch Haribo“, sagt Lena. „Pink Drink, ich bin doch nicht blöd“, kommt dann. Im Saal wird es laut. Die Formulierung kennen die Kinder aus der Werbung. Und zum Schluss: „Pink Drink, Freude kann so einfach sein.“ „Gibt es den nicht auch schon?“, fragt Judith. Ihre Stimme gibt sie dem Vorschlag trotzdem. Und auch die meisten anderen Kinder sind überzeugt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert