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Karneval als Völkerverständigung

Von: Andreas Bongartz
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Die Roboter der „Strolche” waren eine von fünf fantasievoll kostümierten Gruppen der Kita City Kids, die beim Dürener Kinderkarnevalszug teilgenommen haben und morgen vom Festkomitee und vom Verein Kinderkarnevalszug Düren mit dem Preis für die besten Kostüme ausgezeichnet werden. Die Teilnahme am Zug hatte aber auch einen integrativen Hintergrund, sagen die Erzieherinnen Liesel Melcher-Pohl (rechts) und Bahar Yagmur (Gruppenleiterin Sandra Meyer fehlt auf unserem Bild). Foto: Andreas Bongartz

Düren. Das war eine völlig neue Erfahrung für die 113 Kinder der Dürener Kindertagesstätte City Kids: Vor zwei Wochen haben sie mit ihren Erzieherinnen am Dürener Kinderkarnevalszug teilgenommen, mit tollen Kostümen und ganz viel Kamelle, wie sich das eben gehört.

Nur, dass sie die Süßigkeiten mit vollen Händen an die Kinder am Straßenrand austeilen sollten, wollte den Knirpsen zunächst nicht ganz einleuchten. Auf die Frage was sie denn am liebsten mit den ganzen Süßigkeiten gemacht hätten, kann es natürlich nur eine Antwort geben: „Selber essen”, ruft der fünfjährige Merdi lauthals.

Kamelle werfen war für die Kinder genauso neu wie das Verkleiden an sich, geschweige denn die Teilnahme an einem Karnevalszug. „Wir haben hier bei unseren Kindern einen Ausländeranteil von über 80 Prozent, sich zu Karneval zu verkleiden, kennen viele gar nicht”, sagt Alice Schlößer, die Leiterin der Kita City Kids.

An Weiberfastnacht werde zwar in ihrer Einrichtung immer gefeiert, nicht alle Eltern würden dann aber ihre Kinder vorbei bringen und häufig würden die Mädchen und Jungen ohne Kostüme kommen.

Mit dem Karnevalszug sollte das dieses Jahr anders werden. Alle fünf Gruppen der Kita nahmen am bunten Umzug teil. Die Kostüme für die Maikäfer, Indianer, Schneewittchen, Bauarbeiter und Roboter hat man selbst entworfen, zusammen mit den Eltern. Herausgekommen sind fantasievolle Verkleidungen, beispielsweise die Gruppe der „Strolche”: Ein bisschen Karton und glitzernde Alufolie und schon ist die Verwandlung perfekt. „Wir sehen aus wie Aliens”, meint die sechsjährige Jessica - die bunten Roboter könnte man sich tatsächlich auch gut im Weltall vorstellen.

„Traumhafte Kostüme, einfach toll”, findet Wino Ulhas vom Festkomitee Dürener Karneval. Ulhas war beim Kinderkarnevalszug als Jurymitglied für die Prämierung der besten Kostüme zuständig und hat sich für die der City Kids entschieden. „Weil alle Kostüme mit viel Mühe selbst gebastelt wurden und man sofort erkennen konnte, um was es sich handelt”, erklärt er seine Entscheidung.

Am Sonntag erhalten die City Kids den ersten Preis aus den Händen von Bürgermeister Paul Larue.

Alice Schlößer und ihren Mitarbeiterinnen ging es allerdings nicht nur um das Basteln schöner Kostüme: „Wir sind seit zwei Jahren Teil des Familienzentrums und sehr an der Integration der Familien interessiert.” Über die Vorbereitungen für den Karnevalszug habe man hier gute Ergebnisse erzielen können. „Alle Eltern haben sich beteiligt und es gab eine gemeinsame Feier mit allen, auf der man miteinander ins Gespräch gekommen ist”, so die Kita-Leiterin. Und das sei ja Ziel des Familienzentrums: Angebote zu schaffen, über die man miteinander ins Gespräch kommt.

Was gar nicht so einfach ist, wenn man bedenkt, wie viele unterschiedliche Sprachen in der Kita gesprochen werden: „Französisch, Italienisch, Polnisch, Russisch, Arabisch, Türkisch...„, zählt Liesel Melcher-Pohl nur einige auf. „Deutsch ist da die Sprache, um sich untereinander zu verständigen.”

Oder eben über das Brauchtum. Denn viele Eltern waren mit Begeisterung bei den Karnevalsvorbereitungen dabei und ließen es sich nicht nehmen, selber am Kinderkarnevalszug teilzunehmen. Liesel Melcher-Pohl:„Diese ganzen verschiedenen Nationen im Zug - wenn das keine Integration ist” Karneval als Mittel der Völkerverständigung.

Aber wie hat es den Kindern gefallen? „Toll”, meint Gina (6). Am besten hat ihr das Kamellewerfen gefallen.

Denn so schwer sich die Kinder anfangs von ihren Naschereien getrennt haben, so waren sie mit Feuereifer dabei, als sie merkten, wie sehr sich die Kinder am Straßenrand freuten.
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