Deiters

Schrill und sexy soll es sein: das Karnevalskostüm

Von: Jürgen Schön, ddp
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Karneval / Kostüm / Polizist / Bützchen
Wichtig bei der Kostümwahl: der Flirtfaktor. Allerdings ist der Herr auf unserem Foto nicht wirklich kostümiert. Foto: dpa

Köln. „Sieht netter aus, als ich dachte”, stellt Johanna Keeris beim Blick in den Spiegel zufrieden fest. Eigentlich hat sie mit Karneval nichts am Hut, aber für ein Betriebsfest will sie sich doch verkleiden. Für die Niederländerin, die seit 20 Jahren in Köln lebt, lag es nahe, als „Holländerin” zu gehen.

Und die Haube mit den nach oben gebogenen Spitzen passt wie angegossen. Mit der Tracht hat sich die Buchbinderin für einen Karnevals-Dauerbrenner entschieden, den die Händler nicht aus dem Kostümsortiment verbannen können. Im Trend liegt sie damit nicht. Michael-Jackson-Kostüme gehören zu den Rennern bei den Karnevalskostümen in diesem Jahr.

So verkünden übereinstimmend die Chefs der Kölner Marktführer, Herbert Geiss von Karnevalsbedarf Deiters und Frank Schröder von Karnevalswierts. Passende Nadelstreifenanzüge oder Paillettenjacken plus Hut und Perücke sind schon ab 60 Euro zu haben. Daneben greifen Männer immer noch am liebsten zum Piratenlook.

Und die Frauen? Da ist alles gefragt, was mit Glitzer und Glitter an die 70er und 80er Jahre erinnert. Geiss präzisiert: „Schrill und sexy soll es sein.”

Bei der 16-jährigen Samara rennt er damit offene Türen ein. Weil heute Lehrerkonferenz ist, nutzt die Schülerin den Vormittag zur Kostümprobe. Gerade hat sie ein Rüschenkleid mit Schnürmieder angezogen, die Farbe Pink lockte. Für eine Karnevalsparty sei es aber trotzdem noch nicht so das Richtige, findet Samara. „Kurz muss es sein”, sagt sie, „bein- und schulterfrei”. Und als Kopfschmuck noch „ein Paar Öhrchen”. Sie wird schon noch das Passende finden.

Einmal ein anderer sein - im Karneval werden solche Wünsche wahr. Sascha Hoffmann wird dieses Jahr Flugkapitän. „Welcher Junge träumt nicht davon!”, strahlt er, als er in der Kabine neben Samara das blaue Jackett mit den weißen Ärmelstreifen anprobiert. Was die Sache noch schöner macht: Er wird mit einem „Haufen” als Stewardessen verkleideter Frauen feiern. Jetzt noch Pilotenbrille und Mütze. Das Jackett hat er eine Nummer größer gewählt: „Damit ich beim Zuggucken noch einen Pullover drunter ziehen kann, wenns kalt ist.” Plüschkostüme dagegen sind nichts für ihn.

Andere mögen die umso mehr. „Für Kinder ist der Dino der Hit”, sagt Geiss. Bei Erwachsenen gehe es quer durch alle Tierarten. „Nur Schweine sind nicht gefragt - trotz Schweinegrippe”, wundert er sich. Zum Karnevalsstart am 11. November sei das noch anders gewesen: „Da wurden jede Menge Schweineschnauzen verkauft.”

Ungebrochen sei der Trend zum Selbernähen, meint Jutta Schmitt. Ihr Festartikel-Geschäft im Schatten des Kölner Doms ist ein Paradies für den „Do-it-yourselfer”. Der findet hier Borten, Litzen, Knöpfe und Stoffe, die keinen Wunsch offen lassen. Ob man nun Leopard, Elfe oder Clown sein will.

Gerade streicht ein Vater mit seinem neunjährigen Sohn durch die Gänge. Ihren Namen wollen sie nicht nennen, so was tun Waldräuber und Agenten schließlich auch in Wirklichkeit nicht. Der Erwachsene stöbert im Stofflager herum, „ich nähe immer alles selber”, sagt er. Nur die Schaftstiefel für das Räubern im Wald kann er nicht selber machen. Nun hofft er, hier fündig zu werden.

Sohnemann lässt sich inzwischen in Sachen „Agenten”-Pistole beraten. „Stabil muss sie sein”, hat der Vater dem Verkäufer eingetrichtert. Der Kleine kann sich nicht entscheiden. Schließlich prüft er auch ein Plastikschwert. Vielleicht wird er ja auch Kreuzritter. „Die sind cool”, weiß er, hat auch ein Buch darüber gelesen. Ob Agent oder Ritter, wenn er dem Kostüm entwachsen ist, wird es sein jüngerer Bruder auftragen. Das hat der Vater jetzt schon beschlossen.
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