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Trotz Sturm: Jecke feiern weiter, Polizei will erstes Fazit ziehen

Von: red/dpa
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So feiern Aachener Jecken: Wenn die Sonne nicht strahlen mag, lachen die Karnevalisten um so fröhlicher. Foto: Andreas Steindl
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„Alaaf!“ - auch der karnevalistische Nachwuchs überzeugte durch sein standesgemäß selbstbewusstes Mundwerk. Foto: Andreas Sonntag
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Als der Zug die Theaterstraße erreicht hatte, waren an Bord der Narrenschiffe schon keine Regenschirme mehr nötig. Foto: Karen von Schmieden
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Trotz grauen Himmels: In Aachen zogen die Karnevalswagen am Vormittag wie geplant im Aufmarschgebiet am Adalbertsteinweg auf. Foto: Marc Heckert
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Wen werden denn ein paar Tropfen stören? Aachener Jecken beim Schminken vor dem Abmarsch. Foto: Marc Heckert

Aachen/Eschweiler/Köln. Nach dem sturmgepeitschten Rosenmontag werden in einigen Städten die ersten Karnevalsbilanzen erwartet, während andernorts am Veilchendienstag weiter gefeiert wird. In Köln will die zuletzt in die Kritik geratene Polizei eine Einsatzbilanz ziehen.

Vom Orkantief „Ruzica” (Röschen, gesprochen: Ruschiza) haben sich die Narren in den meisten Städten der Region nicht vom Feiern abhalten lassen: In Aachen, Köln, Eschweiler und Stolberg gingen die Rosenmontagszüge wie geplant über die Bühne. In Düsseldorf, Erkelenz, Kalterherberg und Kelmis fielen die Züge dagegen aus.

Pünktlich um 11.11 Uhr setzte sich der rund sechs Kilometer lange Aachener Zug mit insgesamt 168 Prunk- und Gesellschaftswagen sowie Fuß- und Musikgruppen in Bewegung. Unter den mehr als 5000 Aktiven waren auch 50 Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan, die als Teil der Fußgruppe der „Burtscheider Wasserratten“ ihre ersten Erfahrungen als Aktive im Aachener Straßenkarneval sammelten. Der Festausschuss Aachener Karneval (AAK) berichtete am Abend von rund 130.000 Besuchern.

„Die angekündigten Verkehrsbeeinträchtigungen blieben im überschaubaren Rahmen“, meldete die Polizei am Abend. Gegen 16.40 Uhr erreichten die ersten Wagen und Gruppen den Endpunkt am Templergraben. Einen Zwischenfall gab es nur kurz an der Wilhelmstraße, wo ein größerer Ast aus einem Baum herunterzufallen drohte. Die Feuerwehr beseitigte die Gefahrenstelle.

Um 7.30 Uhr hatten die Verantwortlichen des AAK und die Partner der Koordinierungsstelle von Stadt Aachen, Ordnungsamt, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste entschieden, dass der Aachener Zug wie geplant um 11.11 Uhr losgehen könne. Das teilte der Ausschuss auf seiner Facebookseite mit.

Starke Sicherheitsvorkehrungen

Es gab allerdings starke Sicherheitsvorkehrungen: So nahmen Pferde, Kutschen und Planwagen nicht mehr am Umzug teil; große, windanfällige Absperrplanen wurden an verschiedenen Plätzen entfernt.

Mit dem Verlauf der Veranstaltung war die Polizei zufrieden. Kleinere Schlägereien gab es am Bushof, am Adalbertsteinweg, der Scheiben- und Peterstraße. An der Komphausbadstraße zündete ein Mann einen Bengalo.
Gegen fünf junge Männer aus Nordafrika, die versucht hatten, Wurfmaterial von einem Karnevalswagen zu entwenden, wurden Strafverfahren eingeleitet; einer von Ihnen hatte auch etwas Rauschgift dabei. Insgesamt fertigte die Polizei 14 Strafanzeigen und erteilte 14 Platzverweise. Bei weiteren fünf Personen wurde die Identität überprüft.

5500 Aktive in Eschweiler

In Eschweiler startete der Zug um 12 Uhr unter Beteiligung von 22 Karnevalsgesellschaften und mehr als 5500 Aktiven. Ein Krisenstab aus Verwaltungsvorstand, Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt und Karnevalskomitee hatte diese Entscheidung am Montagmorgen nach intensiver Diskussion getroffen. Es gab allerdings sturmbedingte Auflagen. So wurden ebenfalls keine Pferde und Fahnen zum Zug zugelassen, wie Bürgermeister Rudi Bertram erklärte.

Als sich die Kolonne fast fünf Stunden später nach dem Zug durch die Innenstadt wieder auflöste, war die Polizei mit dem Tag zufrieden: Im wesentlichen blieb alles friedlich, nur einige Male mussten die Beamten bei „karnevalstypischen Einsätzen“ einschreiten. Ein Randalierer wurde in Gewahrsam genommen, acht Platzverweise erteilt.

