Deiters

Männer spielen jetzt nur noch eine Nebenrolle

Von: hewi/kkli/koe/bast
Letzte Aktualisierung:
erk-weiberfo
Bürgermeister Peter Jansen wurde in Erkelenz abgeführt und konnte sich im gefesselten Zustand der Bützchen der Möhnen kaum erwehren. Foto: Koenigs

<b>Erkelenz / Wassenberg / Hückelhoven / Wegberg.</b> Jetzt ist die Narretei nicht mehr aufzuhalten. Am Altweiberdonnerstag fielen die ersten Bastionen der Sachlichkeit. Die Möhnen übernahmen das Kommando, Rathäuser wurden gestürmt, Bürgermeister entmachtet, Männer spielen nur noch eine Nebenrolle.

„Wir sind keine Schönwetterkarnevalisten”, rief Prinz Bernd I. den versammelten Jecken auf dem Markt in Erkelenz entgegen, die trotz Kälte und Schnee gekommen waren, um den Möhnen beim Erstürmen des Alten Rathauses zu helfen. Dann ließen er und seine Prinzessin auf das Kommando „Erkelenz, heb ab!” hunderte blauer und weißer Luftballons in die Lüfte steigen.

Anschließend erfüllten die Möhnen ihre in der Regierungserklärung festgelegte Pflicht und erstürmten mit einem Rammbock das Alte Rathaus, in dem sich Bürgermeister Peter Jansen und Teile der Verwaltung und des Rates verschanzt hatten. Die Möhne hatten den Auftrag, mit Teppichklopfern den Staub aus dem Rathaus und von den Beamten zu klopfen und l ordentlich auszumisten. Und so flogen wenig später die blauen Müllsäcke aus den Rathausfenstern, während die gefesselten Ratsleute und ihr Bürgermeister zur Bühne geführt wurden.

Dort wurde Jansen später gegen Kamelle aufgewogen. Genau weiß man es nicht, aber rund um die zwei Zentner kamen doch zusammen. Der Rat war in Handwerkskluft angetreten und musste aufgeteilt in Regierung und Opposition um die Wette nageln. Dabei ging es darum, dass die Verlierer nach dem Rosenmontagszug zum Kehraus antreten müssen.

Zuerst sah es aus, als würde die CDU gewinnen, doch am Ende hatte die Opposition die Nase vorne. Und das, obwohl die CDU versuchte, sich mit einem riesigen Vorschlaghammer einen strategischen Vorteil zu verschaffen.

Ein Versprechen machten die Tollitäten auch noch wahr. Getreu ihrem Regierungsmotto, nach dem sie „danze un singe”, mussten Bernd und Birgit auch noch ein Ständchen bieten. Getanzt hatten die beiden in der bisherigen Session sehr zur Freude der Jecken schon oft und gut. Mit dem Singen hingegen wollte es nicht so recht klappen. „Also, tanzen können die besser”, kommentierten viele der Versammelten.

Streusalz gegen Schlüssel

Schließlich hatte der Prinz ein Einsehen und gelobte: „Ich tu euch das auch nicht nochmal an.” Besser als er konnte es Markus Forg, der zum Ende der offiziellen Erstürmung noch ein paar Karnevalsschlager zum Besten gab.

„Narren an die Macht, der Bernd , der wird heut plattgemacht!”So erschallte es rund um das Alte Rathaus in Hückelhoven-Ratheim, als die amtierenden Prinzenpaare von Hoot und Wenk zusammen mit den Möhnen dem Hückelhovener Bürgermeister den Garaus machten. Dagmar Fister von der RKG All onger eene Hoot führte umsichtig Regie und machte dem Bürgermeister klar, dass es gestern nicht dessen Tag sei.

Es war schweinekalt, und die Unterstützung durch die Tollitäten und alten Weiber sei riesig. Zaghaft wollte der Bürgermeister noch einen Handel anbieten: Streusalz gegen Schlüssel. Aber die Narren hatten es nicht nötig, sich hierauf einzulassen. Mit einem kräftigen Stoß vom Rammbock war der Bürgermeister besiegt. Brav gratulierte der den Frischvermählten aus den Reihen der RKG, Luciana und Uwe Tenzer, die sich wenige Stunden vorher an gleicher Stelle das Ja-Wort gegeben hatten.

