In der „lachenden Rodahalle“ geht die Post ab

Von: Georg Dünnwald
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Ob die Bläck Fööss , die Paveier, die Höhner oder Brings: Das jecke Publikum kriegte sich nicht mehr ein beim Programm der „Lachenden Rodahalle“ in Kerkrade. Foto: Ralf Roeger

Kerkrade. Um mal so richtig kölschen Fasteleer zu erleben, braucht der Jeck aus der Region gar nicht nach Köln zu reisen. Es reicht, wenn er sich rechtzeitig um eine Eintrittskarte für die Lachende Rodahalle bemüht und sich ins niederländische Grenzgebiet begibt.

Denn dort treten die Sternchen, Stars und Superstars des Kölner Fastelovends auf. Da wird den Jecken ein Aufgebot präsentiert, das einen schwindlig werden lässt, von den Kläävbotze über „et fussich Julche“ Marita Köllner, Bernd Stelter, die Rheinländer und den Bläck Fööss, den Boore, der Band Klüngelköpp, dem Bauchredner Willi mit seinem vorlauten Affen Karl, die Paveier, die Räuber, Brings und die Höhner. Nicht vergessen werden dürfen die Tanzgruppen Sr. Tollität Luftflotte und die Kölner Rheinveilchen, deren Darbietungen atemberaubende Akrobatik mit durch die Luft fliegenden schönen Mädchen bieten. Und auch die Sitzungskapelle Ted Borgh und der Elferrat der KG Altstädter von 1922 mit dem Präsidenten Wolfgang Nagel verbreiten echt kölsche Stimmung.

An dem Abend in Kerkarde stimmt einfach alles, das Programm geht Schlag auf Schlag, der Service ist absolut in Ordnung, die Getränkepreise sind – leider – höher als in Deutschland (Aachener Eurogress 0,2-Liter-Getränk 1,90 Euro, Rodalhal 0,18-Liter-Getränk 2,10 Euro). Dennoch, die Kellner schleppen jede Menge Getränke, die Jecken aus der Region feiern und dazu gehört auch das eine oder andere Bierchen.

Was Hubert Geulen mit dem lachenden Geulen-Theater vor Jahren in die Region holte, in seinen Eilendorfer Geulen-Betrieben groß machte, ist jetzt, nach einer Stippvisite im Aachener Eurogress, in der Rodahalle zu erleben. Dem Impresario Hubert Geulen und seiner Ehefrau Inge, die in der ersten Reihe sitzen, winken die Bühnenakteure freudig zu.

In der Rodahalle geht die Post ab, auf den sorgfältig von den Tischreihen abgetrennten Stehplätzen ist das närrische Publikum schnell in Fahrt, an den Tischreihen selbst dauert‘s nur wenig länger. Die Karnevalsbands werden freudig und laut begrüßt, schunkelselig und stimmgewaltig singen die Jecken mit. Der pratschjecke Karnevalist aus der Region ist eben textsicher. Und die Lieder, die Krätzchen, die sind so gut wie alle bekannt, zigtausend Mal hat man sie gehört, und trotzdem bekommen die Jecken nicht genug davon. Warum auch? Die raderdolle Session ist nur kurz und die Lieder sind Ohrwürmer.

Unverwüstlicher treuer Husar

Die Programmmacher wissen, was bei den Jecken gefragt ist, Mit „es war einmal ein treuer Husar“ beginnt die Chose, das Orchester Ted Borgh legt sich ins Zeug, das Eschweiler Trompeterkorps Eefelkank und der Elferrat in grünen Fräcken marschieren ein. Eefelklank stehen exakt 27 Minuten zur Verfügung, die müssen reichen fürs Warm-up, das auch richtig klappt. Die ersten Gäste jubeln bereits, die nachfolgenden Musikgruppen haben leichtes Spiel. Auch deshalb, weil sich das Publikum auf den Kölschen Fasteleer einlässt und sich wahrscheinlich schon Tage zuvor auf den tollen jecken Abend gefreut hat.

Musik ist Trumpf in der lachenden Rodahalle, und wenn sie dann auch noch live von beispielsweise den Bläck Föös, Brings oder de Höhner geboten wird, dann wissen die Jecken, dass jeder Cent, der in die durchaus nicht preiswerte Eintrittskarte investiert worden ist, sich wirklich gelohnt hat.

Eintracht im Dreiländereck

Denn die Künstler spulen nicht nur mal eben so ihr Programm ab – nein – sie haben Spaß dabei, sie treten gerne in Kerkrade auf und sind auch nicht geizig mit den Zugaben, die das Publikum mit fortschreitender Zeit immer öfter fordert. Während der halbstündigen Pause stehen viele Niederländer, Belgier und Deutsche aus dem Dreiländereck, dass sich am Sonntagabend bis in die tiefe Eifel ausdehnt, einträchtig und nikotinsüchtig vor der Rodahalle um „noch ens eine zu piefen“. Und beim Zigarettchen kommen sie natürlich ins Gespräch, die einen sprechen davon, nur wegen Brings gekommen zu sein, die anderen schwärmen von Bläck Fööss („die sehe ich zum ersten Mal live“), hoch gelobt werden auch die Höhner.

„Ich sehe am liebsten die Rheinveilchen“, sagt ein Jeck aus Heerlen. Dabei lächelt er, er weiß, welche Schönheiten die Kölner Tanzgruppen mitbringen und so manch ein Narr bedauert denn auch, dass den Tanzgruppen nur je ein Tanz zusteht. Aber 16 Nummern in etwas fünfeinhalb Stunden unterzubringen, das bedeutet sich an einen engen Zeitplan zu halten und logistisch alles im Griff zu haben. Schließlich kommen die Tanzgruppen in Bussen, die Musikbands führen ihre aufwendige Technik mit.

Von all dem bekommt das Publikum wenig bis gar nichts mit und will es mit Sicherheit auch gar nicht. Es freut sich auf das nächste Jahr und die nächste „Lachende Rodalhalle“.

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