Einige Absagen in der Region

Einen großen Veilchendienstagsumzug gibt es traditionell ab 13.11 Uhr in Mönchengladbach: Dort gehen rund 4000 Teilnehmer mit dem Zug durch die Stadt, unter ihnen Tanz- und Funkengarden und zahlreiche Musikkapellen. Viele Tausend Gäste werden erwartet.

Aus Sorge vor orkanartigen Böen sagten selbst Hochburgen wie Düsseldorf und Mainz die traditionellen Umzüge am Montag schweren Herzens ab. Dagegen setzte sich in Köln pünktlich um 10 Uhr der größte deutsche Karnevalszug in Bewegung, allerdings ohne die sonst üblichen 500 Pferde. Die Jecken wurden vom Wetter belohnt: Der Regen hörte zunächst auf, die Sonne kam durch.

Auch in Stolberg wurde gefeiert. Bei den Zügen in Stolberg, Zweifall, Breinig und Mausbach durften ebenfalls keine Tiere mitgehen, Planwagen oder ähnlich gebaute Umzugswagen waren verboten, auf Fahnen, große Plakat- und Schilderflächen mussten die Feiernden verzichten.

In Erkelenz wurde dagegen am Vormittag der Rosenmontagszug – wie schon im Jahr 1990 – abgesagt. Auf der Facebook-Seite der EKG war zu lesen: „Der Zug ist abgesagt, aber ab 14 Uhr findet eine Karnevalsparty in der Stadthalle statt. Freuen uns auf Euch.“

Auch im benachbarten Ausland sah die Lage ähnlich aus. In Eupen marschierten die Narren durch die Stadt, in Kelmis mussten die Karnevalisten ohne einen Zug feiern, der abgesagt wurde.

Düsseldorf will Zug schnell nachholen

Die „zuglosen” Düsseldorfer konnten sich vor dem Rathaus die Wagen zumindest ansehen. Auch diesmal blieb Figurengestalter Jacques Tilly (52) seinem Ruf als besonders scharfer Satiriker treu. So thematisierte ein Wagen die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht: Eine Frau hat zwei Männer an einer Silvesterrakete festgebunden und schießt sie zum Mond. „So schön wird das nächste Silvester”, hieß es dazu. Auf einem anderen Wagen wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem kleinen Boot von einer „Flüchtlingswelle” erfasst.

Düsseldorf will den Zug schnellstmöglich nachholen, doch der Bund Deutscher Karneval (BDK) sieht das skeptisch. „So bitter es ist, man kann nicht sagen, aus irgendeinem Grund fällt Weihnachten aus, also holen wir das irgendwann nach”, sagte der Vizepräsident des BDK, Peter Krawietz, in Mainz. Die abgesagten Umzüge drücken nicht nur auf die Stimmung, sondern womöglich auch auf den Geldbeutel. Der Präsident des BDK, Volker Wagner, sagte der „Rheinischen Post” (Dienstag): „Es geht um Sponsoren, die jetzt ihr Geld zurückverlangen könnten. Nicht alle Zugteilnehmer sind gegen einen Ausfall versichert.”

Am Dienstag kann in Düsseldorf nach Aussage von Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) vielleicht schon entschieden werden, wann der wegen des Sturmtiefs „Ruzica” abgesagte Rosenmontagszug nachgeholt wird. Das soll so schnell wie möglich geschehen, allerdings muss eventuell die Fastenzeit abgewartet werden. Geisel will beim „Närrischen Zapfenstreich” (19.00 Uhr) jedenfalls die Rathausschlüssel von den Narren zurückbekommen.

Kritik gab es am Deutschen Wetterdienst (DWD), der für den Morgen vor Windstärke 8 bis 9 gewarnt hatte. Später seien Böen mit Windstärke 10 zu erwarten. „Absage #Düsseldorf - für mich ein Rätsel”, twitterte ARD-Meteorologe Karsten Schwanke. Die stärksten Böen seien erst am Nachmittag oder Abend zu erwarten.

Ein blauer Himmel und ein leichtes Lüftchen konnte am Nachmittag den einen oder anderen Narren in Düsseldorf tatsächlich an den Warnungen zweifeln lassen. Aber zu Unrecht: Denn fast wie von den Experten vorausgesagt verdunkelte sich der Himmel zwischendurch am Nachmittag, starke Winde zogen auf und Sturzregen prasselte auf die wenigen verbliebenen Düsseldorfer Narren nieder. Köln sei anders als Düsseldorf durch die Eifel geschützt, erklärte der Wetterdienst.

Ganz ausgestanden sind die Diskussionen über das Wetter aber nicht: Dem Straßenkarneval in Hessen steht ein turbulentes Finale bevor. Der Wetterdienst rechnete mit starken Böen. Regen und kurze Gewitter seien möglich. Die Fastnachtsvereine hofften, dass ihre Umzüge wie geplant starten können, sie wollten den Wetterbericht allerdings im Blick behalten. Der traditionelle Umzug „Klaa Paris” in Frankfurt-Heddernheim fällt hingegen wegen des Wetters aus. Er soll nach Ostern nachgeholt werden.

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