Deiters

Pisa und U-Bahn: Kölner Schull- und Veedelszöch

Von: Petra Albers, dpa
Letzte Aktualisierung:
karneval köln veedelszöch
Von der Kälte unbeeindruckt feierten Tausende Jecken auf den Straßen von Köln bei den traditionsreichen „Schull- un Veedelszöch” (Schul- und Viertelszügen). Foto: dpa

Köln. Wer ein Fellkostüm oder eine dichte Perücke trug, hatte es richtig gemacht: Bei Schneefall und knackigen Minusgraden zogen am Sonntag die Schull- und Veedelszöch durch Köln.

Doch auch wenn so manches Kostüm unter einer dicken Winterjacke versteckt werden musste, ließen sich die Jecken vom eisigen Wetter nicht beeindrucken: Zehntausende säumten die Straßen, schunkelten sich warm und bejubelten die fantasievoll verkleideten rund 100 Schulklassen und Stadtviertel-Vereine.

Gefragt waren vor allem Kreativität und Ideenreichtum. Viele der etwa 8500 Teilnehmer hatten monatelang an ihren Kostümen gebastelt. „Wir haben im Oktober angefangen”, sagt eine Grundschullehrerin, die wie ihre Kollegen und die Kinder als Wickie verkleidet ist. Neben Helm und Wams hat jeder noch ein Drachenboot aus Pappkarton um den Körper. Die Idee dahinter: „Uns fällt immer eine Lösung ein - weil wir wie der Wickie sind”.

Andere Klassen haben sich das Thema Bildung vorgeknöpft. Eine Gruppe Berufsschüler geht als „Schiefer Turm von Pisa”, aus Schaumstoff gebastelt und in Anspielung auf die Pisa-Studie. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass für die Schüler einfach zu wenig Geld ausgegeben wird”, erklärt die 17-jährige Sonja. „Nicht nur der Turm ist krumm - bei dem Etat bleiben auch wir Schüler dumm”, steht auf dem Wagen, der die Gruppe begleitet.

Eine Grundschule nimmt die Schulpolitik der schwarz-gelben Landesregierung aufs Korn und zeigt, dass es die Kinder sind, die die Suppe auslöffeln müssen: Die Jungen und Mädchen haben sich als Tütensuppen verkleidet, mit Aufschriften wie „Kichererbsensuppe” und „Düsseldorfer Sommergemüse” - in Anspielung auf NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU).

Auch der Einsturz des Kölner Stadtarchivs und die jüngsten Erkenntnisse zum Pfusch beim U-Bahn-Bau werden thematisiert. Schüler und Lehrer eines Gymnasiums sind als Maulwürfe und Bauarbeiter kostümiert. Mit Bezug auf die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) heißt es auf einem Schild, das ein Teilnehmer auf dem Rücken trägt: „KVB- Domino - Was fällt als nächstes?”

Das Motto eines anderen Gymnasiums, das direkt an der Einsturzstelle liegt, lautet: „Dä Avgrund wor noh” (Der Abgrund war nah). Wegen des Archiv-Einsturzes müssen der närrische Lindwurm wie auch der Rosenmontagszug in diesem Jahr einen kleinen Umweg machen. Normalerweise führte der Weg der Narren immer direkt am Historischen Stadtarchiv vorbei. Heute klafft dort ein riesiges Loch.

Die Gruppen aus den Stadtvierteln - den Veedeln - widmen sich Themen wie der Fußball-Weltmeisterschaft, dem Energiesparen oder der Wirtschaftskrise. So hat eine Gruppe einen Wagen mit einem Schuldenberg gebastelt, unter der Überschrift: „Ihr Narren dieser Welt - euch gehts doch nur ums Geld”.

Die „Veedelszöch” gehen auf Umzüge mittelalterlicher Gesellenbanden zurück, die damit ihren Alltag karikierten. 1952 kamen die „Schullzöch” hinzu, die den karnevalistischen Nachwuchs fördern sollen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert