Ein Hörsaal wie im Bilderbuch

Von: Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
Kinderuni
RWTH-Professorin Anne-Julchen Bernhardt erklärt im Audimax, wie Architekten hier für beste Sicht und Akustik sorgen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Was macht eigentlich einen Hörsaal zu einem Hörsaal? Und eine Schule zu einer Schule? Und ein Theater zu einem Theater? Das sind Fragen, die Professorin Anne-Julchen Bernhardt, 41, beantworten kann.

Sie kennt sich aus mit den Gebäudetypen. „Gebäude kann man so ähnlich sortieren wie das Tierreich”, hat die Professorin für Gebäudelehre und Entwerfen an der RWTH Aachen am Freitag rund 800 Teilnehmern der Kinderuni im Hörsaal Audimax erklärt.

Statt Vogel, Säugetier und Fisch heißt es Hörsaal, Theater, Schule oder auch Parkhaus. „In der Gebäudelehre geht es um Formen von Gebäuden”, sagt Bernhardt. Die junge Frau, die im grauen Kleid und hohen Schuhen vor den Kindern steht, hält ihre erste Kinderuni-Vorlesung. „Ich bin so aufgeregt wie ich noch nie war”, sagt sie. Ganz wohl scheint sie sich nicht zu fühlen zu Beginn. Doch das wird sich im Verlauf der Kinderuni ändern.

Bernhardt zeigt eine Übersicht verschiedener Theater. Alle sehen sie verschieden aus, und doch erkennt man jedes einzelne Gebäude als Theater. Auch Melissa, 10, die in der sechsten Reihe im Saal sitzt. Für die Fünftklässlerin aus der Eifel macht es ein Theater aus, dass „die Bühne immer ziemlich groß ist”. „Ein Theater hat immer einen Saal”, nennt Bernhardt eine Eigenschaft dieses Gebäudetyps.

Melissa verfolgt ihren Vortrag aufmerksam. Im Gegensatz zu vielen anderen Kindern. Als sich zwei Jungen hinter Melissa sehr laut unterhalten, lässt sich auch das Mädchen ablenken, legt ihren Stift beiseite und dreht sich nach hinten. Bernhardt hat mittlerweile den Gebäudetyp gewechselt. Vom noch recht jungen Parkhaus geht es zum sehr alten griechischen Theater. Dann sehen die Kinder ein Bild von einem leeren Saal, es ist das Audimax. Melissa erkennt den Saal, in dem sie sitzt, wieder.

„Architektur hat etwas mit dem Sehen zu tun”, sagt Bernhardt. Dann drückt sie einem Mädchen einen Zollstock in die Hand. Sie soll die Stufen im Saal vermessen. Die Professorin ist angekommen in der Kinderuni. Ihre Unsicherheit ist verflogen. Auch die Kinder sind jetzt bei der Sache. Zehn Zentimeter hoch ist die erste Stufe. „Geh weiter hoch”, sagt Bernhardt.

Alle Kinder im Saal schauen auf das Mädchen, das die Stufen hochläuft. 15 Zentimeter misst sie auf der Hälfte. Oben kommt sie auf 18 Zentimeter. Bernhardt sagt: „Der Boden eines Hörsaals steigt parabelförmig an. Das macht man, damit ihr alle gut sehen könnt. Das ist reine Mathematik.” „Die Stufen sind nicht immer gleich”, fasst es Melissa für sich zusammen.


Dann fordert Bernhardt die Kinder auf: „Jetzt streckt mal jeder seinen rechten Arm aus.” Sofort zeigen 800 Arme nach vorne. Auf die Hinterköpfe der Vordermänner treffen sie nicht. Weil die Stühle im Saal versetzt angeordnet sind. Für die perfekte Sicht auf die Bühne.
„Ihr sollt mich nicht nur sehen, sondern auch hören”, sagt Bernhardt und wechselt zur Akustik. Melissa kommt nicht ganz mit und notiert nur: „Sehen auch hören.”

„Dieser Raum ist dafür gemacht, dass man ohne Mikrofon sprechen kann”, sagt Bernhardt. Wie im Theater. Und wie gelingt das? Die Professorin zeigt auf die Decke. „Die sieht aus wie eine Welle”, sagt Melissa. „Schuppenförmig”, umschreibt es Bernhardt. „Der Schall trifft an die Decke und von dort in die Sitzreihen zurück.” Ob Melissa das verstanden hat? Ihre Notizen sind unvollständig. Doch dann wiederholt sie: „Der Schall prallt von der Decke ab und kommt wieder zurück.”

Zum Schluss zeigt Bernhardt einen Grundriss des Audimax. Wie ein Fächer sieht der aus. „Das ist ein bilderbuchhafter Hörsaal, in dem ihr schön hören und sehen könnt”, sagt Bernhardt.

Um „Bionik und Schleiereulen” geht es in der Kinderuni am Freitag, 7. Dezember.


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