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Kälte kann die Jecken nicht bremsen

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Bei eisigen Temperaturen bahnte sich der Aachener Rosenmontagszug mit rund 400 Teilnehmern seinen Weg durch die Innenstadt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Trotz Schnees und Eiseskälte haben sich wieder Millionen Narren von den Rosenmontagszügen begeistern lassen. Mit lautem „Oche Alaaf” und guter Laune bahnen sich rund 4000 Jecke unter dem Zepter von Dirk IV. den Weg durch die Innenstadt.

Drei Stunden lang hatten die Jecken in Eschweiler ihren Spaß beim drittgrößten Karnevalszug in Deutschland. 455 Zugnummern hatten die 22 Gesellschaften aufgeboten, um das Volk an den Straßenrändern zu unterhalten.

In Kreuzau zogen 1000 kostümierte und uniformierte Narren gleich dreimal durch den Ortskern und fluteten ihn bildlich gesprochen mit Farbe.

In Aachen tanzten vor rund 170.000 Zuschauern Hippies zu Musik aus den 70er Jahren mit den Marktfrauen. Igelchen erwachten frühzeitig aus dem Winterschlaf. Wohl dem, der warm eingepackt war und als Bettdecke ging. 40 Fahrzeuge rollten durch die Innenstadt und brachten Lokalkolorit in den Zug.

So etwa mit der Ode an das Kultstadion des Bundesliga-Zweitligisten Alemannia Aachen „Tivoli my love, neues Stadion erste Liebe” hieß es auf einem gelb-schwarzen Wagen. 20 Kapellen heizen den Zuschauern mit heißen Rhythmen an: Rund 60 Prozent sind Show-Bands aus den benachbarten Belgien und den Niederlanden.

Auf den Prunk- und Persiflage-Wagen in Köln und Düsseldorf bekam die schwarzgelbe Regierungskoalition ihr Fett weg. So übernahm Bundeskanzlerin Angela Merkel in Köln am „Einschuldungstag” die Unterweisung der Erstklässler im Schuldenmachen.

Die Düsseldorfer Jecken präsentierten fast schon traditionell eine nackte Kanzlerin: Unter dem Motto „Der Sündenfall” reckte sich eine rosige Angela Merkel im Eva-Kostüm einer Steuerflucht-CD entgegen, die ihr von einer Schlange angeboten wurde.

Auch den Streit um die Mohammed-Karikaturen griffen die Düsseldorfer auf: Ein abgeschlagener Narrenkopf erwies sich als zäh und biss einem heiligen Krieger ins Gesäß.

Da der Düsseldorfer Zug mit 69 Wagen unter dem Motto „Jeck we can” stand, durfte auch Barack Obama nicht fehlen. Die Jecken präsentierten ihn als abgestürzten Erlöser, der seinen Heiligenschein verloren hat.

Nur Spott hatten die Karnevalisten in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt für die SPD übrig: Der neue Parteivorsitzende Sigmar Gabriel ritt auf dem Gerippe eines Parteipferdes und kam nicht von der Stelle.

Berlusconi badet in Brüsten

In Köln badete Silvio Berlusconi unter der Überschrift „Berlusconis G20-Gipfel” in einem Meer aus weiblichen Brüsten. Weitaus provokanter die Düsseldorfer: Sie zeigten den italienischen Ministerpräsidenten beim Sex mit einem Mafioso.

Die Kölner hatten noch bis zuletzt an ihrem aktuellsten Motivwagen gefeilt, der die neuesten Enthüllungen zum Pfusch beim U-Bahnbau thematisierte: Ein dicker Elefant sitzt auf den Trümmern des eingestürzten Stadtarchivs die Probleme aus, während Stadt, Verkehrsbetriebe und Gutachter - symbolisiert durch drei Affen - nichts hören, sehen und sagen. In der Baugrube klaut ein Dieb derweil die stabilisierenden Eisenbügel.

Als erstes startete um 10.30 Uhr der Kölner Rosenmontagszug: Mit über 11.000 Teilnehmern und 100 Fest- und Persiflage-Wagen war er wieder der größte Karnevalszug Deutschlands. Dieses Jahr war sein Weg mit sieben Kilometern sogar noch etwas länger, weil er einen Umweg um das eingestürzte Stadtarchiv machte. Das Motto des Zuges lautete „In Kölle jebützt” (In Köln geküsst).

Heute Karneval in Mönchengladbach

Während in den rheinischen Hochburgen des Karnevals die Jecken schon ihren Rausch ausschlafen, erreichen die „tollen Tage” in Mönchengladbach am Veilchendienstag ihren Höhepunkt. Unter dem Motto „Klamotte maake Lüüt” („Kleider machen Leute”) setzt sich am Mittag (13.11 Uhr) der 5,5 Kilometer lange „Lindwurm” in Bewegung. Etwa 70 Prunk- und 40 Bagagewagen, mehr als 50 Fußgruppen, 30 Musikkapellen und viele Tanz- und Funkengarden gegen an den Start. 350 000 Besucher werden erwartet.

„Kleine Münze - große Wirkung” - erstmals sammeln Clowns entlang der Wegstrecke Geld, um die Zugkosten von etwa 400.000 Euro abzufangen.
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