Alaaf! Diese Zwillinge sind der Doppel-Elvis!

Von: Stefan Schaum
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Der Doppel-Elvis auf der Dreier-Couch: Michael Held ist als Prinz im Outfit „Burning Love“ unterwegs, Bruder Stefan trägt „Black Matador“. Foto: Stefan Schaum
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Kleine Elvis-Statuen und viel schräger Krimskrams: Auch die Sammelleidenschaft teilen die Zwillinge Michael und Stefan Held. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Es ist nicht so, dass die beiden Jungs Strumpfhosen grundsätzlich blöd finden. Aber die tragen ja alle Prinzen. Zu langweilig, haben Stefan und Michael Held sich gedacht und entschieden: Wenn schon Doppel-Prinz, dann bitteschön in einem richtig lässigen Outfit.

Und so kommt es, dass die Broicher Siedlung in Alsdorf das erste Fleckchen im ganzen Land ist, an dem ein eineiiges Zwillingspaar gemeinsam das Zepter schwingt – und zwar im Elvis-Presley-Look. Ziemlich verrückt. Oder besser: genau passend.

„Wir sind eben schräge Typen“, sagt Stefan Held. 43 ist er und fünf Minuten älter als sein Bruder – aber nicht unbedingt der größere Karnevalist. „Wir sind im Grunde gleich jeck, da gibt’s nichts.“ Dass die beiden aus Sicht von traditionellen Karnevalisten einmal so aus der Art schlagen, dass sie im Karneval den King of Rock’n’Roll markieren, war eigentlich nicht zu erwarten. Schließlich wird in dem 4000-Einwohner-Stadtteil die Tradition noch gepflegt bei der KG Rote Funken, deren Mitglieder die Zwillinge schon länger sind, als sie denken können.

Bloß eine späte Rache?

Vielleicht ist der Elvis ja bloß eine späte Rache für die Hexen-, Enten- und Monchichi-Kostüme, in die die Kinder damals von ihren Eltern gesteckt wurden. „Wir hatten eigentlich immer scheußliche Sachen an“, sagt Michael Held. Nach einem Blick ins Wohnzimmer seiner Junggesellen-Wohnung scheint ein anderer Grund für die Kostümwahl plausibler: Die Zwillinge lieben einfach Trash und Pop-Kultur.

In einem Regal stehen etliche Elvis-Figürchen mit Wackelkopf, an der Wand hängen ein hübsch gerahmtes Poster von einem Atombomben-Test und Bilder von Regisseur Quentin Tarantino, der ebenfalls als großer Elvis-Verehrer gilt.

Doch ob der amerikanische King wirklich zum rheinländischen Karneval passt? Klar, sagen die Zwillinge. „Wir machen schließlich keine Parodienummer daraus. Wir singen auf der Bühne auch keine Elvis-Songs oder legen einen Hüftschwung hin. Wo wir sind, wird traditioneller Karneval gefeiert.“ Und das funktioniere bestens in den maßgefertigten Anzügen, die ein schneidernder Elvis-Fan aus Hamburg ihnen geliefert hat. 1500 Euro das Stück – und damit immer noch günstiger als manch andere Prinzen-Ausstattung.

Michael geht feuerrot im Modell „Burning Love“, Stefan bevorzugt das coole Schwarz von „Black Matador“. Einfach mal tauschen können sie übrigens nicht – denn einer von beiden wiegt ein paar Kilo mehr als der andere. Wer das ist, verraten sie zwar nicht, aber ansonsten ist bei ihnen so ziemlich alles gleich.

Zusammen sind sie durch die Elektriker-Lehre beim EBV, dann waren sie zwei Jahre unter Tage in Bottrop, später kam die Weiterbildung zu Industriemeistern. Gardisten in ihrer KG sind sie ebenfalls im Duo geworden, und zwar vor 2 x 11 Jahren. Bei so viel Bruderliebe war ja klar, dass nicht nur einer Prinz werden kann. Und einer musste, denn das war schließlich der Wunsch der Mutter.

1992 war Mama Annemie Prinzessin in der Broicher Siedlung, an der Seite ihres Manfred. „Schon damals war ziemlich klar, dass es später auch von uns mal einer machen muss“, sagt Michael. Und wenn einer gleich zwei Prinzen machen kann, dann nur wir!“

Als vor gut einem Jahr die Entscheidung fiel, dass im 4 x 11. Lebensjahr der Söhne der richtige Zeitpunkt für das Prinzendasein wäre, hat die Mutter sich – obwohl schwer krank – gleich einen Petticoat gekauft. Angezogen hat sie ihn nicht mehr, und hier wird die Geschichte traurig, denn vor wenigen Wochen ist sie gestorben. „Uns war immer klar, dass wir dennoch die Session durchziehen“, sagt Stefan Held, und Michael nickt. „Das hätte sie genau so gewollt.“

Dass die Elvis-Prinzen keine Prinzessinnen zur Seite haben, versteht sich. Michael ist solo, und deshalb bleibt auch die Frau von Stefan daheim. Ganz nach dem Motto: Zwei sind super, aber drei wären eine zu viel. Stefan: „Das fühlt sich zwillingsmäßig einfach nicht so gut an, wenn nur einer eine weibliche Begleitung dabei hat.“ Und so lässt sich doch auch viel besser flirten mit den Damen in den Sälen. „Da sind auch viele ältere Semester bei, die unsere Kostüme richtig super finden“, sagt Stefan Held. „Die kennen den Elvis ja noch aus ihrer Jugendzeit und sind ganz aus dem Häuschen, wenn wir reinmarschieren.“

Normale Typen in L.A.

Nach der Session haben die Elvis-Kostüme übrigens nicht ausgedient. Denn die Prinzen kegeln auch, in einer Herrenrunde namens „Kegelclub Charmant“. In ein paar Monaten steht für diese Truppe ein großer Ausflug an, und zwar nach Las Vegas. Klar, dass die Outfits dann auch in den Koffer müssen. Obwohl: So viel Beachtung wie in der Broicher Siedlung dürften sie in den USA nicht finden.

Wenn man einem Elvis-Darsteller heute irgendwo über den Weg läuft, dann doch wohl in L.A. Den Held-Zwillingen soll es recht sein. „Ist auch ’ne Abwechslung für uns“, sagt Michael Held. „Da drüben sind wir dann einfach mal zwei ganz normale Typen.“

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