Alles andere als eine schnelle Nummer

Alles andere als eine schnelle Nummer

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
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Langes Anstehen, kurzes Programm: Aus dem Kartenvorverkauf in der Barockfabrik am Löhergraben machen die Strunx-Fans seit Jahren ein buntes Happening. Selbst das Warten macht Spaß, lautet das Motto. Foto: Markus Schuldt

<b>Aachen. </B> An diesem Tag ist Kuno Hunold nicht Kuno Hunold. Kuno Hunold ist Nummer 102. Das verrät das kleine Plastikschild, das er sorgsam in seiner Tasche verstaut hat. Bekommen hat Hunold die Nummer als er sich morgens um zwanzig vor acht in die Schlange vor der Barockfabrik einreihte.

Dort werden die Karten für die sieben Strunxsitzungen verkauft. Und wie immer sind sie heiß begehrt.

Als Kuno Hunold vor der Barockfabrik eintraf, da waren viele schon da. Genau 101 Strunx-Fans waren noch früher aufgestanden als er. Die erste von den insgesamt 430 Nummern wurde bereits um viertel vor fünf ausgegeben, die Karten werden ab 14 Uhr in der vorher ermittelten Reihenfolge verkauft. Jeder bekommt höchsten vier.

Kuno Hunold ist mit seiner Platzierung sehr zufrieden. „Strunx macht einfach Spaß, sogar das Anstehen”, sagt er. Wenn die Vorbereitung stimmt. Hunold ist in einer 18-köpfigen Gruppe unterwegs. Bier, Sekt, Glühwein, Brötchen und Würstchen haben sie eingepackt. Die spärlichen Reste liegen auf einem moosbewucherten Plastiktisch der einer kleinen Terrasse vor der Barockfabrik steht.

Zwanzig Minuten vor Beginn des Vorverkaufs ist die letzte Nummer vergeben. Die Schlange der Wartenden reicht bis zur Straße. Die meisten sind tief in ihre dicken Jacken gekrochen, tragen wärmende Stirnbänder oder Mützen. Das Wetter ist fies, aus Lautsprechern dröhnt Musik, auf einer Leinwand laufen Videos von vergangenen Strunx-Sitzungen.

„Früher”, sagt Kuno Hunold, „war es hier schon mal ein bisschen hektisch”. Das waren die Zeiten, in denen er sich mit seiner Truppe bereits um zwei Uhr nachts anstellte um morgens Karten zu ergattern. Hunold ist ein Strunx-Routinier, in den letzten 16 Jahren hat er keine Sitzung verpasst. „Was mir richtig Spaß macht, ist diese vollkommen, von allen Traditionen gelöste Lust am Karneval”, sagt er.

erkörpert wird diese von den Strunx-Moderatoren Rudi Zins und Manfred Hammers. Und nachdem ein Lied gesungen wurde, zu dem sich die Wartenden im Takt bewegten, erscheinen sie beiden auf der Bühne vor der Leinwand. Sie fassen sich kurz. Erzählen, dass 2009 vom Warten geprägt sein wird. Warten auf den amerikanischen Präsidenten, den neuen Aachener Oberbürgermeister und warten auf jede Menge Wahlen.

„Aber die erste haben Sie ja schon getroffen und sich für die Strunx-Sitzung entschieden”, sagt Hammers. Die Menge bekundet Beifall. Danach gibt es kein weiteres Programm, die Leinwand bleibt dunkel und die Wartenden unterhalten sich selbst mit angeregten Gesprächen.

Kuno Hunold macht sich jetzt auf den Weg nach vorne. Vorbei an allen, die eine niedrigere Nummer gezogen haben als er, geht er zielstrebig auf die schmale Türspalte zu, hinter der es die Karten gibt.

Nach dem Aufruf der Nummer 210 wird bekannt gegeben, dass der Termin am 21. Februar ausverkauft ist. Einige in der Schlange schauen, als hätten sie soeben erfahren, dass die Pendlerpauschale nun doch wieder abgeschafft wird.. Kurz vor Nummer 302 fängt es dann auch noch an zu nieseln.

Kuno Hunold ist da schon längst im Trockenen. „Vier für den 14.”, sagt er zu den Kassiererinnen, die lustige Perücken und Hüte tragen. Hunold bezahlt, bekommt seine Karten. Das Ganze dauert nicht mal eine Minute. „Geschafft”, sagt Hunold erleichtert während vor den Kassiererinnen die Karten-Stapel immer kleiner und die Geldscheinberge immer höher werden.

Dann tritt Nummer 102 ins Freie, wird wieder zu Kuno Hunold und sagt: „Wenn ich mich jetzt noch ein Stündchen hinlege, dann macht der Samstag auch noch Spaß.”
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