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Jürgen Graas steht auf der Kehrseite des Karnevals

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
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Seine Arbeit beginnt, wenn die anderen abziehen: Stadtreiniger Jürgen Graas und seine Kollegen sind in diesen närrischen und schneereichen Tagen im Dauereinsatz. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Als Jürgen Graas zum Dienst antritt, ist für die meisten Jecke schon Schicht im Schacht. Zumindest auf dem Markt. Dort feiern nur noch die Standfestesten, nun ja zumindest die, die am längsten geblieben sind. Wirklich sicher auf den Beinen wirkt fast keiner mehr. Jürgen Graas ist aber nicht wegen der Menschen da, sondern wegen ihrers Hinterlassenschaften. Er kommt nicht zum Feiern, sondern zum Aufräumen. Graas ist Stadtreiniger, er kümmert sich um die Kehrseite des Karnevals.

Dabei kann er diesmal seinen Besen gar nicht brauchen. Wegen des Wetters. „Wenn so viel Schnee liegt, benutzen wir Laubharken”, sagt Graas. Dann macht er sich an die Arbeit. Wenig später liegen überall auf dem Markt kleine Schnee-und-Müll-Haufen und die werden schnell von Flaschensammlern nach Pfand durchforstet. Sie nehmen den Stadtreinigern ein bisschen Arbeit ab.

Davon gibt es wahrlich genug. An einem normalen Fettdonnerstag gilt es in Aachen bis zu elf Tonnen Karnevalsmüll einzusammeln. „Heute ist es vielleicht die Hälfte”, sagt Dieter Bohn. Die Kälte habe wohl viele Narren vom Feiern abgehalten, vermutet der Logistik- und Technikleiter Stadtreinigung und Winterdienst beim Aachener Stadtbetrieb. Und weniger Jecke bedeuten auch weniger Müll. „Aber für uns ist es trotzdem mehr Aufwand”, sagt Bohn „weil wir ja den Müll aus dem Schnee rausholen müssen.”

Nicht nur auf dem Markt, sondern auch in den umliegenden Straßen. Und in Burtscheid. 45 Straßenreiniger werden an Fettdonnerstag zusätzlich eingesetzt, 110 sind es an den Karnevalstagen insgesamt. „Am Rosenmontag sind wir mit allem unterwegs, was laufen kann”, sagt Bohn, der das Ganze koordiniert. Während der fünften Jahreszeit gelte für ihn und seine Mitarbeiter eine Urlaubssperre.

Ab 6.30 Uhr sind sie an den Karnevalstagen unterwegs, verteilen Mülltonnen an den Orten, wo Stunden später gefeiert wird. „Und der Winterdienst ist ja schon ab 4 Uhr auf der Straße”, sagt Bohn, derzeit ächze der Stadtbetrieb unter einer Doppelbelastung.

Jürgen Graas lässt sich das nicht anmerken. Es ist sein 16. Karnevalseinsatz und früher, als es auf dem Markt noch keine Eingangskontrollen gegeben hat, sei es viel schlimmer gewesen. „Da haben Sie hier auf dem Boden kein Steinchen mehr gesehen”, sagt er.

Ansonsten hat er dort aber schon so allerhand entdeckt. „Unterhosen, Handys, Portemonnaies, Ausweise”, zählt Graas auf. Wichtiges wird ins Fundbüro gebracht. Das Bett, dass er und seine Kollegen vor einigen Jahren auf dem Markt entdeckten, haben sie entsorgt. „Da lag auch noch einer drin. Total betrunken. Den haben wir geweckt”, sagt Jürgen Graas.

Dann kehrt er wieder, während aus den Boxen unverdrossen die Karnevalsmusik weiter wummert. Wenn alles glatt läuft, kann Graas am Abend gegen 20.30 Uhr Feierabend machen. Wenn es aber zu glatt läuft, dann wird es später. Dann muss Jürgen Graas nach dem Müll nämlich auch noch Schnee von den Straßen räumen.
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