Mit Prinz Alwin I. lebt Fasteleer echt auf

Von: Robert Esser
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Von wegen gruselig: Aus dem Monster pellte sich beim Prinzenspiel vor 1300 Jecken der neue Narrenherrscher Alwin Fiebus. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Eigentlich Horror. Doch was Gastronom Alwin Fiebus zur Prinzenproklamation auftischt, zergeht den mehr als 1300 Jecken im Eurogress auf der Zunge. Buchstäblich. Da wird mitgesungen, gelacht, gegrölt - so eine sagenhafte Stimmung hat das Eurogress selten erlebt.

Dabei ist das Rezept der Programmmacher Rolf Gerrards und Achim Floegel denkbar einfach: Man nehme rechts auf der Bühne viel Live-Musik (mit den grandiosen Musikern von „Night in Paris”), ignoriere die verschlafene AKV-Express-Kapelle (links auf der Bühne) und konzentriere sich auf ein mitreißendes Programm, bei dem der unbändige Spaß am Fasteleer im Zentrum steht. Und auflebt.

Das gilt zuvorderst fürs kurze und knackige Prinzenspiel: Bis zur Unkenntlichkeit mit Gruselmasken und Leichentüchern „liebevoll” verunstaltet, wagt der vermummte Hofstaat mit einem Dutzend TN-Boom-Tänzerinnen zu Michael Jacksons „Thriller” den Totentanz. Dann pellen die ganz und gar nicht untoten Damen den neuen Narrenherrscher aus gruftigen Lumpen.

Im Scheinwerferlicht strahlt Alwin I. Fiebus. Dem stadtbekannten Gastronomen ist das Glück ins Gesicht geschrieben. „Genau hierauf haben wir uns 550 Tage vorbereitet. Und jetzt ist es einfach herrlich! Das kann ich jedem nur empfehlen!”, ruft er dem Saal zu. Der bedankt sich mit donnerndem Alaaf. Gehüpft, getanzt und geschunkelt wird auf und neben Tischen und Stühlen. Nicht erst, als der umjubelte Prinz getreu seines Mottos „Jahrmarkt der Stars - Sengt met, wenn ühr Öcher söd” sein Lied „Öcher Bend im Dreiländereck” anstimmt. Schon vorher hatten Hofstaatler Interpreten wie DJ Ötzi und Jürgen Drews persifliert. Was in jedem Fall allerbesten Unterhaltungswert hat - gerade weil Timing und Töne nicht immer sitzen. Genau so macht Karneval Spaß.

Perfekte Stimmungsmusik liefern Aachens „Voice” Jupp Ebert und die 4 Amigos. Bis auf die Treppen zur Publikumsempore stapeln sich die Jecken im proppenvollen Saal und feiern Öcher Fastelovvend in Reinform.

Nur der Auftritt der Lennet-Girls verpufft im karnevalistischen Nirvana. Und der - musikalisch hervorragenden Bigband - De Bajaasch ist schlichtweg nicht zu helfen, wenn sie bei der Proklamation des Aachener Prinzen im Eurogress „Hey Kölle - do ming Stadt am Rhing” singt. Naja.

Umso brillanter auf Aachen eingeschossen hat sich TV-Komiker Jörg Knör. Der Stimmenimitator klärt das Publikum erstmal über Prinz und AKV auf: „Mit Alwins Kirmes-Verdiensten.” Und kalauert herrlich über den prinzlichen Nachnamen: „In Aachen durften früher nicht einmal Kühe und Schweine zu Fuß gehen - die nahmen den Viehbus.” Klingt plump, kommt aber bestens an.

Dann frühstückt Knör parodistisch Papst Benedikt, Silvio Berlusconi, Jopi Heesters, Angela Merkel, Mario Barth, Reiner Calmund, Udo Lindenberg und als Zugabe Otto ab. So viel Verwandlungsfähigkeit, so viel Witz - Knör zündet als Volltreffer.

Apropos: Auch die Kölner Luftflotte mit atemberaubender Artistik der rund 40 Mariechen und Tanzmajore sowie der amtierende Deutsche Meister im Showtanz, die Horbacher Freunde, räumen kräftig ab. Mit kreativen Tanzeinfällen, spektakulärer Show und sympathischer Bühnenpräsenz. Die schafft auch AKV-Präsident Dr. Werner Pfeil bei seiner Premiere. Er tritt nur zur Begrüßung, die übrigens von spontanem Applaus unterbrochen wird, und zur Überreichung der Insignien in Erscheinung.

Prinzenkette, Mütze und Feder kleiden Prinz Alwin bestens - die Krönung sind die Frittenstäbchen, die oben aus seinem Zepter blinzeln. Köstlich. „Der ist ein Jeck durch und durch. Er wird diese Begeisterung in die Säle tragen, ganz sicher”, sagt Aachens OB Marcel Philipp später. Und Wilm Lürken, Präsident des Ausschusses Aachener Karneval, macht dem AKV ungewohnte Komplimente: „Wir möchten uns jetzt schon für die produktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanken.”

Dass die lange Session - erst am 9. März ist Aschermittwoch - ein riesiger Erfolg wird, dürfte jedem Live-Gast beim Debüt von Prinz Alwin klargeworden sein. Heute Abend, 21 Uhr, kann sich jeder im Kabelfernsehen bei Center TV ein eigenes Bild machen. Denn sogar beim traditionellen Rausschmeißer - dem Bühnendurchmarsch von mehr als 50 Vereinen zum Finale - bleiben 2011 viel mehr Zuschauer im Saal als in den Vorjahren. Früher war das für viele der eigentliche Horror. So schmeckt´s.

Aachens neuer Narrenherrscher Alwin Fiebus hat einen schlagkräftigen Hofstaat um sich versammelt - mit Hofmarschall Gustl Brammertz, Adjutant Georg Cosler, Leibgardist Harald Boug, Bauer Ralph Cleef, Mundschenk Herbert Kauhsen, Hofbaumeister Guido Paffendorf, Oecher Schängchen Robert Schröder, Rittmeister Michael Meinolf, Hofkutscher Wilfried Mandelartz, Till Eulenspiegel Matthias Erforth, Zahlmeister Thomas Ebert und Schmied Rainer Basner.

Die Herren sorgten schon im Vorfeld des Prinzenspiels als Solo-Sänger mit Unterstützung der hervorragenden Liveband Night in Paris für prächtige Stimmung. Gerade weil dabei nicht jeder Ton präzise saß und man zuweilen auch recht individuelles Rhythmusgefühl präsentierte, amüsierte sich das Publikum prächtig. Ein grandioser Einstand!

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