Eschweiler - Dem Leben als Karnevalsprinz auf der Spur

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Dem Leben als Karnevalsprinz auf der Spur

Von: Tobias Röber
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Prinz Patrick I. (links) und Zeremonienmeister Michael rocken derzeit die Stadt – und haben sichtlich jede Menge Freude daran. Foto: Tobias Röber
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Die Pagen dürfen nie fehlen bei den Auftritten. Foto: Röber/Santosi
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Bei seinem Lied „Heemat aan dr Eng“ werden gerne mal die Handys gezückt. In Röhe musste der Prinz Wettschulden bei einem seiner Vorgänger, René Schönenborn, einlösen. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Egal, ob man nun Karnevalist ist oder nicht, in der fünften Jahreszeit kann man sich dem närrischen Treiben kaum entziehen – es sei denn man verlässt Eschweiler. Diese Session ist für unsere Zeitung eine besondere, schließlich ist der Narrenherrscher unser Kollege. Wir wollten, wie bei fast allen Prinzen in den vergangenen Jahren, den Narrenherrscher und seinen Tross auch einmal begleiten.

Wer Bedenken auf Grund zu großer Nähe zum Prinzen hat, weil ein Kollege und zudem Freund mitgefahren ist, dem sei gesagt: Der Autor dieser Zeilen ist alles andere als ein Karnevalsjeck. Er hat den Prinzentross am Wochenende für ein paar Stunden begleitet, versucht, einen Blick von außen auf das Geschehen zu werfen, das närrische Treiben beobachtet und Antworten auf Fragen gefunden, die er sich ohnehin schon länger gestellt hat. Wo er nicht selbst Antworten gefunden hat, hat er entweder Prinz und Zerm oder Norbert Weiland, den Präsidenten des Karnevalskomitees, gefragt.

Traditionell wird am Karnevalsdienstag Ambrosius Claudius Äezebär in Weisweiler der Prozess gemacht, da er die Menschen mit dem „Virus carnevalis“ infiziert und diese so in einen tagelangen schädlichen Rauschzustand versetzt haben soll. Ist denn wirklich das ganze Eschweiler Volk vom Virus carnevalis befallen?

Irgendwie schon. Natürlich gibt es auch einige, die sich dem närrischen Treiben entziehen, aber selbst ich als – nun ja – nicht gerade der enthusiastischste Karnevalist in Eschweiler muss sagen: Die gute Stimmung in den Eschweiler Sälen und im gesamten Prinzentross ist ansteckend. Klar ist: Entweder muss man an den närrischen Tagen raus aus Eschweiler oder einfach mitfeiern. Die unzähligen Helfer, die die vielen Feste erst ermöglichen und von denen viele nicht im Rampenlicht stehen, haben sich Letzteres verdient.

Das Lied des Prinzenduos heißt „Mir rocke de Stadt“. Ist der Name Programm?

Ja sicher dat! In Eschweiler haben viele die CD gekauft, bei den Auftritten wird lauthals mitgesungen. Und in vielen Wohn- und Kinderzimmern sowie Autos läuft die Prinzen-CD rauf und runter. Wir haben das Lied einfach mal in der Karnevalsdiaspora Aachen getestet. Und siehe da: Auch dort geht es den Leuten nicht mehr aus dem Kopf. Ist aber auch verdammt eingängig. Ein echter Ohrwurm.

Prinz und Zerm geben die Lieder bei jedem Auftritt zum Besten. Kann man sie dann überhaupt noch hören?

Prinz Patrick I. und Zerm Michael: Natürlich, sie laufen sogar im Auto ständig. Ich weiß nicht, wie es bei den Vorgängern war, aber ich fürchte, auch nach Veilchendienstag werden sie noch regelmäßig laufen müssen. Man soll sich ja langsam und behutsam entwöhnen.

Was machen Prinz und Zerm (und der restliche Tross) eigentlich den ganzen Tag?

Nehmen wir mal den vergangenen Samstag. Neben den banalen Dingen des Lebens wie schlafen und essen, stehen für den Prinzen, den Zeremonienmeister und den Rest der jecken Bajaasch ganz viele Termine an. Los ging es am Samstag in der Neustraße beim traditionellen Empfang der Geschäftswelt, am Nachmittag standen Kindersitzungen in Hastenrath sowie Pumpestich auf dem Programm und am Abend ging es nach dem Heimspiel in der Festhalle Dürwiß nach Weisweiler, Röhe, Bergrath, in die Innenstadt und wieder nach Dürwiß. Das Ganze wiederholt sich, so oder so ähnlich, seit Wochen – Tag für Tag. Dass dafür sehr viel Urlaub draufgeht, versteht sich von selbst.

Und wer begleitet den Prinzen?

Hömmele Leute. Angefangen von den Pagen, die – manchmal schul- und kindergartenbefreit – bei sehr vielen Auftritten dabei sind, über die Pagenbegleiter, die Fahrer, die Prinzenbläser, die Begleitoffiziere und Mitglieder des Komitees. Auch Familienmitglieder und Freunde fahren immer wieder mal mit.

Und wie verbringen Prinz und Zerm ihre Pausen?

