Die Kölner machen Hanswurst zum Prinzen Karneval

Von: Stephan Johnen
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Dr. Michael Euler-Schmidt dozi
Dr. Michael Euler-Schmidt dozierte als „Lehrer Welsch” in der „Närrischen Akademie” . Foto: Johnen

Düren. Das Experiment ist geglückt. Wenn auch die Versuchsanordnung abenteuerlich anmutete: Ein in Hessen geborener Kunsthistoriker und Brauchtumsexperte, der in Berlin studierte und lange Jahre in Düsseldorf arbeitete, hielt als „Lehrer Welsch” an der Närrischen Akademie eine Vorlesung.

Es hat funktioniert: Dr. Michael Euler-Schmidt, Leiter der Abteilung Brauchtum des Kölnischen Stadtmuseums und praktizierender Karnevalist, erwies sich am Sonntag als wahrer Kenner der Historie. Auf Einladung der KG „Närrische Norddürener” - und vorgestellt von „Pedell” Dr. Herbert Schmidt -, reiste der „Lehrer Welsch” im 15. und 16. Semester der Akdemie mit seinen Studenten zurück ins Jahr 1823, um einen Blick auf den ersten Rosenmontagszug in Köln zu werfen.

„Der Kölner Karneval ist einzigartig - und manchmal gar nicht artig”, dozierte Euler-Schmidt, der betonte: Karneval am Rhein sei stets ein Revitalisierungszentrum für die Menschen vor der Fastenzeit gewesen. Während Adel und Geldadel höfische Feste nach venezianischem Vorbild feierten, „gröhlte der betrunkene Pöbel auf der Straße”. Alaaf.

Die Zeiten änderten sich, als zunächst die Franzosen und später die Preußen das Zepter in Köln schwangen. Karneval war verboten, doch die Kölner wollten das nicht wahrhaben. Also wurde an die Machthaber appelliert - und wohl auch geklüngelt. 1823 schließlich bildete sich das „Festordnende Comité” in Köln, bei dem auch die Preußen ein Wörtchen mitzureden hatten. Das „Comité” stellte dann auch den ersten Rosenmontagszug auf, der 1823 durch Köln zog - und mit dessen Steuerabgaben die Armenverwaltung finanziert wurde. Schnell entwickelte sich Karneval zum Wirtschaftszeig - und das Kölner Beispiel machte Schule, die Nachbarn wie Düsseldorf und Aachen ließen sich vom Treiben inspirieren, um nicht leer auszugehen. Der Rest ist Geschichte.

Die Einblicke, die Michael Euler-Schmidt in die Historie des kölschen Karnevals lieferte, waren faszinierend. Während sich die Kölner beispielsweise während der ersten Rosenmontagstzüge im Ruhm längst vergangener Zeiten badeten und zumindest im Karneval die alte Stärke der Stadt wieder aufleben lassen wollten, politisierte sich der Zug schnell. Karneval wurde zum Fest, bei dem sich der „kleine Mann” gegen die Obrigkeit auflehnte. Der sogenannte Hanswurst war folglich eine Identifikationsfigur für das Volk und herrschte über die Narren, bis die Kölner Ende des 19. Jahrhunderts Hanswurst offiziell zum Prinzen Karneval machten - und sich langsam mit Prinz, Bauer und Jungfrau das Bild des Dreigestirns herausmodellierte.

Tradition, Wandel, theatralische Inszenierung und Musik: Möglichst viel Stoff wollte der „Lehrer Welsch” in zwei Semester packen. Beizeiten war es vielleicht zu ambitioniert und detailliert. So freuten sich die Studenten auch über praktische Übungen im Mitsungen und Schunkeln: Die Kölner Traditionsgruppe „Hellige Knäächte und Mägde” und die Musikgruppe „Hubra” aus Oberzier waren willkommene Gäste im Haus der Stadt, die den Unterricht auflockerten.
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