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Der Krise die lange Nase zeigen

Von: Robert Flader
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karneval und kohle
Wie viel Geld bringt der Karneval? Foto: zva

Aachen. Die junge Frau hat es fast geschafft. Eben noch an die Kasse, kurz bezahlen und schon kann es losgehen. Wohin? „Erstmal nach Hause, umziehen”, verrät Marion Peters, bevor sie als bunter Schelm der Marke Till Eulenspiegel in die jecken Tage durchstartet. Satte 120 Euro kostet die Aachenerin der Großeinkauf im Karnevalswierts, „ich finde, einmal im Jahr darf das sein.”

Narren wie Marion Peters lassen für ihren Spaß gern einiges springen. Die Dame hinter ihr will mit ihrem Piratenoutfit Johnny Depp Konkurrenz machen. 70 Euro werden bei ihr fällig. „Na und? Es ist schließlich Karneval! Außerdem sieht das super aus.”

Karneval, na klar! Doch wo bleibt bei dem ganzen Kaufrausch die Krise? „Davon kann bei uns keine Rede sein”, sagt Frank Dohmen, Geschäftsführer des Karnevalswierts in Würselen. „Obwohl wir vorher die Befürchtung hatten, dass aufgrund der Wirtschaftskrise die Kaufkraft erheblich zurückgehen könnte.” Das Gegenteil scheint eher der Fall: „Karneval ist einfach ein fortlaufendes Geschäft, der Wandel zum Sparen hat uns bislang nicht berührt.” Die langen Schlangen an den Kassen belegen Dohmen. „Die kaufen wie verrückt ein.” In diesem Jahr seien vor allem Ganzkörperkostüme der absolute Kassenschlager. Marion Peters unterstreicht das: „Gegen diese Kälte hilft ja auch nichts anderes.”

Umsatzgewinn in der Krise

Auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten lassen sich die Narren das Feiern nicht nehmen, so viel scheint sicher. Die Bilder von den Marktplätzen und Kneipen in der Region belegen das eindrucksvoll. Da wird jeschunkelt und jebützt, egal wie die Aktien anderswo stehen. Im „Goldenen Schwan” auf dem Aachener Marktplatz ist in der Hochsaison schon am frühen Vormittag „einfach die Hölle los”, wie Inhaber Matthias Erforth das turbulente Innenleben seiner Gaststätte beschreibt.

Mit dem Bierzapfen kommt er kaum hinterher, so groß ist der Andrang. Die durstigen Jecken sind die besten Kunden. „Diese Tage muss man unbedingt mitnehmen.” Gerade wenn das Wetter wie in diesem Jahr nicht auf Seite der Narren steht, wenn sich die Sause in die Restaurants und Kneipen verlagert. Der Umsatz steige teilweise um das Doppelte. Karneval, bei Wind und Wetter für viele ein lohnendes Geschäft. Nicht nur die Narren zeigen der schlechten Stimmung die lange Nase. Krise, wer?

Zum Vergleich: In Köln erwirtschaftete der Karneval im vorigen Jahr rund 460 Millionen Euro. Damit liegen die Domstädter landesweit an der Spitze. Rund 5000 Arbeitsplätze hängen unmittelbar an einer Session. Zum Vergleich: Der Düsseldorfer Karneval hat in der 2009er Auflage nur knapp die Hälfte eingespielt (240 Millionen), doch auch in der Landeshauptstadt hängen immerhin rund 3500 Arbeitsplätze direkt mit der närrischen Zeit zusammen. Für Aachen und die Region gibt es vergleichbare Zahlen nicht. „Bei uns wird nicht gemessen, was bei der ganzen Feierei weggeht und was übrig bleibt,”, sagt Fritz Rötting von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen. „Deshalb sind verlässliche Zahlen schwierig zu ermitteln.” Dennoch sei anzunehmen, „dass auch in der gesamten Region viele Arbeitsplätze mit der Session zusammenhängen.

Auch in Eschweiler läuft das Geschäft mit der fünften Jahreszeit bislang gut. „Sehr gut sogar”, sagt Marc Lersch vom Eschweiler Wirteverein. „Alle Lokale konnten den Umsatz der Vorjahre mindestens halten.” Der deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) bestätigt das närrische Treiben. „Die Besucherzahlen in den Gaststätten sind deutlich gestiegen”, erklärt Dirk Deutz von der Dehoga Kreisgruppe Aachen. „Dafür ist die Zahl der Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahr und zu den sonstigen Jahreszeiten bislang rückläufig.”

Einer, der die jecken Tage auch gerne in Euro misst, ist Frank F. Zwischen Pontstraße und Katschhof ist er in Aachen unterwegs, auf der ständigen Suche nach Glasflaschen und Pfanddosen. „Das kann schonmal bis zu 100 Euro am Tag einbringen”, sagt er stolz. In diesem Jahr hat er weniger Glück, „es sind zu viele andere Pfandsammler unterwegs.” Seitdem es die Sicherheitsschleusen rund um den Markt gibt, sei es leichter, an kostbares Leergut zu kommen. „Aber in Aachen ist im Verhältnis zu Köln doch eher wenig zu holen.”

Der Karneval boomt, trotz oder gerade wegen der Wirtschaftskrise? „Der Rheinländer zieht sich in diesen Tagen gerne in seine kleine Oase zurück”, ergänzt Rötting. „Es herrscht eine Jetzt-erst-recht-Stimmung.” Feiern statt ärgern! Wenn schon die Wirtschaftskrise dem Karneval nicht schaden kann, wer dann? „Eigentlich nur das Wetter”, schätzt Frank Dohmen. „Aber dagegen können wir nun wirklich nichts tun.”
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