Karnevalshits: Da singen wir mit! Aber warum?

Von: Anita Hirschbeck und Bernd Büttgens
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Kind zu Karneval
Oma und Opa können beim Verkleidung basteln helfen. Foto: dpa

Aachen/Köln. Und so liegen wir uns wieder in den Armen und bekennen es laut: die Liebe zur Kaiserstadt! Die Liebe zur Domstadt! Und wir hoffen, dass wir alle in den Himmel kommen. Und wissen, dass kein Tag jemals so schön war wie dieser. Darum, Freunde: Trinkt noch einen mit!

Sie lassen uns singen, grölen, lachen und weinen. Sie sind zum Feiern, zum Tanzen und zum Dahinschmelzen. Lieder wecken Emotionen – und mal ehrlich, was wäre unser Karneval ohne seine Musik?!

Aber was macht ein Karnevalslied zu einem Karnevalshit, den alle mitsingen? „Wer einen Hit landen möchte, braucht erstens gute Musik und zweitens einen zu Herzen gehenden Text“, sagt beispielsweise Uwe Brandt, der mit den „4 Amigos“ in Aachen und Umgebung die Säle rockt und die Jecken auf die Stühle holt. Wenn die vier Aachener irgendwo ihr „Alaaf, der Öcher Schäng“ anstimmen, droht der Ausnahmezustand.

Appell an das Wir-Gefühl

Die Amigos nutzen bekannte, längst erprobte Ohrwürmer und würzen sie mit Öcher Texten. Der Rest ist eine mitreißende Live-Show. „Die Liebe zur Vaterstadt, der Stolz und das Wir-Gefühl sind wichtig. Der gemeinsame Nenner muss stimmen“, sagt Brandt.

Zur fünften Jahreszeit spielen die Jecken in ganz Deutschland ihre Lieblingslieder rauf und runter. Das gilt auch für die Karnevalshochburg Köln, wo Jahr für Jahr neue Hits uraufgeführt werden.

Thomas Brück, seit 20 Jahren Manager der Erfolgsgruppe Höhner („Viva Colonia“, „Die Karawane zieht weiter“), kennt, wenn er ehrlich sein will, kein Geheimrezept. „Wir wissen nie, was ein Hit wird.“ Letztlich entscheide das Publikum. Wichtig sei jedoch, dass der Song die Menschen berühre.

Der Text muss also zur Stimmung passen. Die Themen liegen auf der Hand: Natürlich geht es schon seit altersher – wie auch sonst im Leben – um die Liebe, ums Feiern, um das Miteinander und um die Bestätigung, gerade am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein. Die Liedzeile „Da simmer dabei“ aus dem Vorzeige-Höhner-Hit „Viva Colonia“ zeigt, wie gut so ein verbindendes Moment ankommt. Da grölt man sogar beim Straßenkarneval 40 Kilometer rheinabwärts in Düsseldorf textsicher mit. Und auch in Aachen soll diese Zeilen saalweise schon gesungen worden sein...

Viele Vokale. Das klingt voll.

„Viva Colonia“ zählt heute bundesweit zu den bekanntesten Liedzeilen aus einem deutschsprachigen Song. Der Refrain sei deshalb so erfolgreich, weil er aus vielen Vokalen bestehe, meint Brück. „Vokale lassen sich besonders gut singen,“ sagt er. Das klingt voll. Auch wenn man voll ist. Außerdem kommt der Text „Viva Colonia“ genau auf dem Höhepunkt der Melodie. „Wenn die Menschen das hören, sind sie automatisch animiert mitzusingen.“

Übrigens trifft das Vorurteil, dass ein Karnevals-hit einen möglichst platten Text haben muss, nicht unbedingt zu. Die Bläck Fööss beziehen in ihren Liedern sogar politisch Position, etwa in „In unserem Veedel“ („In unserem Viertel“). Der Song ist trotzdem – oder gerade deswegen – sehr beliebt. Es geht um den Erhalt der alten Stadtviertel, also wieder um Identität, Zusammenhalt und das Wir-Gefühl.

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