Düren - Belästigung an Karneval: Rufbereitschaft für Mädchen an Weiberfastnacht

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Belästigung an Karneval: Rufbereitschaft für Mädchen an Weiberfastnacht

Von: Sarah Maria Berners
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Im Gedränge könnte es schnell passieren: Wer an Weiberfastnacht belästigt wird, kann sich telefonisch an die Beratungsstelle des Kreises wenden. Eine Mitarbeiterin kommt im Notfall zu der Betroffenen. Foto: DZ-Archiv
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Ist an Weiberfastnacht für Mädchen und Frauen da: Jenny Eicker. Foto: smb

Düren. „Mein Körper gehört mir. Jeder Mensch muss für sich selbst festlegen, welche Berührungen für ihn okay sind. Und vor allem, von wem diese Berührungen in Ordnung sind“, sagt Jenny Eicker von der Beratungsstelle für Mädchen und Frauen des Kreises Düren.

Oftmals würden diese persönlichen Grenzen jedoch überschritten – auch oder gerade im Karneval. „Grenzverletzungen und Übergriffe gibt es täglich, das ist nicht nur an Karneval so“, weiß Eicker. Aber der Karneval und Alkoholkonsum ließen die Hemmschwellen oftmals sinken.

Zum ersten Mal bietet die Beratungsstelle an Weiberfastnacht von 11 bis 18 Uhr eine Rufbereitschaft für Mädchen und Frauen an. In Fällen von sexueller Belästigung und Übergriffen gibt es dann aber nicht nur telefonische Beratung und eine Terminabsprache: Wenn der Bedarf besteht, ist Jenny Eicker auch persönlich da, um Mädchen direkt beizustehen.

„Wir sind nicht nur Ansprechpartner, wenn es zum Schlimmsten, also zum Beispiel einer Vergewaltigung, kommt“, sagt Eicker. Es gebe sehr viele Formen der Grenzverletzung, bei denen Mädchen und Frauen anschließend Stabilisierung brauchten. Die Polizei sei natürlich auch immer Ansprechpartner, aber erfahrungsgemäß sei die Hemmschwelle, die Polizei zu rufen, etwas höher.

Viele Erwachsene schütteln immer wieder den Kopf über die immer knapperen Kostüme der Mädchen auf dem Kaiserplatz. Ist viel freie Haut ein zusätzlicher Gefahrenfaktor? „Nur weil ein Mädchen einen kurzen Rock trägt, ist das für Jungs noch lange keine Erlaubnis, das Mädchen anzufassen“, betont Eicker. Sie verweist zudem auf Studien, denenzufolge die Kleidung keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit hat, Opfer zu werden. „Viel größeren Einfluss haben das Auftreten eines Mädchens und dessen Körpersprache.“

In Gruppen zusammenzubleiben

Mädchen rät Eicker, in Gruppen zusammenzubleiben, einander zum Bus zu begleiten, gemeinsam Getränke holen zu gehen. „Und ganz wichtig ist es natürlich, klar und deutlich ‚Nein‘ zu sagen, wenn jemand übergriffig wird.“

Viele Mädchen würden erst im Nachhinein realisieren, dass jemand eine Grenze überschritten hat, dass sie etwas „über sich ergehen“ lassen haben, dass etwas nicht in Ordnung war. „Oft suchen Mädchen erst Tage oder Wochen später unseren Rat, weil sie eine bestimmte Situation nachhaltig beeinflusst“, sagt Eicker. Gleichwohl wollen die Beraterinnen bei den Jugendfeten an Weiberfastnacht sofort zur Verfügung stehen – für den Fall, dass sie gebraucht werden.

Bei Straftaten – und dazu gehören auch sexuelle Belästigungen wie das Anfassen an Po oder Brust – ist auch die Polizei immer ansprechbar. „Mädchen können dann die 110 anrufen oder die Beamten auf dem Kaiserplatz direkt ansprechen“, sagt Ingrid Königs von der Pressestelle der Dürener Polizei.

Um 18 Uhr ist mit der Rufbereitschaft der Beratungsstelle allerdings aus organisatorischen Gründen Schluss. Dann steht Mädchen aber das deutschlandweite Hilfetelefon (siehe Infokasten) zur Verfügung, auch die Polizei ist rund um die Uhr erreichbar.

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