Willkommen in der „Hölle von Vettweiß”

Von: Jörg Abels
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Party pur: Die erste der fünf Damensitzungen ist gerade 20 Minuten alt, schon reißen die „RäuberÓ” die 1700 Frauen von den Stühlen. Foto: Abels

Vettweiß. 13.30 Uhr. Noch eine Stunde bis zum Einmarsch. Am Festzelt herrscht bereits emsiges Treiben. Aus allen Himmelsrichtungen strömen bunt kostümierte Frauen herbei. Büsschen rollen an.

Die Feuerwehr regelt den Verkehr, sperrt Straßen. Wo nur ist noch ein Parkplatz frei? Rund ums Schulzentrum herrscht Ausnahmezustand: Wie seit Jahren, wenn die KG zu einer ihrer berühmt-berüchtigten Damensitzungen bittet, von den Kölner Karmevalsstars ehrfurchtsvoll auch die „Hölle von Vettweiß” genannt. Von Simmerath bis Erftstadt, von Pulheim bis Alsdorf: Aus der ganzen Region kommen die Frauen in den südlichen Zipfel des Kreises Düren.

2800 Absagen

Mit einer Damensitzung hat 1985 alles begonnen, drei Jahre nach der ersten Vettweißer Herrensitzung. Längst aber diktiert die holde Weiblichkeit das Geschehen im größten Festzelt der Region. 1996 kam eine zweite Damensitzung hinzu, weitere folgten. In dieser Session sind es erstmals fünf. „Wir wollten einfach nicht mehr so vielen Frauen absagen”, begründet Literat Marcus Maubach die Entscheidung „noch ene drop zu lähn”. 2800 Absagen 2009 - das war dem neuen KG-Vorstand einfach zu viel. Dass eine fünfte Damensitzung auch noch mehr Arbeit fürs ganze Team bedeutet, war klar.

„Wurde aber auch sofort akzeptiert. Viele, vor allem die Elferratsmitglieder um den Vorsitzenden Peter Eversheim nehmen sich ohnehin die ganze Woche frei”, betont Maubach. Und die Senioren um den früheren Vorsitzenden Karl-Otto Rahmen, die jeden Morgen das Zelt wieder auf Vordermann bringen, sind eh mit dem Karnevalsvirus infiziert.

Derweil haben Walli, Elke und Tanja am Eingang alle Hände voll zu tun. Sie müssen jeder Frau ein Bändchen anlegen. Es staut sich. Allmählich verlagert sich der Ausnahmezustand ins Zelt. Noch längst hat nicht jede Frau ihren Sitzplatz gefunden, da muss Präsident Hans-Gerd Berkhoff bereits zum Einmarsch blasen. Die Zeit drängt. Künstler wie die „Räuber”, die sich ein wenig verborgen von der feierwütigen Meute bereits auf ihren Auftritt vorbereiten, oder Redner wie Guido Cantz haben auch schon so früh in der Session einen dicht gedrängten Terminkalender. Mit Gabriele Dammer von der Kölner Künstleragentur Schuster verliert Marcus Maubach im Vorzelt Uhr und Ablaufplan nie aus den Augen.

Die Sitzung ist gerade mal 20 Minuten alt, die Funkengarde ausmarschiert, da hält es keine der 1700 Frauen mehr auf ihren Stühlen. Vor der Bühne wird´s eng. Änne Pohl von den Maltesern und Feuerwehrfrau Tanja Bohlen, seit Jahren mit im Boot, passen auf, dass keine Frau die Bühne stürmt. Denn sie wissen: Einer würden viele andere folgen.

Die „Räuber” räumen ab. „Das ist der Wahnsinn”, kann Sänger Karl-Heinz Brand kaum fassen, wie euphorisch die Stimmung selbst zu Beginn eines mehr als fünfstündigen Programms in Vettweiß schon sein kann. Normalerweise kommen die „Räuber” später im Programm auf die Bühne. Terminzwänge sorgen diesmal für ein Novum. Den Frauen im Zelt ist´s egal, auch wenn die nachfolgenden Gudio Cantz oder Hausmann Jürgen Beckers die aufgepuschte Menge erst wieder runter bringen müssen. Später, wenn mit den Paveiern, Colör oder Marita Köllner ein musikalischer Topact auf den anderen folgt, ist die Party nicht mehr zu stoppen.

Bis kommenden Dienstag ist die KG im Dauereinsatz: Noch viermal geben sich auch Brings oder Höhner die Klinke in die Hand, noch viermal herrscht Ausnahmezustand rund ums Schulzentrum. Zeit zum Durchatmen hat der Großteil der KG erst am Mittwoch, wenn das Zelt abgebaut und alle Dekorationsutensilien wieder verstaut sind. Bis zum nächsten Jahr. Wenn die „Hölle von Vettweiß” wieder ihre Pforten öffnet. Das Programm steht bereits. Auch die Bläck Fööss kommen mal wieder, verrät Marcus Maubach, der mit seinen Vorstandskollegen und der Agentur bereits an 2013 arbeitet.
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