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Puttes, Schabau und dazu beste Laune

Von: Heinrich Schauerte
Letzte Aktualisierung:
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Wenn et Schängche Fastelovvend fiert, ist der kleine Theatersaal rappelvoll. Die jecken Gäste bringen Puttes, Schabau und viele andere gute Sachen mit. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Ein echter Öcher, dem nicht nach Kölner Karnevalsschlagern und bunten TV-Shows zumute ist, fiert met et Schängche Fastelovvend. Nahezu vier Stunden lang wird da ein Programm geboten, das von vorne bis hinten die besten Traditionen des ursprünglichen Volkskarnevals aufnimmt. Da kommt keine Sekunde Langeweile auf, und dabei ist alles echt, handgemacht und ohne jeden billigen Showeffekt.

Dazu braucht es natürlich ein entsprechendes Publikum, aber das ist bei der treuen Schängchen-Gemeinde ja keine Frage. Alle erscheinen phantasievoll verkleidet, und vor allem gehört es zum guten Ton, nicht nur sich selbst an Leib und Seele zu stärken, sondern auch die ganze Umgebung daran teilhaben zu lassen. Und zwar in fester wie auch in flüssiger Form.

So werden schnell die ersten Prosecco-Flaschen und Picknickkörbe ausgepackt, und der nichts ahnende Besucher erlebt, wie komplette Menüs samt diversen Suppen und Cremes aus dem Nichts gezaubert werden. Da können einen plötzlich strenge Knoblauchdüfte umwehen, verheißungsvoll untermalt vom Zischen eines soeben angezapften Fünf-Liter-Fasses. Von vorne kommt Puttes, von hinten Schabau - was braucht der Mensch mehr für einen schönen Abend?

Natürlich gehören noch ein paar Kleinigkeiten dazu, etwa ein Programm. Das begann diesmal gleich mit dem Höhepunkt, nämlich dem Besuch des Prinzen. „Ich ben ene Ocher Jong”, sagt der Frankfurter Bub, und Markus von der Prinzengarde findet es gut, dass der Frankfurter Bub gar nicht erst versucht, Platt zu sprechen.

Da hätte er hier, in der Höhle des Löwen, auch schlechte Karten. Dafür zeichnet Till seinen Gefolgsmann Guido aus, der es fertig gebracht hat, während einer Sitzung einzuschlafen. Das ist auch ne Kunst, aber das kann natürlich nicht hier gewesen sein.

Das Bühnenbild zeigt ein herrliches Alt-Aachener Ambiente mit verkleidetem Bahkauv sowie einem Etablissement namens „Blaue Lagune”. In diesem führt ein bekannter Stenz das große Wort, nämlich Herr Paul von Stenz. Zu seinem therapeutischen Personal, das die Herren der Schöpfung erleichtert (vor allem ums Geld), gehört Lulu, die unverwüstliche Blondine mit dem hüpfenden Atombusen.

Ihn selbst plagen andere Sorgen, nämlich dass die „huren Herren” vom Stadtrat vorhaben, in der Rue de la Antoinette demnächst „shoppen statt poppen” einzuführen. Da bleibt dem armen Herrn von Stenz nur übrig, zum Global Player zu werden, damit der Dax wieder höher steht.

Öcher Reänpitts

Stargast des Abends war Manfred Savelsberg von den Öcher Nölde. Als Hausmeister im Rathaus ist er es ja nicht gewohnt, zu seinem Chef aufzuschauen, und daher beschäftigt er sich mit wichtigeren Dingen, etwa dem Entwurf eines Denkmals für den „Öcher an sich”.

Dieses wird geziert von sämtlichen Erscheinungsformen des Öcher Reänpitts, vom Kleingärtner über den Ömmesönslömmel (wahlweise vom Steppenberg oder aus dem Frankenberger Viertel) bis hin zum Krau, speziell dem feinen Krau, der zu Geld gekommen ist und dann Pimmau heißt. Und wo findet man die alle? Klar, auf dem Tivoli.

So folgt Schlag auf Schlag. Frau Schwammdrüber erzählt einen Witz nach dem anderen, statt den Puff zu putzen, und auch Maatpoliss Noppeney hat so allerhand auf der Rolle. Plötzlich sind die Öcher Originale mit ihren Hits da und auch die Jonge vajjen Beverau. Irgendwer vergleicht sie mit den Mainzer Hofsängern, aber das erfüllt eindeutig den Straftatbestand der Beleidigung.

Zum Glück hat Noppeney es nicht mitgekriegt. Alte Öcher Fastelovvendslieder werden gesungen, etwa das unsterbliche „E paar Öcher Prente”, das man jedem echten Öcher noch am Grab spielen sollte.

Lennet Kann kann auch singen, und hier hat er den Vorteil, dass er im Gegensatz zum Fernsehen auch wirklich verstanden wird. An diese fortgeschrittenen Teile des Programms hat der Chronist aber nur noch schwache Erinnerungen, jedenfalls gab es irgendwann natürlich noch die Öcher Nationalhymne (leider auch hier mit der unsäglichen hochdeutschen Version, die man verbieten sollte!!), und der Schluss wurde standesgemäß mit „Alaaf et Öcher Schängche” eingeleitet. Wie immer ein unvergesslicher Abend, jedenfalls so weit die Erinnerung reicht.
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