Auf den Zwergenmeter genau

Von: Christina Diels
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Vom Klassenzimmer in den Hörsaal: Diese Kinderuni-Teilnehmer haben im Audimax schonmal geprobt, wie es sich anfühlt, Student zu sein. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Eine Reise ins Allerkleinste kündigt Professor Bert Voigtländer den Kindern im Hörsaal an, als er das Licht dimmt. Nina, 9, aus Baesweiler, schaut erwartungsvoll nach vorne. Mit rund 800 Kinderuni-Teilnehmern hat sie am Freitag im Audimax, dem größten Hörsaal der Aachener Universität, gesessen.

Die Neunjährige kann auf ihrem Sitz ihre Beine baumeln lassen. Normalerweise sitzen auf diesen Plätzen Studenten. Und normalerweise würde Voigtländer, 52, die Dinge im studentischen Alltag anders erklären als vor den Kindern. Von einer Reise ins Allerkleinste würde er jedenfalls nicht sprechen. Der Projektleiter aus Jülich würde sein Fach beim Namen nennen: Nanotechnologie.

„Der Film ist schon sehr, sehr alt, also erwartet keine Computeranimation”, warnt Voigtländer die Kinder im Saal. Charles und Ray Eames starten ihren Kurzfilm mit der Großaufnahme eines Pärchens, das an einem sonnigen Tag in einem Park picknickt. Und dann beginnt der Zoom, der Zoom ins Allerkleinste. Erst auf die Handfläche des Mannes, die Haut, die Zellen, den Zellkern, bis in die DNA und die Atome hinein. Nina verfolgt die Bilder konzentriert. Aber sie sagt: „Das ist schwer, sich das vorzustellen.”

Der Professor gibt sein Bestes: „Ich habe den Film für euch zusammengefasst”, sagt er und wirft eine Folie an die Wand. „Vom Mensch zum Atom” steht darüber. „Jeder Strich bedeutet, zehnmal kleiner”, erklärt Voigtländer die Skala. „Eine Ameise können wir noch sehen, die ist einen Millimeter groß.” Danach folgen auf dem Maßstab Haar, Chromosom, DNA und Atom.

„Und was heißt Nano?”, fragt der Professor und läuft mit dem Mikrofon bis in die obersten Reihen im Hörsaal. „Tausend”, rät ein Mädchen. „Nee”, sagt der Professor. Er will auf die Bedeutung des Wortes hinaus. „Nano ist der Zwerg, das steht schon auf der Folie”, antwortet ein Junge. Nina lacht. „Der Nanometer ist der Zwergenmeter”, sagt der Professor und geht zurück aufs Podium. „Und wenn ihr nochmal zehnmal kleiner geht, dann sind da die Atome, das sind die Bausteine der Natur”, erklärt er anschaulich.

Nina trinkt eine Schluck aus ihrer Wasserflasche. Zwei Mädchen, die eine Reihe vor ihr sitzen, scheinen nicht mehr ganz so gebannt von dem Vortrag und verlassen den Raum. Voigtländer fährt fort mit der nächsten Frage: „Was macht ihr, um eine Ameise zu sehen?” Für Nina ist die Antwort einfach: „Näher rangehen”, murmelt sie leise auf ihrem Platz. Ein Kind nennt die Lupe. Der Professor wartet auf die Antwort Mikroskop. Dann lässt er vorne ein Mädchen einen Computerstück mikroskopieren. Irgendwann stellt der Professor fest: „Weiter reinzoomen geht nicht. Das Lichtmikroskop ist am Ende.”


Voigtländer stellt Nina und den Kindern ein Werkzeug vor, mit dem man noch näher heranzuzoomen kann: das Spitzen-Mikroskop. „Dadurch ist der Chip viel größen zu sehen.” Das Spitzen-Mikroskop arbeitet mit einer Spitze, die die Oberfläche abtastet, erklärt er. „Damit kann man auch die einzelnen Atome sehen”, sagt er. Zwergenmetergenau sozusagen.

Vor drei Tagen hat Voigtländer in der Vorbereitung seines Vortrags gesagt: „Ich will die Kinder für die Welt des Allerkleinsten faszinieren.” Ob fasziniert oder nur konzentriert, Nina schaut weiter nach vorne.

Dann wirft Voigtländers Assistent die neuen Bilder aus dem Spitzen-Mikroskop an die Wand. Nina seufzt jetzt. Die Reise ins Allerkleinste strengt an. „Die Forscher haben dem Spitzen-Mikroskop einen viel komplizierteren Namen gegeben”, sagt Voigtländer. „Rastertunnelmikroskop heißt das in Wirklichkeit.” So nennt er es auch in seiner Vorlesung vor seinen erwachsenen Hörern.


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