Aktionsbündnis gegen AKV-Orden an Guttenberg wächst

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. Den designierten Ordensträger „wider den tierischen Ernst” plagen derzeit garantiert andere Probleme als die Frage, ob er am 19. Februar persönlich in den Narrenkäfig des Aachener Karnevalsvereins steigt.

Die erklärten Gegner des „Kriegsministers Guttenberg” ficht das nicht an - und sie machen kein Hehl daraus, dass die jüngsten Medienscharmützel um den CSU-Politiker ihnen ganz gut zupass kommen.

Verhohnepipeln

„Herr Guttenberg sorgt mal wieder für Furore, und wir sind wieder zahlreicher geworden.” So brachte es Dr. Ansgar Klein, Initiator des Protestbündnisses aus mittlerweile rund zwei Dutzend Organisationen, Parteien und Einzelpersonen, auf den Punkt. Und deren Vertreter ließen keinen Zweifel daran, gegen wen - und für was - sie im Vorfeld der vielleicht prominentesten Fastelovvend-Fete der Republik am Eurogress demonstrieren wollen. „Unsere Aktion richtet sich nicht gegen den AKV und schon gar nicht gegen den Karneval, der sich von jeher dadurch auszeichnet, dass er das Militär kritisch verhohnepipelt”, meinte Otmar Steinbicker, Ex-Vorsitzender und inzwischen Ex-Mitglied des Vereins Aachener Friedenspreis. Keinesfalls solle es etwa darum gehen, den Gästen der Ordensverleihung eine Art Spießrutenlauf durchs Spalier der Demonstrierenden zu bescheren. „Guttenberg aber ist persönlich verantwortlich für den Tod von acht deutschen Soldaten, die seit seinem Amtsantritt ums Leben gekommen sind.”

Als Herausgeber des Magazins http://www.aixpaix.de habe er selbst den Minister per Brief an dessen Äußerung erinnert, die „Kommunikationskanäle” in Richtung Taliban-Führung „politisch nachzuschärfen” - und ihm Unterstützung durch Nutzung diverser persönlicher Kontakte angeboten. Das Schreiben hatte Steinbicker gemeinsam mit dem Auslandsbeauftragten der nationalen Friedens-Jirga in Afghanistan, Naqibullah Shorish, aufgesetzt. Seitens des Ministeriums sei das Ansinnen dann allerdings als „nationaler Sonderweg” zurückgewiesen worden. Für Steinbicker und seine Mitstreiter ein weiterer Beleg dafür, dass Guttenberg eben nicht alle politischen Möglichkeiten nutze, dem Kämpfen und Sterben am Hindukusch ein Ende zu setzen: „Und ein Minister, der einen Krieg auch mit wirtschaftlichen Gründen legitimiert, sollte sich nicht am kollektiven Schenkelklopfen beteiligen.”

Umso entschiedener traten die Sprecher des neuen Aktionsbündnisses dem Eindruck entgegen, dass ihre eigenen Reihen nicht zur Gänze geschlossen seien. Denn der Vorsitzende des Vereins Aachener Friedenspreis, Karl Heinz Otten, hatte immerhin erklärt, dass die Initiative der neuerlichen Pressekonferenz am Montag fernzubleiben gedenke. Zur besagten Aktion mit Menschenkette, Transparenten und Trommelschlägen - an der man selbstverständlich teilnehme - sei „alles gesagt” (siehe Kurzinterview). Auch habe der Verein sich aktiv in die Vorbereitungen eingebracht. „Allerdings werden wir mit dem Künstler Gerd Lebjedzinski an der Monheimsallee auch eine eigene Aktion veranstalten”, sagte Otten. Von jüngsten Plänen, einschlägige Initiativen in einem neuen „Friedensbündnis Region Aachen” besser zu vernetzen, distanziere man sich „ausdrücklich”.

Was nicht nur Klein mit Bedauern zur Kenntnis nahm und als „Missverständnis, vielleicht aufgrund der Namensähnlichkeiten” bezeichnete. „Viele Teilnehmer der Aktion sind ja auch Mitglied im Verein Aachener Friedenspreis”, sagte Jochen Luczak, Vertreter der Aachener Grünen. „Ich denke, wir können diese Unstimmigkeiten ausräumen.”
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