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Spaß-Parole mit Tradition: Das Motto des Rosenmontagszugs

Von: Christoph Driessen, dpa
Letzte Aktualisierung:
Rosenmontagszug in Düsseldorf
Eine riesige Clownsmaske steht auf einem Karnevalswagen in Düsseldorf. Foto: dpa

Düsseldorf/Köln. „Jeck - we can!”, heißt dieses Jahr das Motto des Düsseldorfer Rosenmontagszuges. Wer im Karneval nicht zu Hause ist, kann kaum ermessen, wie konfliktgeladen die Wahl einer solchen Spaß-Parole sein kann.

Der Düsseldorfer Spruch in Anspielung auf Barack Obamas Wahlkampfslogan „Yes we can” ist nach den Maßstäben des rheinischen Karnevalswesens ziemlich gewagt. „Von Traditionalisten kamen sehr kritische und zum Teil schon merkwürdige Töne”, berichtet Hans-Peter Suchand, Sprecher des Comitees Düsseldorfer Carneval.

Besonders der Präsident der „Düsseldorfer Jonges” - angeblich der größte Heimatverein Deutschlands - verurteilte das „Denglisch”. Suchand: „Der hat das zerrissen.”

Andere wandten ein, das Motto komme ein Jahr zu spät, schließlich liege Obamas Wahlkampf mittlerweile eineinhalb Jahre zurück. Mainz hinkt auch hinterher mit seinem Motto „Bei uns in Mainz gilt die Devise, die Fassenacht kennt keine Krise”. Das hätte letztes Jahr besser gepasst. Aber das Motto wird immer schon ein gutes Jahr im voraus erdacht - organisierter Karneval ist Planwirtschaft.

In Köln ist ein Spruch wie „Jeck- we can!” völlig undenkbar. Die Domstadt ist die Hochburg der Traditionalisten. Während die Düsseldorfer und Mainzer Karnevalsfunktionäre das Motto aus Hunderten von Einsendungen auswählen, entscheidet in Köln das Festkomitee unter sich. In diesem Jahr lautet das Motto „In Kölle jebützt” (In Köln geküsst). Belanglos? Von wegen! Heiße Diskussionen hat es darum gegeben. Sprachpuristen wandten ein, das sei kein astreines Kölsch, es hätte heißen müssen „En Kölle jebütz”.

Nicht-Kölner mögen da den Kopf schütteln, doch vom Motto hängt viel ab: Tausende Gruppen richten danach ihre Kostüme oder Sitzungen aus. Wer nach Köln zieht und sich dann in der Grundschule seines Kindes bereits im Spätsommer zu einer ersten vorbereitenden Sitzung einfinden muss, der erlebt dort, wie schon über die Grundfarbe der Zuggruppe eineinhalb Stunden lang leidenschaftlich diskutiert wird.

Schon der allererste Kölner Rosenmontagszug hatte 1823 ein Motto: „Thronbesteigung des Helden Carneval” hieß es. Und im Jahr darauf: „Besuch der Prinzessin Venetia beim Helden Carneval”. Prinzessin Venetia stand für die bewunderte Kultur und Exotik des Südens, die sich hier mit dem Norden verband.

Immer mal wieder spielte das Motto auf aktuelle Entwicklungen an: Als die Kölner 1849 auf eine „Reise nach Californien” gingen, hatte gerade der kalifornische Goldrausch eingesetzt. 1870 hieß das Motto „Die Eröffnung des Suezkanals” und 1885 „Held Carneval als Kolonisator”. Als sich 1949 der erste kurze Zug nach dem Krieg durch die Kölner Trümmerlandschaft wand, geschah dies unter dem Leitspruch: „Mer sin widder do un dun wat mer künne” (Wir sind wieder da und tun was wir können).

„Es ist ein Stück weit vergleichbar mit den Parteiparolen”, erläutert der Kölner Karnevalsphilosoph Wolfgang Oelsner. „Wenn man etwas Gemeinschaftsstiftendes etablieren will, bedarf es auch einer entsprechenden Wortschöpfung.” „In Kölle jebützt” findet er deshalb gar nicht so schlecht: „Man kann es auch in einem weiteren Sinne verstehen: als Einladung, auf andere zuzugehen.”
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