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Oecher Penn: „Wir sind nur ein Karnevalsverein”

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
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Vor dem eigentlichen Auftritt noch schnell ein Piefchen. Hubert Cosler genießt es, Heinz-Hubert Lillot (r.) stört es nicht.

Aachen. Der Schlachtruf passt wie die Feldmütze auf das Soldatenhaupt. „Wir sind nur ein Karnevalsverein”, hallt es dutzendfach und gut gelaunt aus den Kehlen der Buspassagiere. Auffallend richtig. Bloß: Irgendeiner? Und was heißt hier eigentlich „nur”? Die Oecher Penn ist mit ihren 153 Jahren der älteste Karnevalsverein von Aachen und somit ein Aushängeschild für die Kaiserstadt.

Das weiß man auch anderswo, weshalb die Stadtgarde am Wochenende zur Rundreise durch den rheinischen Karneval antritt.

„Aufsitzen!”, heißt es am Samstag pünktlich um 14 Uhr. Vom Goldenen Schwan aus, bekanntlich die Lieblingskneipe der Pennsoldaten, geht es zunächst auf die A44 Richtung Düsseldorf. Zwei Reisebusse voll mit Pennsoldaten, im Schlepptau ein drittes Vehikel mit dem Spielmannszug Heimatecho Steckenborn.

Die Mission: Gute Laune verbreiten. Die Voraussetzung: Gute Laune haben. So einfach ist das also? Dirk Römer weiß das besser. Der Penn-Vizekommandant ist bei der Stadtgarde Ansprechpartner für befreundete Vereine, die gern die Penn bei einer ihrer Veranstaltungen begrüßen würden.

Passt uns das von der Zeit her? Wann fahren wir wo los und wo kommen wir wann an? Solche Fragen muss Römer beantworten - und zwar für 50 bis 60 Termine pro Session und stellvertretend für eine 130-köpfige Meute. Am Nachmittag trifft diese in Düsseldorf ein. „Die verbotene Stadt”, scherzt Kommandant Jürgen Brammertz und lässt seine Männer aufmarschieren. Im Herzen der Karnevalshochburg feiert die einheimische Prinzengarde ihre traditionelles Biwak - und traditionell daran ist längst auch der Besuch der Penn.

Die hat nicht nur Tanzpaar Nadine Staerk und Frank Radermacher dabei, sondern wie immer auch das aktuelle Sessionsprogramm. Im Jahr von Prinz Dirk IV. ist dieses eine Hommage an Musik und Lebensgefühl der Siebziger: „Musik ist Trumpf” hallt es durch die verbotene, aber zugegebenermaßen hübsche Düsseldorfer Altstadt.

Fliegerlied

„Sich gegenseitig zu besuchen, das bringt Zusammenhalt”, stellt Jürgen Brammertz zurück im Reisebus fest. Der Kommandant überlegt einen Moment, dann geht er noch weiter: „Gemeinsame Fahrten sind schlichtweg der Vereinszweck.” Über das Bordmikrofon stimmt der aus der Nähe von Halle stammende Obersoldat Sebastian Booch derweil das Fliegerlied an - zwar nicht ganz textsicher, dafür aber mit breitem sächsischen Dialekt. Und anschließend hält der Obersoldat doch glatt ein Nickerchen - Beweisfotos vorhanden! Ameröllche wie dieses machen eine Tour mit der Penn aus.

Beim nächsten Gastspiel gibt es erst mal Buhrufe. Allerdings nur, weil Jürgen Brammertz verraten hat, gerade aus Düsseldorf zu kommen. Das schmeckt den Schlader Botze in Bergisch-Gladbach überhaupt nicht. Wohl aber die folgende Show: „Musik ist Trumpf” hallt es durch das bestens besuchte Schulzentrum - am frühen Abend ein doller Auftakt für die Sitzung der Botze.

Viele Stunden später ist die Stimmung nach einer Mahlzeit im Brander Bahnhof auf dem Höhepunkt. „Bäckerball, Bäckerball, Bäckerball”, skandieren die Soldaten beim Anflug aufs Eurogress. Vorher allerdings ist ein Auftritt bei den Frohen Jakobinern im benachbarten Quellenhof Pflicht.

Gespannt wird durch die halb geöffnete Pforte zum Saal gelinst. Ob die Freunde aus dem Jakobsviertel den Umzug aus den Kurparkterrassen gut überstanden haben? Haben sie - Präsident Heiner Laschet und Vorsitzender Manfred Aretz leiten durch eine ausverkaufte Jubiläumssitzung zum 50. Gründungstag. Und geben die Bühne frei für die Penn: „Musik ist Trumpf”, erklingt es wieder. Ein begeisterter Heiner Laschet lobt den Kommandanten: „Jürgen, ein schöneres Geburtstagsgeschenk hättet ihr uns nicht machen können. Deine ganze Mannschaft ist Trumpf.” Na selbstverständlich, sie ist ja schließlich ein Karnevalsverein. Und was für einer.

Die Penn lädt Jecke ein zum Straßenkarneval

Auftakt des Straßenkarnevals der Oecher Penn ist am Fettdonnerstag um 10.45 Uhr mit der traditionellen Marktsitzung. Im nunmehr dritten Jahr ist diese dank Zugangskontrollen durch das Ordnungsamt wieder kinder- und familientauglich. Um 13 Uhr geht es im Penn-Zelt auf dem Katschhof nahtlos weiter.

600 uniformierte Karnevalisten werden von der Penn beim Öcher Narrentreff im Zelt erwartet: Karnevalsfreitag um 18.30 Uhr.

1111 Liter Erbsensuppe werden Karnevalssamstag um 13 Uhr auf dem Katschhof ausgeschenkt.

Wenig Worte verlieren muss man zum Penn-Ball, der Karnevalssamstag um 20 Uhr im Eurogress beginnt. Die traditionsreiche Supersause ist nahezu ausverkauft.

Den penn-typischen Eignungstest müssen die Rekruten bei ihrer Vereidigung im Penn-Zelt bestehen. Diese beginnt am Karnevalssonntag um 15 Uhr im Penn-Zelt.

Die junge Penn wird am Karnevalssonntag um 18 Uhr im Zelt zum Zuge kommen, wenn die Oche-Alaaf-Parade ansteht.
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