Rededuell in Reimform

Trotz eisiger Temperaturen waren viele Karnevalisten zur Erstürmung auf den Rosstorplatz in Wassenberg gekommen. Bürgermeister Manfred Winkens stellte sich offen der Redeschlacht mit der KG Kongo. Präsident Bernd Jaegers eröffnete das in Reimform gefasste Rededuell.

Winkens begrüßte er als ersten Bürger dieser Stadt als Chef, der ein großes Schlaflabor überwache. Das gefiel dem überhaupt nicht und der meinte, die maskierten Gesellen sollten erst mal schön ruhig sein, noch habe er hier das Kamellen. Marly Flesch von der KG Kongo ließ dieses Geschwätz nicht gelten.

Sie meinte, die gerade mal 20 trüben Tassen im Gefolge des Bürgermeisters sollten sich bei Dieter Bohlen bewerben und sich eine Abfuhr verpassen lassen. Vom Orsbecker Karnevalsprinzen kamen Beschwerden, weil der städtische Star Manfred auf den dortigen Karnevalssitzungen fehlte.

Als weiteren Angriffspunkt brachte Bernd Jaegers das alte Schwimmbad in den Dialog, gibt es da doch viele Ideen der Folgenutzung. Winkens schilderte seine Idee, denn er würde das Loch mit Schlamm und Wasser füllen, für Damenschlammcatchen zwischen München und Jena.

Höhnisch belächelt schilderte Mary Flesch natürlich auch die Blumenkübelaktion der Stadtsoldaten, um neuen Glanz für den Wettbewerb „Entente Florale 2009” zu zaubern. Hatte man da die Blumenkübel zusammengesucht und in der Stadt aus Imponiergehabe für die Kommission aufgestellt, um sie dann gleich wieder wegzuholen. Für den Verwaltungschef Winkens aber war klar, dass Wassenberg in drei Jahren mit einer Goldmedaille ausgezeichnet werde.

Das geplante Glockenspiel am alten Rathaus bekam von Bernd Jaegers mehr eine Absage als Zustimmung. Das Rededuell war hervorragend dichterisch getextet und von passenden Schlagern humoristisch begleitet. Die Rathausschlüssel wurden abschließend Winkens nach kurzem heftigen Kampf mit Prinz Thomas II. und seinen Mitstreitern entrissen.

So ist das mit den Alten Weiber, was gestern galt, stimmt heute nicht mehr: Im vergangenen Jahr wurde noch lautstark gerufen: „Hettwig ergib dich”, als das Rathaus in Wegberg gestürmt werden sollte. Gestern prangte ein neues Schild hoch über dem Rathauseingang. Auf dem steht: „Ein neuer Mann hat jetzt das Sagen, will mit uns den Neustart wagen. Ob er auch feiern kann, das wollen wir testen, denn nur solche sind auch die Besten”. Und Sonja Rotter, Präsidentin der KG Flöck op, skandierte mit Hilfe der zahlreichen Möhnen und versammelten Jecken auf dem Rathausplatz: „Pillich, ich will dich!”

Polonäse mit Möhnen

Es dauerte aber doch eine geraume Zeit, ehe sich der neue Chef im Rathaus mit seiner Mannschaft bequemte, die Tür den Narren zu öffnen und in den eiskalten Wintertag zu treten. Wohlgesetzte und gereimte Worte fand er und begrüßte das Dreigestirn mit Prinz Norbert II (Norbert Glander), Bauer Michael Overdieck und Jungfrau Michaela (Michael Stecker), die zusammen mit den Möhnen die Herrschaft über die Stadt an sich reißen wollten.

Bevor es zu möglichen Scharmützeln kommen konnte, übergab Reinhold Pillich lieber gleich den Stadtschlüssel, den der Prinz dann nicht mehr losließ. Es gab eine Polonäse der Möhnen und Rathausleute, die Kindergartenkinder schauten dem fröhlichen Treiben zu und die trotz der kalten Witterung in Mengen erschienenen Narren schunkelten sich warm.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert