Friedensaktivisten „gegen den Krieg, nicht gegen Karneval”

Von: Werner Breuer
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Breites Bündnis: Zahlreiche Friedensaktivisten stehen hinter der geplanten „Menschenkette gegen den Krieg”, die bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst an Karl-Theodor zu Guttenberg auf das Leid in Afghanistan aufmerksam machen will. Foto: Harald Krömer

Aachen. Aus gegebenem Anlass will Otmar Steinbicker mal etwas klarstellen: „Der rheinische Karneval ist eine der Traditionslinien der deutschen Friedensbewegung”, sagt der Herausgeber des Internet-Friedensmagazins „aixpaix”. Die Jecken hätten immerschon die Obrigkeit und vor allem das Militär durch den Kakao gezogen.

Dass nun der Aachener Karnevalsverein (AKV) dem Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg einen närrischen Orden umhängen will, treibt Friedensaktivisten aus der Region auf die Straße. Bei der Ordensverleihung am 19. Februar wollen sie (wie berichtet) mit einer „Menschenkette gegen den Krieg” protestieren. Gegen den Krieg eben, „und nicht gegen den AKV, nicht gegen die Besucher der Sitzung und schon gar nicht gegen den Karneval”, betont Ansgar Klein von der Würselener Initiative für den Frieden. Er weiß da auch zu schätzen, dass AKV-Präsident Werner Pfeil die geplante Aktion der zahlreichen Friedensgruppen als demokratische Normalität bezeichnet hat, „das ist doch nett”.

„Politik setzt auf Krieg”

Aber mit der Wahl des Ordensritters sind Klein und seine vielen Mitstreiter nicht einverstanden. Mit dem „amtierenden obersten Befehlshaber der kriegführenden deutschen Bundeswehr” ehre der AKV einen Mann, der „an prominenter Stelle militärische Interventionspolitik vorantreibt”. Klein findet es „aberwitzig”, jemandem den Orden wider den tierischen Ernst zu verleihen, „der letztlich für Traumatisierung, Verwundung und Tod vieler Bundeswehrsoldaten und ungezählter Afghanen mitverantwortlich ist”.

Steinbicker sieht in Guttenberg einen prominenten Vertreter einer „Politik, die auf Krieg setzt”. Horst Schnitzler von der UWG-Bürgerwille hält ihn für den „bestbezahlten Schreibtischtäter des Landes”. Als Ordensritter sei er jedenfalls eine „Fehlbesetzung”, urteilt Jochen Luczak von den Aachener Grünen.

Dabei weiß auch Luczak, dass der fränkische Adlige als „1-A-Promi” gilt und der Ordenssitzung des AKV entsprechende Einschaltquoten im Fernsehen verspricht. Für Ellen Begolli von der Ratsfraktion der Linken in Aachen ergibt sich daraus eine „schizophrene” Konstellation: „Eine Mehrheit lehnt den Afghanistan-Einsatz ab, trotzdem ist Guttenberg einer der beliebtesten Politiker.” Das nutze der AKV nun, um mit der Popularität des Ministers Quote zu machen.

Führt der AKV etwa auch einen Krieg - gegen den Karneval?

Dem Verein könne man deshalb vorwerfen, dass er „Krieg gegen den rheinischen Karneval führt”. Vor allem aber werde durch das närrische Medienereignis „der Krieg salonfähig gemacht”, meint Begolli, „und deshalb stehen wir vor dem Eurogress”.

Drinnen im Saal sollte da eigentlich „das Leid der verletzten Soldaten gezeigt werden”, fordert Jürgen Hohlfeld vom Würselener Arbeitskreis „Kein Vergessen”. Vor diesem kriegerischen Hintergrund rät Horst Schnitzler dem Minister, sich nicht am kollektiven Schenkelklopfen zu beteiligen”. Vielleicht wird Karl-Theodor zu Guttenberg das auch nicht tun. „Es gibt ja Anzeichen dafür, dass er nicht kommt”, meint der Grüne Jochen Luczak.

Das dürfte dann Auswirkungen auf die Länge der geplanten Menschenkette zwischen Monheimsallee und Eurogress haben. Der populäre Minister sei „das Zugpferd für beide Seiten”, räumt Ansgar Klein ein.

Aachener Friedenspreis distanziert sich von „Bündnis in Gründung”

Der Aachener Friedenspreis e.V. gehört neben vielen anderen Gruppierungen zu den Unterstützern der „Menschenkette gegen den Krieg” anlässlich der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst an Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. An der Pressekonferenz von Vertretern der Friedensgruppen nahm der Friedenspreis jedoch nicht teil.

„Von einem Friedensbündnis in Gründung distanzieren wir uns ausdrücklich”, heißt es in einer Erklärung des Friedenspreis-Vorsitzenden Karl Heinz Otten. „Der Aachener Friedenspreis ist der Aachener Friedenspreis; wir werden bei gemeinsamer Interessenlage jederzeit eigenverantwortlich die Zusammenarbeit mit friedenspolitisch orientierten Gruppierungen suchen.”

Diese Distanzierung beruhe womöglich auf einem Missverständniss, meint Ansgar Klein von der Würselener Intitiative für den Frieden. „Wir wollen nichts gründen, sondern erstmal nur unsere E-Mail-Adressen vernetzen.” Und Hilde Scheidt von den Grünen, die auch dem Vorstand des Aachener Friedenspreises angehört, verteidigt die Arbeit in Bündnissen. „Man behält doch seine Identität”, sagt sie, und gewinne zudem dadurch, dass man „mit vielen Meinungen” an die Öffentlichkeit gehen könne.

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