Prinz Patrick I. und Zerm Michael: Pausen gibt es kaum, weil eigentlich immer irgendwas zu regeln ist. Aber wenn man mal Ruhe hat, dann denken wir oft an das bisher in der Session Erlebte.

Bleibt überhaupt noch Zeit für was anderes?

Prinz Patrick I. und Zerm Michael: Kaum, selbst die Spiele unserer Lieblingsvereine können wir nicht live verfolgen. Wer Prinz und Zeremonienmeister in Eschweiler ist, hat kaum Zeit für andere Dinge. Die wenigen Stunden verbringen wir im Kreise der Familie.

Wie lange braucht der Prinz, bis er fertig angekleidet ist?

Prinz Patrick I.: Ich benötige fünf Minuten. Zeremonienmeister Michael behauptet, sogar noch schneller zu sein. Er hat allerdings einen Vorteil: Ich benötige immer Hilfe, um ins Kostüm hinein- oder hinauszuschlüpfen. Das Prinzenwams ist schließlich am Rücken geknöpft.

Werden die Kostüme von Prinz und Zerm zwischendurch auch gereinigt?

Prinz Patrick I. und Zerm Michael: Ja, auch wenn es manchmal eng ist und die Reinigung unseres Vertrauens sie über Nacht reinigen muss. Bei über 200 Terminen in fünfeinhalb Wochen könnten wir uns wahrscheinlich irgendwann selbst nicht mehr riechen, sollte das Kostüm nicht gewaschen werden...

Und wie viele Strumpfhosen gehen in der jecken Zeit drauf?

Prinz Patrick I.: Da die Strumpfhosen waschbar sind, gar nicht so viele. Fünf habe ich zum Wechseln. Nach Aschermittwoch werden sie im Schrank bleiben. ;-)

Gibt es einen Strafenkatalog und wenn ja, wofür muss man zahlen?

Prinz Patrick I. und Zerm Michael: So etwas besteht bei uns nicht. Bisher waren Strafen auch nicht nötig – wahrscheinlich haben alle viel Spaß an der Sache.

Darf der Prinzentross eigentlich überall parken?

Prinz Patrick I.: Privat gelten für mich die üblichen Regeln. Die Prinzenfahrzeuge haben allerdings Ausnahmegenehmigungen, womit wir auch Feldwege nutzen und durch die Fußgängerzone fahren dürfen. Dies ist allerdings auch wichtig, sonst können wir die Terminflut zeitlich nicht stemmen.

Was für kuriose Geschenke bekommt man als Prinz und Zerm?

Prinz Patrick I. und Zerm Michael: Ganz verschiedene Sachen. In den Kindergärten bekommen wir oft Selbstgebasteltes, was sehr schön ist. Wir erleben sowieso, dass sich die Menschen viele Gedanken machen, was sie uns schenken können. So haben wir Schals und Trikots bekommen, die zu einer Hälfte zum 1. FC Köln gehören und zur anderen Hälfte zu Borussia Mönchengladbach. Das dürfte weltweit einzigartig sein. Wir freuen uns sehr über den Ideenreichtum.

Nur mal angenommen, der Prinz ist schwer erkältet, bricht sich ein Bein oder ähnliches und kann Auftritte nicht wahrnehmen. Gibt es dann einen Ersatz für ihn?

Norbert Weiland: (lacht) Nein, wir haben keine Ersatzspieler. In Eschweiler ist das auch noch nie passiert. Wohl aber, dass ein Prinz so krank war, dass Auftritte abgebrochen werden oder für ein bis zwei Tage ausgesetzt werden mussten.

Stimmt es, dass der Prinz in seinem Ornat die Stadtgrenzen nicht überschreiten darf?

Norbert Weiland: Offiziell darf er die Stadt dann nicht verlassen. Eine Ausnahme gibt es beim Empfang der Städteregion und beim Prinzentreffen in Stolberg. Wir möchten einfach nicht, dass der Eschweiler Prinz, der bekanntlich mit einer ganzen Armada anreist, Sitzungen etc. in anderen Städten besucht und der dortige Prinz dann untergeht.

Gibt es irgendwann mal eine Prinzessin?

Norbert Weiland: Nein, das ist laut Satzung nicht vorgesehen. Prinz darf nur ein unbescholtener männlicher Bürger werden. Einen Kinderprinzen gibt es bei uns ja übrigens auch nicht. Unser Prinz hat einfach einen sehr großen Stellenwert und er besucht auch Kindersitzungen, Kitas etc.

Norbert Weiland war selbst einst Prinz (1981). Was hat sich für einen Prinzen in all den Jahren verändert?

Norbert Weiland: Vor allem die Zahl der Auftritte, die wesentlich mehr geworden sind. Zu meiner Zeit waren es noch um die 120, inzwischen sind es mehr als 200. Der Eschweiler Prinz besucht heutzutage mehr Seniorennachmittage, Kitas und es gibt mehr Damensitzungen.

Dann fehlt jetzt nur noch gutes Wetter für den Straßenkarneval...

Norbert Weiland: Die Sonne tragen wir im Herzen. Wir nehmen es so wie es kommt. Nur Unwetter muss nicht sein.

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