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Der „Zoch” wieder bunt und schön

Von: Jan Mönch
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Aus China oder aus dem Schwarzwald? Janz ejal, es sah klasse aus und alle hatten ihren Spaß. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Im Grunde genommen ist es ja widersinnig, den Rosenmontagszug in eine Liste zu pressen. Denn bekanntlich ist der närrische Lindwurm ein kilometerlanger Superorganismus, aus irre bunten und irre lauten Narren - dazu wollen penible Planung und akkurat zusammengestelltes Zahlenwerk mal gar nicht passen.

Dennoch hat Zugleiter Günter Hintzen eine solche Aufstellung angefertigt und herausgegeben. Angesichts von rund 150 Karnevalsgesellschaften und Spielmannszügen, Garden und Privatbeiträgen fährt man als Organisator mit vernünftiger Kalkulation halt doch besser als mit der Gleichung Pi mal Daumen.

Und so lang die Jecken gemäß Hintzens Plan in Position gehen, steht ihnen ja auch nahezu jede Jeckerei frei. So ordentlich abgetippt an 13. Stelle der Würselener Tanzverein White Shadow steht, so wild geht es auf seinem Wagen zu.

Und während die KV Immer Plaaan schwarz auf weiß als Nummer 21 eingetragen ist, lässt sich das Pendant in der Praxis kurz und bündig besser beschreiben als bunt auf kunterbunt. Voll und ganz wiedererkennen kann man nur die Truppe mit der Startnummer 1: Denn die Uniform jedes einzelnen Stadtgardisten der Oecher Penn sitzt - nun ja - eben wie Ône Eins.

Die Penn-Soldaten samt der mächtigen Blötsch sind dann auch die ersten, die die wegen der Glätte für Zuschauer gesperrte Großkölnstraße zum Markt hinaufziehen. Dort begrüßen AAK-Präsident Wilm Lürken und Oberbürgermeister Marcel Philipp von der Rathauskanzel aus den närrischen Superorganismus.

Für jede Gruppe hat das Kommentatorengespann spontan nette Worte parat. „Ihr seht so gut aus, ihr verjagt noch nicht mal die Vögel”, lobt Lürken die Vogelscheuchen, die der Prinzengarde Brander Stiere vorausziehen.

Und dann wird standesgemäß der tolle Drachenwagen bestaunt, mit dem „Wickie und die starken Ieledörper” um Gertrud Engelhardt über das Kopfsteinpflaster rollen, denn es wurde kein Aufwand gescheut, dem Monstrum einen rauchenden Schlund zu verpassen.

Und falls der feurige Spezialeffekt ins Auge gehen sollte, fahren nur wenige Meter voraus Werner Dahmen und seine Burtscheider KG Oecher Spritzemänner samt einem erstens uralten und zweitens todschicken Feuerwehrfahrzeug.

Kurz bevor Prinz Karneval Dirk IV. (Trampen) dem „Zoch” sein standesgemäßes Ende setzt, wird auch der Wagen des Senats der Prinzengarde begrüßt. Von diesem herab verteilt Georg Dünnwald, Karnevalsexperte der „Aachener Nachrichten”, fleißig Kamelle über die Narren.

Oberjeck Wilm Lürken schallt derweil in Endlosschleife ein Medley der beliebtesten Karnevalshits entgegen. Ein „rotes Pferd”, obgleich so „stark, stark, stark wie ein Tiger”, wird per „goldenem Lasso” eingefangen - und stellt sich daraufhin die alles entscheidende Frage: „Hey, was geht ab?”

Die Antwort: Leider nicht überall so viel wie am Markt. Während weitere gut besuchte Teile der Strecke der Elisenbrunnen, die Normaluhr oder die Jakobstraße waren, säumten die Narren stellenweise in fast schon erschreckend lichten Reihen die Straßenränder - nach Polizeiangaben waren dennoch 170.000 Zuschauer vor Ort.

Ob genau gezählt oder nur grob geschätzt: Denen, die beim „Zoch” dabei waren, war´s egal. Denn einmal mehr war Aachens närrischer Lindwurm irre bunt, irre laut und wunderschön.
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