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Nacktscanner: Strunx gibt sich keine Blöße

Von: Hanna Sturm
Letzte Aktualisierung:
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Sie kennen keine Tabus: Das begeisterte Publikum feierte die Akteure auf der Strunx-Bühne ausgelassen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es ist nicht weit von Afrika bis in die Kappertz-Hölle. Wenigstens rein sprachlich. Das bewies Meikel Freialdenhoven in seinem großartigen Auftritt bei der Premiere der Strunx-Sitzung am Freitag.

Ist ja auch logisch: Wenn Afrika die Wiege der Menschheit ist, muss dort ja auch das Öcher Platt seinen Ursprung haben. Und so hat der legendäre Ur-Öcher Pit vom Stamm der Himba nicht nur sein Volk über die Alpen ins wunderschöne „Land ohne Sand” am Rhein geführt, sondern ganz nebenbei noch rheinisches Kulturgut wie „Wenn et Trömmelche jeht” oder „Humba Täterä” erfunden. Jetzt weiß der gemeine Neuzeit-Aachener endlich, wie uralt diese Karnevals-Schlager wirklich sind.

Bissig-böser Humor

Auch die 19. Auflage der Strunx-Sitzung begeisterte das Publikum im wie immer restlos ausverkauften Saalbau Rothe Erde mit einer Mischung aus bissig-bösem Humor, Blödeleien, rockigen Tanzeinlagen und der ein oder anderen Breitseite in Richtung AKV. Für die richtige musikalische Untermalung ohne Schunkel-, aber dafür mit ordentlich „Abrock”-Potenzial sorgte wie immer die Hausband West K. Pelle.

Eindrucksvoll auch die kunterbunte und detailreiche Kostümierung des Elferrats als „wandelnde Müllhalde”, wie Manni Hammers erklärte. Gemeinsam mit Moderatoren-Kollege Rudi Zins sparte Hammers nicht mit bissigen Kommentaren zu aktuellen Themen.

So ging´s um etwa um die Aachener Verkehrssituation und die Nacktscanner-Debatte. „Im nächsten Jahr wollen wir eine ganze Nacktsitzung anbieten, dann kann niemand mehr Zigaretten reinschmuggeln und Nichtverkleidete werden auch nicht mehr schräg angeschaut.”

Der lautstarken Publikumsforderung, sich gleich den Kleidern zu entledigen, folgten Hammers und Zins zwar nicht, präsentierten aber die Unterhosen, die sie im Zweifelsfall tragen würden - natürlich im traditionellen Zebra-Look.

Wie in jedem Jahr präsentierte Manni Hammers die einzige Büttenrede - natürlich ohne Bütt - und wetterte höchst unterhaltsam über die Unsitten von Gutscheinen, Geschenkartikelläden und anderen Gemeinheiten der konsumsüchtigen Geschenk-Kultur.

Bei allen liebgewonnenen Traditionen fehlte es der Sitzung nicht an erfrischender Selbstironie. Das Nachwuchs-Duo Ulli Laven und Yves Le Marié schaute sich selbst beim Sketcheschreiben kritisch über die Schulter. Ihr Rezept für einen perfekten Auftritt bei Strunx: Tabus brechen, alternativ sein, auf den Aachener Karneval verweisen, mindestens einmal Eichhörnchen und möglichst oft den K-Faktor - die Kappertz-Hölle - erwähnen.

Bei allem Spaß schlugen die beiden aber auch kritische Töne an. Gibt es in unserer Gesellschaft wirklich noch Tabus, die gebrochen werden können? So lautete eine der nachdenklichen Fragen, die beim Strunx-Publikum haften blieben.

Mit dem „alternativen” Image kokettierte der Sketch „Die neue Linke”. Endlich noch einmal richtig demonstrieren, so der Plan der Alt-Alternativen beim Ehemaligentreffen im Che-Haus. Aber wogegen bloß? In bester „Volksfront von Judäa”-Manier wird endlos diskutiert, debattiert und schließlich abgestimmt - für einen gemeinsamen Saufabend.

Die Selbstironie passt, schließlich sitzen nach fast zwei Jahrzehnten nicht nur Vertreter der alternativen freien Kunstszene, aus der die Strunxsitzung entstanden ist, im Publikum, sondern auch „viele junge Leute und inzwischen sogar Traditionskarnevalisten”, wie Moderator Rudi Zins wusste.

Auf der Bühne sehe es dagegen mit dem Nachwuchs eher schlecht aus, „wir sind weitgehend die selbe Truppe geblieben.” Das ist natürlich schade, bringt aber wenigstens Stoff für einen selbstironischen Auftritt des nicht vorhandenen Nachwuchses im I-Dötzchen-Outfit und einer fetzigen Blockflötenversion der Strunx-Hymne.
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