Düsseldorf - Ein inniges Paar: Der Narr und der Tod

Ein inniges Paar: Der Narr und der Tod

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Ausstellung "Narren-Masken-Karneval"
Vom 05. November 2010 bis zum 23. Januar 2010 geht die Ausstellung „Narren - Masken - Karneval” im Theatermuseum in Düsseldorf dem Verhältnis von Narren, Masken, Karneval und Tod nach. Foto: dpa

Düsseldorf. Endlich Karneval: Noch ein paar Tage, dann beginnt in den Hochburgen wieder das närrische Treiben. Dabei war der Narr keineswegs immer der fröhliche Spaßmacher, sondern im mittelalterlichen Denken ein sündenbeladener Gottesleugner und Partner des Todes, der den Menschen an seine Vergänglichkeit erinnert.

Eine Ausstellung im Düsseldorfer Theatermuseum befasst sich mit der symbolträchtigen Beziehung zwischen dem Narren und dem Tod. Passend zum Beginn der Fünften Jahreszeit spannt die Schau „Narren - Masken - Karneval” (5.11.2010-23.1.2011) einen Bogen vom mittelalterlichen Ursprung des Narrentums bis zum heutigen Karneval. Rund 100 Zeichnungen und Grafiken von Albrecht Dürer über Otto Dix bis Alfred Kubin zeigen die Paarung von Narr und Tod in einem großen Reichtum an Assoziationen.

Hervorgegangen ist die Ausstellung aus einem Forschungsprojekt und den wertvollen Werken aus der Grafiksammlung „Mensch und Tod” am Institut für Geschichte der Medizin an der Düsseldorfer Universität. Grafiken von Dürer, Hans Holbein, aber auch der von Otto Dix 1924 dargestellte Kriegsirrsinn illustrieren die Nähe von Narrentum und Tod. Selten taucht in den Darstellungen übrigens die Frau als Närrin auf.

Der Tod trägt gern auch eine Maske - Grafiken des 19. Jahrhunderts zeigen ihn verkleidet als schöne Jungfrau, die dem Mann die Syphilis bringt. Maskenbälle als Orte der Unmoral illustrieren die Verbindung von Narr und Tod. Auf den Blättern des englischen Karikaturisten Thomas Rowlandson erscheint der Knochenmann auf dem Maskenball und demaskiert die heuchlerischen Gäste. Der Narr hält dem Menschen den Spiegel vor, im Angesicht des Todes erkennt der Mensch die Wahrheit.

Zum Narren gehört die Maskerade - Schellengewand, Eselsohren und die „Marotte”, der Stab mit seinem Ebenbild. Schon im 17. Jahrhundert setzten Künstler auf diesen Stab Totenköpfe. Später wird die Marotte zum Spiegel, in dem sich der Narr selbstverliebt betrachtet - und die Fratze des Todes erblickt. Dieses Symbol verwendete auch der Künstler Bert Gerresheim noch 2008 für sein Hoppeditz-Denkmal in Düsseldorf.

Verankert sind der Narr und der Tod auch auf der Bühne - etwa in Shakespeares Hamlet, der den Schädel eines ehemaligen Hofnarren hält. Vor allem im Kasperltheater tritt neben dem gutmütigen „Hanswurst” oft auch der Tod auf.

Bis in die Gegenwart reicht die Auseinandersetzung zwischen Tod und Narr. Beim Künstler Andreas Paul Weber (1893-1980) hält der Tod den Kasper innig in seinen Armen (1967). Und in einem „Tatort” von 1973 wird ein Narr im Rosenmontagszug getötet - die Leiche schunkelt im Gedränge weiter.
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