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Stromausfall hält Adorf nicht auf

Von: Robert Esser und Albrecht Peltzer
Letzte Aktualisierung:
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Backstage: Jürgen Beckers bei der Vorbereitung auf seinen brillanten Auftritt als Saaldiener der Ordensverleihung. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Schrecksekunde dauerte vier Minuten. So lange blieb im Ü-Wagen des WDR der Strom weg. Trotzdem sitzt TV-Regisseur Elmar Herkrath-Rundholz nach der Ordensverleihung völlig entspannt vor seinem riesigen Mischpult, über dem ein Dutzend Monitore noch das Schlussbild der Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst” zeigen.

„Der Stromausfall ist ärgerlich, unser Festplattenaufzeichnungssystem EVS ist ausgefallen”, erklärt der TV-Profi. „Aber wir haben die Sendung zusätzlich komplett auf einem IMX-Sicherheitsband - jede Sekunde liegt vor.” Alles digital im Kasten.

Doch der Mann, der gerade sieben Kameras, knapp 500.000 Watt Licht, fast 200 Mitwirkende auf der Bühne und 60 Fernsehleute vor und hinter den Kulissen über zweieinhalb Stunden durch das Programm dirigiert hat, steht kurz vor Mitternacht noch immer vor der Tür.

Am Hintereingang des Eurogress parken die zwei tonnenschweren Ü-Wagen mit dem Arbeitsplatz von Herkrath-Rundholz.

Drinnen begießt der Aachener Karnevalsverein gerade mit anderthalbtausend Gästen in Smoking, Abendrobe und Kostüm die grandiose Show zum 150-jährigen Jubiläum. „Mario ist schlichtweg phänomenal”, freut sich AKV-Präsident Horst Wollgarten. „Sein Auftritt hat alles gezeigt, was man sich von einem Ritter wider den tierischen Ernst wünschen darf: Intellekt, Charisma, Charme und alle Facetten des Humors vom hintergründigen Witz bis zur parodistischen Pointe”, lobt Wollgarten.

In der abgeschirmten VIP-Lounge in der ersten Eurogress-Etage kann sich Adorf derweil zu Recht kaum vor den vielen Schulterklopfern retten. Margarethe Schreinemakers, Ex-Boxer Axel Schulz, Moderator Max Schautzer, Lambertz-Chef Dr. Hermann Bühlbecker, Sparkassen-Vorstand Dr. Jochen Bräutigam, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, OB Dr. Jürgen Linden und viele mehr stoßen dort auf den umjubelten Star des Abends an.

Gastronomie-Chef Hans-Joachim Stuntz lässt Sushi und kiloweise Kaviar sowie 240 Liter Champagner, 800 Flaschen Wein und über 10000 Gläser Bier auftischen. Ein Stockwerk tiefer bringt Prinz Thomas I. mit Hofstaat und närrischer Hitparade bei der Aftershow-Party das Foyer zum Kochen.

Draußen vor dem Hintereingang zeigt das Thermometer indes nur ein paar Grad über Null. Im tristen Halbdunkel hocken die Mitarbeiter von WDR-Regisseur Herkrath-Rundholz noch immer in der Ton- und Bildregie. Hunderte Knöpfe und Schalter blinken, über den Monitoren leuchten die Namen der Kameraleute: Micha, Heinz, Tobias...

Welche Namen aus dem Programm der Festsitzung heute ab 20.15 Uhr in deutsche Wohnzimmer gesendet werden, steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. „Die endgültige Auswahl treffen wir beim Schnitt am Sonntag und Montag im Kölner Funkhaus”, sagt Herkrath-Rundholz. Die „4 Amigos”, „Josef, Jupp und Jüppchen” sowie der Sessionshit „Leckerschen” des Öcher Narrenherrschers werden wohl dem Hochdeutsch-Diktat der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt zum Opfer fallen.

„Nach der Generalprobe haben sich alle Beteiligten auf der Bühne noch einmal deutlich gesteigert”, sagt der Fernsehmann. „Ich bin absolut sicher, dass wir den Zuschauern am Montag 105 äußerst unterhaltsame Minuten präsentieren können.”

Als es Sonntagmorgen dämmert und die Aftershowparty in die Verlängerung geht, werden in der Elephant-Bar des Quellenhofs schon Wetten über die Fernsehquote abgeschlossen. Ritter Constantin Freiherr von Heereman prostet der Prinzengarde und den Elferräten Boris Bongers und Thomas Frings zu: „Klasse Jungs, ich komm´ hier seit gefühlten 50 Jahren hin. Aber so gut hab´ ich mich noch nie amüsiert.” Schrecklich wäre nur, wenn zu wenige Narren vor die Bildschirme strömen...
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