Deiters

Eischwiele feiert auch am Gefrierpunkt

Von: S. Meralda
Letzte Aktualisierung:
Eschweiler
Drei Stunden lang hatten die Jecken in Eschweiler ihren Spaß beim drittgrößten Karnevalszug in Deutschland.

Eschweiler. „Da kommt der Prinz!”, riefen die kleinen Leute gestern ganz aufgeregt, nachdem sie drei Stunden lang am Straßenrand ausgeharrt hatten. Natürlich gut unterhalten durch die vielen Jecken, die im drittgrößten Karnevalszug der Republik wieder für ein buntes Spektakel sorgten.

Und am Ende kam Prinz Marco I. hoch auf dem fürstlichen Wagen und schaufelte mit beiden Händen Kamelle unters Volk. „Alaaf! Alaaf! Alaaf...” Bis dahin hatte sich so mancher Kleine schon das Stimmchen heiser geschrien, um - zwecks Kamellenfang - auf sich aufmerksam zu machen. Aber es gab auch die ganz Cleveren. Man nehme einen Lautsprecher, postiere sich auf einen Parkscheinautomaten und brülle den Gardisten das „Eischwiele Alaaf!” entgegen. Daran kommt garantiert kaum einer vorbei, ohne zurückzuwerfen.

Bei null Grad hüpften und tanzten sich die Narren warm. Wohl dem, der einen Fensterplatz hatte. Glühwein und Erbsensuppe aus der Gulaschkanone wurden am Zugweg verkauft; Eschweiler liegt halt nicht am Zuckerhut, trotz der Samba-Rhythmen, die dann doch ein wenig brasilianische Gefühle aufkommen ließen. Wegen des winterliche Wetters blieben die Pferde - bis auf ein paar Wagen ziehende Kaltblüter - im Stall. Ein stolzer Funke muss dann halt mit einem Ritt auf einem Spielzeugpferd (oder Esel?) Vorlieb nehmen. Während sich die Reiter also selbst veräppelten, boten die jecken Fußgruppen jede Menge Phantasie und Farbenpracht auf.

Ob Vampire oder Knackis, stolze Pfauen, Fledermäuse, Putzteufel - auch in Ganzkörper-Vileda gehüllt: Eischwiele Narren lieben es verrückt. Da sucht etwa auch eine nicht ganz so attraktiv gestylte Bäuerin einen Mann (wir denken hierbei jetzt nicht an die RTL-Serie „Bauer sucht Frau”), um mit einem Clown anscheinend recht glücklich zu werden. Die Hehlrather ließen ihre Kuh „Billa” durch die Straßen rollen, und natürlich war „Kälbchen” Joschi Kugel, der ulkige Star in der Bütt, auch im Zug vertreten. Er fuhr stilecht in der Linie 11 durch die Straßen. Sogar ganze Duschkabinen turnten durch den Zug: Wer so behütet war, der wurde wenigstens nicht nass beim leichten Schneerieseln.

Freiheitsstatuen oder Bienen: Alle diese „Fußgänger” erfreuten das Publikum zwischen den Gesellschaftswagen - unter ihnen ein belgischer Leihwagen in den Reihen der Roten Funken. Die einen fanden das vorgefertigte Riesennarrenschiff „cool”, die anderen lieben es dann doch lieber bodenständig handgemacht. Kneipen im Blausteinsee konnten die Fastelovendsjecken auch, aber bitte nicht am kalten Rosenmontag.

„Eschweiler Glücksbringer”, ein ganzer Trupp von Schornsteinfegern, marschierte im Dunstkreis des Komiteewagens mit. Es ist nicht überliefert, ob sich Bürgermeister Rudi Bertram, der vom Komitee-Wagen aus Kamelle unters Volk brachte, diese Gruppe fürs weitere Geschick der Stadt gewünscht hatte. Währen die einen „Rudi! Rudi!” skandierten, um nur ja nicht vom freigiebigen Bürgermeister übersehen zu werden, kauten die Kleinsten Zaungäste in ihren Kinderwagen schon versonnen auf ihren Lutschern herum...
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