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Wie tanzt man denn Stippeföttche?

Von: Martina Rippholz
Letzte Aktualisierung:
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Zieht als Prinz Jupiter alle Register: Liedermacher Ralf Dreßen. Foto: rip

Merzenich. Bützje, Stippeföttche und Flönz: Mit diesen und anderen Begriffen ist der Rheinländer und vor allem der gestandene rheinländische Jeck von Kindesbeinen an vertraut. Er pflegt Dialekt und Bräuche. Und er gibt sie an seine Kinder weiter. Doch nicht in allen Familien funktioniert das so.

Manche sind zugezogen, andere nicht so stark mit den Bräuchen verwachsen. Deshalb will der Dürener Liedermacher Ralf Dreßen dem Nachwuchs zwischen Bonn und Neuss den rheinische Karneval nahe bringen.

Gemeinsam mit der Kinderbuchautorin Martina Becker tourt er derzeit durch das Rheinland und führt das Kindertheaterstück „Prinz Jupiter” auf. Das Duo machte auch Halt im Bürgerhaus Merzenich.

Dort blicken zig kleine Feen, Prinzessinnen, Cowboys und Piraten im Schneidersitz hockend erwartungsvoll in Richtung provisorische Bühne. Prinz Jupiter alias Ralf Dreßen zittert als Prinz Karneval vor seiner ersten großen Sitzung. Da blitzt und donnert es aus den Lautsprechern -Êund Martina Becker erscheint als Außerirdische in einem silbernen Kleidchen mit Antennen auf dem Kopf und einem Mini-Computer auf dem Rücken. Diese Prinzessin Juptinchen spricht völliges Kauderwelsch - die Sprache des Planeten Jupiter eben. Sie muss erst durch eines der Kinder auf Erdensprache programmiert werden.

Dennoch: Als der Prinz ein lockeres Gespräch beginnen will, entstehen immer wieder Verständnisprobleme. Juptinchen hatte schließlich nicht damit gerechnet, in Merzenich zu landen. Und das im Februar, mitten in der fünften Jahreszeit. Dann, wenn es im Dürener Land ganz anders zugeht als gewohnt. Wenn Dialekt und Brauchtum besonders hoch im Kurs stehen. So versteht die arme Außerirdische kaum ein Wort vom Karnevalsprinzen. „Vedder? Das steht gar nicht in meinem Erdenlexikon”, sagt sie.

Probleme machen ihr auch hochdeutsche Begriffe, die gleich klingen, aber unterschiedliche Bedeutungen haben. „Luftschlangen? Die sind doch bestimmt giftig”, ruft Juptinchen verängstigt.

Mit viel Geduld erklärt Prinz Jupiter, was es mit dem rheinischen Karneval, seinen Ritualen und Ausdrücken auf sich hat. Gemeinsam werfen sie den Kindern „Bützje” zu, tanzen den „Stippeföttche” und üben einen kräftigen Tusch.

Nach und nach lernt die Prinzessin, dass man mit der Karnevalsrakete nicht in den Urlaub fliegt und eine Polonaise keine weiße Sauce ist. Noch wichtiger aber: Juptinchen begreift, dass nicht alle Menschen Flönz und Strüßje kennen. Dass die lustigen Bräuche regionalen Charakter haben und dass es sich lohnt, diese Tradition weiterzuführen. Und mit ihr lernen auch die Kinder.
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