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Ein Schüler, Stürmer und Stimmungssänger

Von: Sandra Kinkel
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Muss eine Art Karnevals-Gen in sich haben: Der achtjährige Justin Jansen aus Linnich, der als Stimmungssänger die Kölner Karnvalssäle aufmischt. Er ist der Enkel von „Et Tussnellche”, bekannt aus TV-Ubertragungen von Kölner Karnevalssitzungen. Foto: Kinkel

Linnich. So richtig entschieden hat Justin sich noch nicht. Entweder wird er Profi-Fußballer oder Stimmungssänger. Oder am besten beides. Nachmittags Stürmer, abends Superstar. Aber Justin Jansen aus dem Linnicher Ortsteil Ederen hat ja auch noch ein bisschen Zeit; denn Justin ist erst acht, besucht das dritte Schuljahr der Grundschule und hält sich im Augenblick noch beide Optionen offen.

Nachmittags kickt er in der F-Jugend von Borussia Freialdenhoven, und abends und am Wochenende mischt Justin den Kölner Karneval auf. Als Stimmungssänger. Und das ist eigentlich kein Wunder. Der kleine Junge muss nämlich eine Art Karnevals-Gen in sich haben.

Seine Großmutter heißt Annemie Brendt. Besser bekannt ist sie als „Et Tussnellche”, über Jahre hinweg eine feste Größe im Kölner Karneval. „Wir haben meine Mutter sehr oft zu ihren Auftritten begleitet”, sagt Justins Mutter Verena, 30. „Und Justin war im Maxicosi immer mit dabei. Er hat von Anfang an mitbekommen, was bei Karnevalssitzungen los ist. Und irgendwann hat er dann gesagt Ich will auch mal singen.” Justin hat eine Karaokeanlage mitsamt Mikrophon bekommen, aber bald waren ihm die Auftritte im Kinderzimmer dann auch nicht mehr genug. „Ich wollte auf die große Bühne”, sagt er, „immer schon.”

Vor vier Jahren ist Justin zum ersten Mal aufgetreten, seit drei Jahren fährt er mit seinem Vater regelmäßig zu den Kindervorstellnachmittagen des Kölner Karnevals. Und seitdem wird er eben für Karnevalssitzungen gebucht. In Kerpen und Frechen ist er schon aufgetreten, aber auch in Köln, Rodenkirchen und Hürth. „Da sind schon sechs-, achthundert Leute im Saal”, sagt Vater Reinhold. Die wenigsten Sitzungen, bei denen Justin auftritt, sind Kindersitzungen. Meist singt Justin sechs Karnevals- und Stimmungsschlager und je nach Wunsch noch die ein oder andere Zugabe. „Ich kann über 300 Lieder auswendig”, sagt Justin. „Meine Eltern hören auch deutsche Musik, so bin ich dazu gekommen. Und ich kenne auch alle Stars. Nick, Willi Herren, De Boore oder die Drei Colonias - die habe ich alle schon getroffen.” Und mit einigen hat er sogar schon gesungen.

Wenn Justin auf die Bühne geht, dann hat er eigentlich keine Angst. Lampenfieber? „Ist weg, wenn ich anfange zu singen. Und ich üb´ ja auch viel. Eine halbe Stunde am Tag, da kann eigentlich nicht viel schiefgehen.” Und Reinhold Jansen ergänzt: „Justin hört ein Lied drei Mal, dann kann er es singen. Und er kann sich bewegen, hat eine gute Gestik. Das hilft ihm natürlich.”

Justin absolviert um die 40 Auftritte in der Session, in diesem Jahr sind es weniger, weil er zur Kommunion geht und samstagsabends in die Kirche muss. „Ich werde aber schon vermisst”, sagt Justin. „Und nächstes Jahr mache ich auch wieder mehr. Ich liebe die Bühne und wenn die Leute klatschen und mitmachen, wenn ich singe.” Justin kann selbst entscheiden, welche Auftritte er machen möchte und welche nicht, sein Vater bespricht alles ganz genau mit ihm. Er schließt auch noch keine Verträge ab, sondern bekommt für die Singerei lediglich „ein bisschen was für die Sparkasse”.

Justin Jansen machen seine Auftritte im Karneval Spaß, er liebt die Lieder, die er singt, und seine Eltern bemühen sich, dass ihr Junge Kind bleiben darf. „Das ist wichtig”, sagt Bodo Müller, 43, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am St.-Marien-Hospital in Düren-Birkesdorf. Das Leben außerhalb des Karnevals müsse gewahrt bleiben. Was der Mediziner meint: regelmäßige Schulbesuche, regelmäßige Mahlzeiten, genügend Getränke, ausreichend Schlaf. „Und natürlich genug Kontakt zu Gleichaltrigen. Das ist ganz wichtig.”

Auch die Lärmbelastung in den großen Hallen und die Belastung etwa durch Zigarettenqualm dürften nicht vergessen werden. „Auch wenn das vielleicht lächerlich klingt, kommt da bei 40 Auftritten schon einiges zusammen.” Eltern sollten zudem immer gegensteuern, damit bei einem Kind, das in großen Sälen umjubelt wird, keine Überheblichkeit aufkomme. „Mit so einem Hobby kann man auch leicht anecken. Ein Kind muss immer auch vernünftig mit seinen Freunden spielen.”

Das alles ist bei Justin gegeben, auch wenn er schon einen gewissen Bekanntheitsgrad hat - inklusive eigener Autogrammkarten. Seine Freunde sind ihm heilig, und wenn er gerade nicht singt, ist Justin fast jeden Nachmittag zum Fußballspielen auf der Straße. „Mein größter Traum ist”, sagt Justin, „einmal in der ausverkauften Düren-Arena zu singen. Am besten ein Lied, das nur für mich komponiert wurde.”
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