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Menschen mit geistiger Behinderung fiebern Rosenmontagszug entgegen

Von: Stefan Herrmann
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Begeisterten mit ihrem Auftritt in Fußballtrikots: Die „Sunny Dancers” vom Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Foto: Stefan Herrmann

Eischwiele. „Karneval ist bei uns der höchste Feiertag im Jahr”, steht Stephan Kriescher das Lachen sichtbar ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder, denn als Leiter der Rhythmus-Band des Wohnheims an der Odilienstraße ist die KoKoBe-Karnevalsfeier ein fest eingetragener Termin im Jahreskalender.

Und „seine” Band - die seit einiger Zeit „Rasselbande” heißt - hat direkt ins Herz der Fastelovendsfreunde getroffen: „Echte Fründe” und „Da simmer dabei”, bei solchen Liedern muss man einfach klatschen und schunkeln.

KokoBe? Hat Eschweiler eine neue Karnevalsgesellschaft? Nein, das nicht. „KoKoBe steht für Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung”, erklärt Heike Uphues.

Die Diplom-Sozialarbeiterin organisiert seit Jahren nicht nur die Karnevalsfeier der KoKoBe Eschweiler/Stolberg mit, sie bietet auch die offene Beratung und einen offenen Treff im Pastor-Zohren-Haus an (siehe Info unten), wo am Dienstag auch der karnevalistische Nachmittag gefeiert wurde.

Zwar gibt es die Fastelovendsparty bereits seit einigen Jahren, trotzdem wurde dieses Mal eine Premiere gefeiert: Erstmals stattete auch Prinz Karneval den circa 80 Kostümierten im Pfarrsaal einen Besuch ab. Und Seine Tollität genoss sichtlich das Bad in der Menge, tanzte, sang und schunkelte mit den Besuchern. „Es ist einfach wunderschön bei euch”, lobte der Regent die super Stimmung. Und kaum waren Zeremonienmeister Hans-Willi die Lebensweisheit „So jung kommen wir nicht mehr zusammen” über die Lippen gerutscht, setzten einige Damen den Rat gleich in die Tat um und baten die beiden schmucken Herren um einen Tanz.

Dieser Auftritt war definitiv eine Rakete wert. Danach erholten sich alle erst einmal wieder bei Hotdogs, Cola und alkoholfreiem Bier. Nur DJ Reiner Kreuer kam weiter mächtig ins Schwitzen. Gerade erst mit dem Prinzenorden ausgezeichnet, sorgte er mit der richtigen Musik schon wieder für Remmidemmi in der Bude.

Die KoKoBe hat 2010 das Karnevalsfieber richtig gepackt. „Begonnen hat das alles eigentlich schon im Frühjahr 2008”, erinnert sich Heike Uphues.

Damals ging eine Gruppe von Menschen mit geistiger Behinderung beim großen Umzug zur 150-Jahr-Feier der Stadt mit. „Da kam uns die Idee: Warum nicht auch im Rosenmontagszug mitgehen?” Kontakte zur Prinzengilde Bergrath wurden geknüpft und vor knapp zwei Wochen lief die Premiere beim Umzug durch den Ort bereits reibungslos über die Bühne.

„Wir sind da voll integriert. Das ist wirklich toll!”, freuen sich Uphues und „Die lustigen Rabauken” (so der Name der Fußgruppe) bereits auf den Höhepunkt an Rosenmontag.

Dass hier eine richtige Freundschaft heranwächst, zeigten die Bergrather auch bei der KoKo-Be-Karnevalsfeier. Der Vorsitzende Michael Schröder und Präsident Günter Spitz feierten mit und hatten sogar die Regimentskapelle unter der Leitung von Franz-Peter Frings und die Showtanzgruppe „Op Zack” mitgebracht. Zuvor legten bereits die „Sunny Dancers” vom Wohnheim für Menschen mit Behinderung einen tollen Auftritt hin.

„Die Mischung machts”, war Heike Uphues am Ende des Tages richtig zufrieden. Hier feierten alle zusammen: Menschen mit und ohne Behinderung von 16 bis 70 Jahren, Kostümierte und (wenige) Nicht-Kostümierte. Über Integration wird bei der KoKobe schließlich nicht nur gesprochen, sie wird vor allem gelebt. Geistig behinderte Menschen haben Spaß an Karneval.

Eine ganz normale Sache halt. Und sie wollen im Rosenmontagszug mitgehen, so wie die Rabauken bei der Prinzengilde. Fortsetzung 2011? „Klar, warum nicht? Wir halten das für eine super Sache”, sagte Bergraths Vorsitzender Michael Schröder.

Die Tür der KoKoBe steht für alle offen

Die offene Beratung der KoKoBe findet freitags von 15 bis 18 Uhr im Eschweiler Gesundheitsamt, Streinstraße 87, Raum E statt. Zum offenen Treff sind alle eingeladen: Menschen mit und ohne Behinderung. Außer in den Schulferien steht die Tür im Pastor-Zohren-Haus, Burgfeld 9, jeweils dienstags von 16 bis 19 Uhr offen. Kontakt: Heike Uphues, Telefon: 871850 oder Mobil: 0178/4788410, E-Mail: h.uphues@kokobe-regionaachen.de.
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