Heinsberg - Erstmals seit 1962/63 gibt es in Heinsberg keinen Stadtprinzen

Erstmals seit 1962/63 gibt es in Heinsberg keinen Stadtprinzen

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:

Heinsberg. Es ist zweifellos ein Novum in der Geschichte des Heinsberger Karnevals. Aber keines, das die Narren der Kreisstadt jubeln lässt.

Seit der Session 1962/63, in der erstmals ein Stadtprinz gekürt wurde, geschieht es nun zum ersten Mal, dass die Karnevalisten quasi führerlos den tollen Tagen entgegen schunkeln.

Einen Stadtprinzen wird es in diesem Jahr nicht geben. Die Wirtschaftskrise hält auch so manchen der zwölf Karnevalsvereine, die dem Komitee Heinsberger Karneval angeschlossen sind, im Würgegriff.

„Wir haben eine Regel, wonach jede Gesellschaft, die ein närrisches Jubiläum feiert, bei der Wahl des Stadtprinzenpaares bevorzugt wird”, erläutert Komitee-Präsident Heinz-Leo Heinrichs. Der Wooder Wend aus Waldenrath bilde da eine Ausnahme, weil die dortigen Karnevalisten nie - auch nicht im eigenen Ort - einen Prinzen stellten.

Für diese Session sei letztlich jedoch keine Gesellschaft bereit gewesen, die Bürde zu tragen. „Dabei geht es nicht darum, dass die Vereine im Ort keinen Stadtprinzen finden”, ergänzt Geschäftsführer Kurt Schmitz. „es ist lediglich den Vereinen zu teuer, was sie selbst aufbringen müssen.” Wenn eine KG den Stadtprinzen stelle, koste sie dies in der Regel zwischen 5000 und 20.000 Euro. Das ergebe sich zum Beispiel daraus, ob der Verein bei den Sitzungen eher auf Eigengewächse baue oder Leute einkaufe.

Schmitz: „Es wird immer schwieriger, eigene Leute zu finden, die das Dorfleben karikieren, aber man muss auch nicht immer den teuersten Büttenredner verpflichten, um Qualität zu bieten.” Ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor sei zudem das Wurfmaterial bei den Umzügen. Für nur einen Wagen seien da pro Umzug schnell mal 1500 Euro zu berappen.

Die Luft für die kleinen Vereine werde immer dünner, bestätigt Jürgen Krings, der Schatzmeister des Komitees. „Wir haben einige Gesellschaften, die sonst jedes Jahr einen Prinzen stellen, aber in diesem nicht.” Krings denkt dabei an Unterbruch und Karken. So kleine, engagierte Vereine wie die Püescheler Klompe, deren Elferrat gar nur aus neun Personen besteht, hätten sich dagegen immer etwas schwergetan. „Es sind Idealisten am Werk”, so Schmitz, „die mit großem Elan zur Sache gehen und stets ein gutes Programm auf die Beine stellen.”

Natürlich bekämen die Vereine zu spüren, dass viele Unternehmen die Taschen in den Spendierhosen etwas enger genäht hätten. „Es ist sogar zunehmend schwerer”, sagt Heinrichs, „Ehrensenatoren zu werben, die für eine Jahresleistung von 80 Euro unter anderem eine kostenlose Eintrittskarte für die Stadtprinzenproklamation erhalten, zur Rathausstürmung eingeladen werden und überdies noch den Komitee-Orden bekommen.”

Damit die 2500 organisierten Karnevalisten in Heinsberg in den nächsten Jahren nicht erneut auf einen Stadtprinzen verzichten müssen, hat sich der geschäftsführende Vorstand des Komitees Heinsberger Karneval schon mal ein paar Gedanken gemacht.

„Wir haben uns überlegt, dass auch ein Dreigestirn zugelassen werden könne. Auch haben wir uns die Frage gestellt, ob der Stadtprinz mit eigener Kapelle, Tanzgruppen und großem Elferratsaufgebot anreisen muss”, nennt Heinrichs Wege, um den Kostenapparat abzuspecken. „Wenn man eine 40-köpfige Musikkapelle mitführt, benötigt man hierfür natürlich einen Bus.” So läpperten sich die Ausgaben Stück für Stück zusammen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert