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Karneval spült Geld in die Kassen

Von: Maryam Schumacher, dpa
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Karneval, Fasching, Fastnacht 2010...
Am Donnerstag (11.02.2010) wird mit Weiberfastnacht die "fünfte Jahreszeit" eingeläutet. Foto: dpa

Köln. Man kostümiert sich, bei Würstchen und Bier wird es gesellig, während es auf den Straßen Kamellen prasselt. Der Karneval ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor - hunderte Millionen von Euro werden in einer Session in Nordrhein-Westfalen umgesetzt, und etliche Arbeitsplätze hängen am Karneval.

Die Art des Feierns und die Identifikation mit dem Karneval sind aber von Stadt zu Stadt unterschiedlich.

Köln erwirtschaftete im vorigen Jahr 460 Millionen Euro - das geht aus einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group hervor. Damit ist die Karnevalshochburg landesweiter Spitzenreiter. In der Domstadt werden mit Karneval 5000 Arbeitsplätze gesichert. Eine Million Kneipenbesucher bringen der Gastronomie in der Narrenzeit 48 Millionen Euro ein. 165 Millionen Euro werden der Studie zufolge locker für Speisen ausgegeben, und die Narren fuhren insgesamt 540 000 Mal Taxi. „Der Karneval in Köln ist unverzichtbar”, sagt die Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln, Elisabeth Slapio.

Der Düsseldorfer Karneval hat in den letzten Jahren rund 240 Millionen Euro eingespielt. Daran hingen rund 3500 Arbeitsplätze, sagt der Geschäftsführer des Comitee Düsseldorf Carneval, Jürgen Rieck. In Bonn bringt der Karneval nach Angaben der dortigen IHK schätzungsweise 150 bis 250 Millionen Euro ein. Rund 2500 Arbeitsplätze sind daran geknüpft.

Die Identifikation mit dem Karneval ist überall anders. „Die Düsseldorfer identifizieren sich überhaupt nicht mit dem Karneval”, sagt Rieck. „Der Kölner tanzt irgendwann auf den Tischen, der Düsseldorfer setzt sich auf einen Stuhl.” Ein Düsseldorfer wolle für sein Geld vor allem etwas geboten bekommen und zuschauen, statt mitzumachen. Auch Bonn hat seine eigene Feierkultur. „Der Bonner hat nicht so ein Sendungsbewusstsein wie der Kölner”, sagt der Sprecher der IHK Bonn, Michael Pieck. „Der Bonner ist ein bisschen bodenständiger. Da ist weniger Schein, mehr Sein.”

Wegzudenken ist der Karneval auch im Ruhrgebiet nicht. Seine Anziehungskraft zeigt sich an den Besucherzahlen beim Rosenmontagszug. Immerhin kommen 250.000 bis 350.000 Narren zu den Zügen nach Duisburg, Oberhausen oder Essen. Karneval sei heute eine teure Angelegenheit, sagt der Präsident des Landesverbandes Rechter Niederrhein im Bund des Deutschen Karnevals, Dieter Seedorfer.

Dennoch boomt der Karneval auch in der Wirtschaftskrise. Für die Experten ist dies aber kein Widerspruch. „Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise entsteht eine Art Reaktion nach dem Motto Jetzt erst recht!”, sagt die Kölner IHK-Chefin Slapio. „In diesem Jahr wird nicht beim Karneval gespart”, bestätigt der Bonner Kollege Pieck. Viele der dortigen Unternehmen seien im Dienstleistungssektor tätig und von der Krise nicht so betroffen. „Der Rheinländer lässt sich das Feiern nicht vermiesen.”

Von einem „Universalkarneval” spricht der Zugkommandant des Bürgerausschusses Münsterscher Karneval, Helge Nieswandt. Der Karneval von der Straße habe sich in Westfalen in Säle verlagert, wo Feste organisiert werden. Dort werden auch Geschäftskontakte gepflegt, Bankiers treffen auf den OB und Unternehmer. Musterbeispiel für Networking im Karneval ist aber Köln. An Karneval sei die Hemmschwelle geringer, um neue Kontakte zu knüpfen, sagt Slapio. Der Begriff „Klüngelei” passe hier sehr gut. „Bestimmte Themen werden noch immer am Rande des Karnevals verhandelt.” Und letztlich sei eine Einladung zum Sitzungskarneval auch nichts anderes, als wenn „die Top zehn Kunden ins Opernhaus eingeladen werden”.

In anderer Hinsicht jedoch hat die Wirtschaftskrise Spuren hinterlassen. Der Rückzug von Sponsoren aus Veranstaltungen wird überall registriert. Es gebe eine stärkere Regionalisierung, sagt Pieck. Statt Sponsoring in großen Kategorien - etwa bundesweit - zu betreiben, „wollen die Unternehmen am Standort ihre gesellschaftliche Verantwortung deutlich machen”. Nach Ansicht der Kölner IHK-Chefin Slapio ist dies ein Beweis dafür, dass der Karneval auch ein Sozialfaktor ist. Allein 1,5 Millionen Euro werden durch Benefizaktivitäten eingespielt.
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