Deiters

Weil es um viel mehr geht als nur Kamelle

Von: Christoph Classen
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Massenspektakel: Die Polizei schätzte die Besucherzahl beim Rosenmontagszug auf 170.000 Besucher - Zehntausende weniger als im Vorjahr.

Aachen. Auf der Strecke bleiben letztlich ein paar Pferdestärken. Weil wegen des Wetters die Verletzungsgefahr zu groß ist, rücken die Aachener Stadtreiter auf Schusters Rappen an.

Ganz vorne marschieren sie, an der Spitze eines Rosenmontagszuges der mit seinen 126 angemeldeten Gruppen die Innenstadt stundenlang in den absoluten Ausnahmezustand stürzen wird.

Okay, am Straßenrand stehen ein paar weniger als in den Vorjahren, die Polizei schätzt ihre Zahl auf 170.000. Die Minusgrade mögen einige abgehalten haben, der Niederschlag beschränkt sich dagegen weitestgehend auf das, was von den Wagen hagelt. Und das ist es ja, was gerade die kleinsten Jecke in Scharen zum Zug zieht.

Früher noch am Markt

Gerti und Karl Römer sind nicht wegen Kamelle oder Strüssjer gekommen. An der Komphausbadstraße steht das Ehepaar. Wie jedes Jahr. Na ja, früher haben sie sich den Zug am Markt angesehen, schmunzelt Karl Römer: „Aber wenn man in die Jahre kommt, dann wird auch der Fluchtweg zur Toilette wichtig.”

Deswegen sind der 80-Jährige und seine zwei Jahre jüngere Frau eben seit ein paar Jahren an der Komphausbadstraße anzutreffen. An ausnahmslos jedem Rosenmontag. Das ist so Tradition. „Ich finde, man muss die ganze Arbeit, die in so einem Zug steckt, auch würdigen”, sagt Karl Römer.

Na klar: Am besten lässt sich der Wertschätzung für die Vorüberziehenden mit einem lautstarken „Alaaf!” Ausdruck verleihen. Dazu animieren Rudi Moos und AZ-Redakteur Robert Esser, die auf der „Center TV”-Bühne in der Komphausbadstraße das närrische Treiben kommentieren. Die stolze Stadtgarde der Oecher Penn von 1857 können sie natürlich begrüßen.

Aachens ältester Karnevalsverein marschiert mit Rekruten, Marktweibern, Fraulü vorbei. Und vom Präsidentenwagen grüßen Penn-Kommandant Jürgen Brammertz und Oberbürgermeister Marcel Philipp. Es folgen die Oecher Spritzemänner, die nichts anbrennen lassen, die musikalisch herausragenden Grenzlandtrompeter, der KV Immer Plaaan, der mit seinem Mottowagen bereits mutig die Stadtbahn auf die Gleise setzt.

Der Zug läuft weiter mit einem filmreifen Auftritt der Oecher Börjerwehr und die Horbacher Freunde präsentieren beeindruckend viele Wagen. Aber es sind nicht allein die großen Vereine mit ihren aufwändigen Gefährten, die den Charme solch einer Veranstaltung prägen.

Die ungezählten kleinen Fußgruppen, mit ihren kreativen Kostümideen sorgen in der Summe sicher für mindestens genau so viel Stimmung. 4000 Menschen sind es insgesamt, die den Aachener Rosenmontagszug bilden, 80 Prunkwagen und 20 Musikkapellen ziehen vorüber.

Karneval fürs Herz

Gerti und Karl Römer bleiben bis zum Schluss. Seit über einem halben Jahrhundert machen sie das so, seit 52 Jahren kommen sie als Ehepaar zum Rosenmontagszug. Kennen gelernt haben sie sich einst im Alten Kurhaus.

„Bei einer Karnevalsfeier”, sagt Karl Römer. Vielleicht ist die fünfte Jahreszeit für die beiden ja deswegen Herzensangelegenheit. Der Aachener Karnevalsverein (AKV) möchte beweisen, das es bei ihm nach wie vor genau so ist. Das gelingt.

Am Straßenrand jubeln die Jecke dem Team Carnevale, den Ehrenhüten und dem Senat des AKV ebenso zu, wie dem Elferratswagen mit Präsident Horst Wollgarten an der Spitze. Endlich beschränkt sich jeder wieder auf das, worum es geht: Fastelovvend fiere!

Es ist offensichtlich das der Prinz das in vollen Zügen genießt: Dirk IV. ist auf dem Höhepunkt seiner Session angelangt, es macht Spaß, ihm dort zuzusehen.

Hinterlassen hat der Zug letztlich ein Schlachtfeld. Und jede Menge strahlende Gesichter. Die von Gerti und Karl Römer bilden da keine Ausnahme. Ob ein paar Pferdestärken mehr oder weniger, ist für sie gar nicht wichtig.

Nichts Außergewöhnliches barg der Einsatz für die Polizei während des Rosenmontagszuges. Es wurde sechs Strafanzeigen, und 16 Platzverweise gezählt. Zwei Personen wurden in Gewahrsam genommen. Für eine Veranstaltung dieser Größenordnung sei das verhältnismäßig ruhig, hieß es bei der Polizei.
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