Eschweiler - Herz Jesu läutet Glocke der „Bösen Buben”

Herz Jesu läutet Glocke der „Bösen Buben”

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Eschweiler. Zu den ältesten bestehenden karnevalistischen Gruppierungen in der Indestadt gehören die „Bösen Buben”, eine Abteilung der inzwischen über 150 Jahre alten Kolpingsfamilie Eschweiler. Sie können in dieser Session auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken.

Als man sich nämlich am Sonntag, dem 6. Februar 1910, wie gewohnt im großen Saal des Gesellenhauses mit über 1200 Sitzplätzen an Tischen an der Kolpingstraße traf, um wieder einmal im Zeichen des Karnevals ein Familienfest zu veranstalten, geschah dies in diesem Rahmen erstmals unter der Leitung eines närrischen Rates und unter dem Namen Böse Buben.

Ursprung des Namens unbekannt

Bereits vor 1910 war die Theatergruppe des Gesellenvereins aktiv. Es ist nicht mehr nachvollziehbar, wie und weshalb es gerade zu der Namensgebung kam, aber seit jenem 6. Februar 1910 existiert der Name „Böse Buben” in den Archiven.

Am 26. Januar 1911 präsentierten sich die „Bösen Buben” schon mit dem ersten kompletten Elferrat unter der Leitung des Präsidenten Matthias Schmitz. Am 15. und 22. Februar 1914 fanden die letzten Sitzungen vor dem Ersten Weltkrieg statt, danach setzte eine Zwangspause ein. Erst am 15. Februar 1920 lud der Verein zu einer „Humoristischen Familienfeier mit Elferrat” ein. Der bekannte Heimatdichter Peter Bündgens leitete die Sitzung im großen Saal des Gesellenhauses. Dieser Neuanfang fand bereits im Jahr danach einen deutlichen Dämpfer. Die Besatzungsmächte beschlagnahmten vorübergehend den Saal.

Trotzdem gelang es der munteren Schar auch in den Folgejahren unter der Leitung des agilen Peter Bündgens, ihre Sitzungen durchzuführen. Mangelnden Platz kompensierte man durch zwei Sitzungen, um so dem interessierten Publikum gerecht zu werden. 1930 übergab Peter Bündgens das Zepter des Präsidenten an seinen Nachfolger Jakob Szymczak. In den Jahren 1931 bis 1933 wurden jeweils wieder zwei Sitzungen durchgeführt, wobei eine von Philipp Keuter und die zweite von Heinrich Ripp präsidiert wurden.

Das Jahr 1933 brachte für den Gesellenverein und damit auch für die „Bösen Buben” einige Veränderungen. Der offene Kampf mit den Machthabern des Dritten Reiches hatte begonnen. Als Folge der Wirtschaftskrise wurde der Wirtschaftsbetrieb des Kolpinghauses mit dem großen Saal eingestellt und das Haus am 16. Dezember 1933 zwangsversteigert. Zwar fanden in den beiden Folgejahren die Sitzungen dort noch statt, für die großen Fastnachtsbälle 1934 und 1935 musste man aber in das Hotel Ratskeller ausweichen.

Ab 1936 wurde das Haus von Reth am Markt das neue Stammquartier der Kolpingsfamilie und der Bösen Buben. Am 12. Februar 1938 fand die letzte Sitzung statt.

Jetzt setzte die offene Verfolgung der kirchlichen Organisationen ein. Am 14. Mai 1938 entschloss sich der Verein, jegliche Berichterstattung einzustellen und auch kein Protokollbuch mehr zu führen, um es dem möglichen Zugriff der Gestapo zu entziehen. Auch das Vereinsvermögen wurde verschenkt.

Da der neue Pfarrbezirk Herz Jesu zu diesem Zeitpunkt eine neue Kirche errichtete, spendete man den Betrag von 1000 Mark für eine Glocke mit der Auflage, sie Adolph Kolping zu weihen. Das übrige Vereinsvermögen ging an die Pfarrbücherei und in die seelsorgerische Arbeit der Pfarre St. Peter und Paul. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs setzte dann endgültig den vorläufigen Schlusspunkt.

Erst 1947 traf man sich wieder zur ersten karnevalistischen Veranstaltung nach dem Krieg im erhaltenen Teil des sonst kriegszerstörten Gesellenhaus. Unter der Leitung von Willi Schnock sollte es dann aber 1948 erst wieder richtig los gehen. Der Saal Radermacher an der Uferstraße - das heutige „Uferlos” - diente als Veranstaltungssaal.

Damit kehrte die Kolpingsfamilie an einen ihr wohl bekannten Ort zurück, war doch dieses Haus nach knapp zweijähriger Bauzeit am 10. Juli 1874 als erstes Gesellenhaus bezogen worden. Es wurde später jedoch verkauft, nachdem man den großen Saal an der Kolpingstraße gebaut hatte.

Der neu gewählte Präsident Willi Schnock trat mit viel Enthusiasmus und einer stark verjüngten Mannschaft an. Mit handwerklichem Geschick und unter Einsatz bescheidenster Mittel hatte man eine Bühne geschaffen, wo sich nicht nur der Elferrat, sondern wo sich auch zum ersten Mal in der Geschichte der Bösen Buben mit Änne Stärk die Figur des „Kott Lies´gen” präsentierte. Sie gehörte seitdem zum festen Bestandteil der Auftretenden.

Der große Erfolg der Sitzung machte Mut und so wagte man schon ein Jahr später den Sprung in den größeren Saal im Bürgerhof Flatten an der Röthgener Straße. Unter dem Motto „Mit Blitz und Raketen” musste aber Willi Volberg vertretungsweise diese gelungene Sitzung im vollbesetzten Saal leiten. Christel Schlösser fungierte als „Kott-Lies´gen”.
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