Deiters

Der kreative Kopf vom Karneval

Von: Andreas Bongartz
Letzte Aktualisierung:
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Richard Schall ist der Künstler im „Krözauer Fastelovend”. Auf seinem Speicher und im Keller stapeln sich Bilder und Entwürfe, für ihn ist nach der Session vor der Session. Foto: Andreas Bongartz

Kreuzau. Die bunt geschminkten Gesichter sind allgegenwärtig: Von Bildern an der Wand lachen sie einen an, als kleine Tonfiguren findet man sie an allen Ecken und Enden in Richard Schalls Haus. Der 66-Jährige ist Karnevalist durch und durch.

Vor allem die maskierten Spaßmacher scheinen es ihm angetan zu haben. Schöne heile Karnevalswelt. Aber dann das: „Als Kind war ich kein Karnevalsjeck”, sagt Richard Schall so ganz nebenbei. Irgendwie habe er halt damals eine Antipathie gegen Clowns im Speziellen und Karneval im Allgemeinen gehabt.

Schon mehr als 30 Jahre

Das sagt der Mann, der quasi alleine das visuelle Erscheinungsbild der Kreuzauer Karnevalsgesellschaft „Ahle Schlupp” geprägt hat. Denn Richard Schall ist der herausragende Künstler des „Krözauer Fastelovends”: Seit mehr als 30 Jahren entwirft und gestaltet er die Prinzenwagen sowie andere Wagen und Gruppen im Rosenmontagszug der „Schluppe”. Ordensentwürfe, Ideen, Zeichnungen und Werke zur Dekoration und Gestaltung der Festhalle, die Gestaltung des Rosenmontagszug-Programmheftes - alles von ihm.

Wie aus ihm dann doch noch ein Vollblutkarnevalist geworden ist, das weiß er selber nicht. Als Teenager fand Schall Gefallen am jecken Treiben - er war sozusagen ein karnevalistischer Spätzünder. Bei seiner Heimatgesellschaft hat man es ihm auch nicht gerade leicht gemacht. 1959 reichte er nämlich als 16-Jähriger beim „Ahle Schlupp” eine Büttenrede unter dem vielversprechenden Motto „Aktuelles Zeitgeschehen” ein. Eine Resonanz blieb bis heute aus, wie er mit einem Lachen erzählt: „Das war der einzige Versuch, den ich in diese Richtung jemals unternommen habe.”

Nach diesem missglückten Start wendet sich Schall den eher „sprachlosen” Aufgaben in der KG zu: Als Schminkmeister fängt er 1972 an, ein Jahr später arbeitet Schall am ersten Prinzenwagen mit, wieder zwei Jahre später entwirft er selbst seinen ersten Prinzenwagen.

Seitdem sind alle Wagen der Kreuzauer Tollitäten von ihm erdacht worden. Selber Prinz war Richard Schall aber nie, warum nicht? „Als Schaufenstergestalter hatte ich genug Öffentlichkeit, ich bin lieber im Hintergrund tätig”, sagt der kreative Kopf des „Ahle Schlupp” über sich selbst. Richard Schall ist ein klassischer Mann des Hintergrunds, einer der sich nicht lauthals nach vorne drängt, sondern lieber im Stillen arbeitet und dort Herausragendes leistet.

Untätig ist Schall nie. Nach der Session ist für ihn vor der Session: „Wenn Mitte des Jahres feststeht wer der neue Prinz wird, fange ich schon langsam an, höre was die Wünsche des neuen Prinzen sind und fertige dann meine Entwürfe im Maßstab 1:10 an.” Für seine Entwürfe sammelt er eigentlich ständig Ideen. Auf dem Speicher reiht sich Ordner an Ordner, alle voll mit Entwürfen, nicht verwendeten Einfällen, Sprüchen und ähnlichem.

Für den neuen Wolfgang I. war die Sache eigentlich relativ einfach: Ein großer Kopf wird auf dem Wagen zu sehen sein, dazu zwei Hände mit einem Fußballspieler in der einen und einem Radfahrer in der anderen - den beiden Hobbies des Prinzen. Ach ja: Der Fußballspieler, der Radler und der Riesenkopf - das sind natürlich alles Clowns. So ist aus dem Clownsverächter ein Connaisseur der geschminkten Spaßvögel geworden.
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