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Frauen an die Macht: Straßenkarneval gestartet

Von: ddp/dpa
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Karneval, Fasching, Fastnacht 2010...
Eine Möhne wirft dem Fotografen zur Weiberfastnacht ein Bützchen zu. Foto: dpa

Aachen/Köln/Düsseldorf. Pünktlich um 11.11 Uhr hat am Donnerstag in den närrischen Hochburgen im Rheinland der Straßenkarneval begonnen. Mehrere zehntausend Frauen übernahmen am „Wieverfastelovend” (Weiberfastnacht) in Aachen, Düsseldorf und Köln das Regiment.

In Aachen hatte Prinz Dirk IV. schon am Vorabend das Rathaus erobert. Für diesen Streich feierten ihn die Weiber überschwänglich auf dem Markt. In Köln gaben das Dreigestirn und Oberbürgermeister Jürgen Roters um 11.11 Uhr den Startschuss für den Straßenkarneval. In Düsseldorf kapitulierte Oberbürgermeister Dirk Elbers vor den Weibern - und übergab ihnen Rathausschlüssel und Macht.

In Bonn bliesen die Waschweiber um 12.00 Uhr im rechtsrheinischen Beuel zum Sturm auf das Rathaus und übernahmen das Zepter für die närrischen Tage - angeführt von Wäscherprinzessin Lara I.

Schon morgens um sechs Uhr waren die ersten Kostümierten zum Kölner Alter Markt gekommen, wo erstmals der neu gewählte Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) um 11.11 Uhr den Höhepunkt der jecken Session einläutete. Neu war auch das befristete Glasverbot, das in der Altstadt und Teilen des Studentenviertels eingeführt wurde, um so Verletzungen durch Scherben vorzubeugen. Wer dennoch mit Alkohol in Flaschen am Rand der Sperrzone erschien, für den hatte das Ordnungsamt eigens Container aufgestellt.

Die Kioskbesitzer, die um ihr größtes Geschäft des Jahres bangten, hatten kurzerhand große Bestände an Dosenbier aufgekauft. Doch nicht jeder ließ sich durch den höchstrichterlich bestätigten Glasbann beeindrucken. „Prosecco aus der Plastikflasche schmeckt einfach nicht”, behauptete jedenfalls eine aufgebrezelte „Carmen”, die den italienischen Perlwein eigenen Angaben zufolge „im Dekolleté” in die Sperrzone geschmuggelt hatte.

Wenn sie mit der Flasche vom Ordnungsamt erwischt worden wäre, hätte sie 35 Euro Strafe zahlen müssen. Dieselbe Buße erwartete jeden, der Hauseingänge oder Mauern den reichlich aufgestellten Dixi-Klos vorzieht. Das Glasverbot und die Kälte führten dazu, dass etliche Kostümierte auf Softdrinks und Fruchtsäfte umstiegen, die dann mit Hochprozentigem angereichert wurden. So hatten die Rettungsdienste schon relativ früh mit stark alkoholisierten Jecken zu tun.

Wer den Alkoholkonsum im Griff hatte, konnte trotzdem ausgelassen feiern, wie die 23-jährige Mareike: „Eigentlich wollte ich mich ja als leicht geschürzte Lady Gaga ins jecke Treiben stürzen.” Angesichts der Temperaturen habe sie sich doch kurzfristig für ein deutlich wärmeres „Schweinchen Dick”-Kostüm entschieden. Die Flirtchancen erhöhe die Ganzkörperverkleidung allerdings nicht, räumte die Studentin ein: „Welcher hübsche junge Mann flirtet schon mit einer Sau?” Nur zwei Schritte weiter suchten zwei männliche „Hummeln” passende Blüten. Ein Stammtisch hatte sich als „Herrentorte” verkleidete und konnte so manche „Hexe” und „Piratenbraut” für sich interessieren.

Allerdings schien das Winterwetter auch manche Jecken aus dem Umland von der Anreise abgehalten zu haben: Während in manchen Jahren zu Weiberfastnacht der Alter Markt früh wegen Überfüllung gesperrt werden musste, blieb der Andrang in diesem Jahr überschaubar. Um Punkt 11.11 Uhr gab es auch in der Düsseldorfer Altstadt kein Halten mehr: Dutzende „Möhnen” schoben sich durch die Rathaustür hinauf auf den Balkon. Mit Scheren bewaffnet stürzten sich die jecken Weiber auf Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU). Schnipp, schnapp, schon war seine Krawatte ab.

Unter dem Balkon wogte ein Meer knallig bunter Perücken zu munterer Jeckenmusik hin und her. „Helau”, schallte es über den Platz, Hunderte Arme flogen in die Luft. Derweil strömten aus den Gassen ringsum immer mehr „Clowns” und „Piraten”, „Teufel” und „Hexen” vors Rathaus. Schon vor dem offiziellen Start des Straßenkarnevals schunkelten sich die Jecken warm. Viele trotzten der knackigen Kälte in Ganzkörperkostümen. Auch ein weißer „Eisbär” wurde gesichtet. Ein junger Mann lupfte seinen Schottenrock: „Zwei Paar Strumpfhosen!” Andere suchten Zuflucht in den Kneipen der Altstadt, die schon früh gerammelt voll waren. Draußen vor den beschlagenen Scheiben fegten unterdessen die ersten Wirte Scherben zusammen. Ein Glasverbot wie in Köln war in Düsseldorf nicht erlassen worden.
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