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Pappnase meets Polizei: Weiberfastnacht als Hochsicherheitsereignis

Von: Jonas-Erik Schmidt, dpa
Letzte Aktualisierung:
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Weiberfastnacht markiert diesmal nicht nur den Beginn des Straßenkarnevals. Gleichzeitig läuft ein riesiger Polizeieinsatz an. Foto: dpa

Köln. Björn Lamprichs soll so etwas wie ein Auge im Sturm aus Konfetti, Kostümen und Kamellen sein. Der Polizist steht vor einem mit allerhand Technik gespickten Kastenwagen auf dem Vorplatz des Kölner Hauptbahnhofs. Seit Silvester kennen auch Nicht-Kölner diesen Ort, an dem Frauen im Getümmel belästigt und begrapscht worden sind.

Jetzt, an Weiberfastnacht, soll Lamprichs den neuerlichen Trubel mit einer ausfahrbaren Kamera auf dem Wagen aus bis zu sechs Metern Höhe im Auge behalten. Blöderweise ist die Kamera kaputt. „Ich habe schon Sicherungen überprüft und Steckverbindungen”, sagt der 40-Jährige. Aber es hilft nichts. Sein Bildschirm bleibt schwarz.

Es ist ein kleinerer Ausfall im großen Sicherheitsnetz, das die Behörden über Köln spannen. 2500 Beamte schickt die Kölner Polizei in die Straßen, an zig Ecken stehen Mannschaftswagen. Das Ordnungsamt läuft in grellen Westen Patrouille. Silvester soll sich nicht wiederholen. Auch andere Städte wie Düsseldorf oder Mainz haben an ihren Sicherheitskonzepten geschraubt.

In Köln wurde auch die Videoüberwachung stark ausgeweitet, etwa um zu erkennen, wenn sich ein Mob zusammenrotten sollte. Insgesamt seien 19 Kameras im Einsatz, sagt Polizeisprecher Wolfgang Baldes. Den Ausfall beim Kollegen Lamprichs sieht er daher gelassen. „Ich würde mal behaupten, dass es heute keinen Jecken gibt, der nicht irgendwo in einer Kamera rumläuft”, sagt er. Was auch an den vielen Fernsehteams in der Stadt liegt. Köln steht unter Beobachtung an diesem Tag.

Von einem Mob ist erstmal nicht viel zu sehen. Die Kölner Straßen sind spürbar leerer als in den vergangenen Jahren. Eine Armlänge Abstand lässt sich ganz gut einhalten. Ob es am miesen Regenwetter oder an der Diskussion über die Sicherheit liegt - schwer zu sagen. Die Kneipen sind dafür voll. Clowns drücken sich an Piraten vorbei. Viele haben sich als Polizisten verkleidet, was auch als Kommentar zur Sicherheitsdiskussion gewertet werden könnte.

Vor Weiberfastnacht bestand die Sorge, dass vor allem in Köln die Stimmung leiden könnte. Dass die Stadt die Leichtigkeit verliert, dieses Filouhafte, das sie nicht nur an Karneval auszeichnet. Marion Schieren und Ulrike Röser, mit einer Frauengruppe in Indianerkostümen aus Aachen angereist, winken ab. Es habe gar keine Diskussion gegeben, nicht zu kommen. Ist es nicht komisch, so eine Feier, bei der so viel über Sicherheit gesprochen wird? „Ja doch, wirklich ärgerlich. Die Männer haben alle Angst”, feixt Ulrike Röser. Gelächter in der Runde.

Hinter dem Dom steht am Mittag recht einsam der „Frauen Security Point”, eine Art Bauwagen. Wer sich belästigt oder bedroht fühlt, soll hier Hilfe finden. Die Freundinnen Sonja und Kathy nehmen von ihm allerdings kaum Notiz, sie haben sich etwas zum Unterstellen gesucht. Naja, man habe vorher schon kurz darüber gesprochen, ob man wieder nach Köln fahren wolle. Die beiden kommen aus Norddeutschland. Die Diskussion sei aber schnell beendet gewesen. Kathy ist als „Riddler” aus Batman verkleidet, zum Kostüm gehört ein Stock. „Damit kann ich mich notfalls verteidigen”, sagt sie, ebenfalls lachend.

Ein paar Straßenecken weiter, in der Altstadt, wird eine Gruppe junger Männer von Polizisten in schwerer Montur kontrolliert. In Reihe stehen sie an einer Hauswand und müssen ihre Papiere zeigen. „Wir kommen aus Albanien”, sagt einer danach. Die Kontrolle sei schon in Ordnung. Sei alles nicht so schlimm. Aus ein paar Metern Entfernung beobachtet Tom Schwitalla die Aktion. Er wohnt direkt am Dom, wie er sagt. Solche Kontrollen seien gerade an der Tagesordnung, er sehe sehr viel Polizei - auch heute. „Mich erinnert es momentan mehr an ein Fußballspiel als an Karneval.”

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